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Mehr als nur ein Strohfeuer

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Ein heller Raum, in dem in fast jeder verfüg­baren Ecke ein Produkt aus Stroh steht, hängt oder aufgelegt ist. Das ist der erste Eindruck, den man beim Eintritt vom Stroh­atelier Sense-Oberland erhält. Da sind die verschiedensten Dekorationsgegenstände zu sehen; gleich beim Eingang ist noch die Osterecke aufgebaut. Es gibt einen Bereich mit Schmuck, mit Ohrringen und Armbändern, Tischsets in allen möglichen Farben, kleine Behälter etwa für Blumengestecke und grosse, die man als Papierkorb verwenden kann. Im vorderen Teil mit herrlichem Ausblick auf die Voralpen ist ein Arbeitsplatz mit einer alten Nähmaschine und anderen Verarbeitungsutensilien eingerichtet.

«Es ist einfach Wahnsinn, was man aus einem Strohhalm machen kann.»

Danuta Mülhauser

Langjährige Leiterin Strohatelier Rechthalten

 

Im hinteren Teil der Räumlichkeiten steht der Tisch, an dem gerade eine kleine Kollektion neuer Hüte für eine Alp­hornbläser-Gruppe auf den letzten Schliff wartet. Neben Strohhüten für Trachtengruppen entstehen hier auch andere Modelle: Sommerhüte und Modehüte – mal traditionell und klassisch, mal modern und keck.

Ein tiefe Leidenschaft

Auf die Frage, wie viele verschiedene Produkte das Stroh­atelier anbietet, zuckt Danuta Mülhauser mit den Schultern. So auf die Schnelle kann sie die Frage nicht beantworten. Schon allein an Trachtenhüten gibt es 129 verschiedene Modelle. Die 67-Jährige war in den letzten Jahren die treibende Kraft im Strohatelier. Seit 28 Jahren ist im Betrieb, in den letzten 20 Jahren hatte sie die Leitung inne und diese Aufgabe mit viel Herzblut und weit über das offizielle 40-Prozent-Pensum hinaus erfüllt. In all den Jahren hat sie ihre Faszination und Leidenschaft für das einfache Material Stroh nie verloren. «Es ist einfach Wahnsinn, was man aus einem Halm machen kann. Ich staune immer noch darüber.»

Vielseitiges Material

Sie ist glücklich, dass dieses «Strohfeuer» auch ihre Nachfolgerin ergriffen hat. Eveline Offner gehört seit August 2016 zum Team. Die gelernte Damenschneiderin hat ein Atelier für Trachten und grosses Interesse an altem Handwerk. Anfang Jahr hat sie die Leitung des Ateliers übernommen. Der kreative Aspekt dieser Tätigkeit habe sie gereizt, sagt sie im Gespräch. «Ich war mir aber anfangs nicht bewusst, was man alles aus Stroh machen kann.» Es ist diese Vielfalt an Möglichkeiten, dieses auf den ersten Blick unscheinbare Material wie Stroh zu verarbeiten, welche die beiden Frauen vereint. «Der Halm ist in trockenem Zustand eher steif und widerspenstig. Macht man ihn nass, wird er unglaublich flexibel», erzählt die 24-Jährige.

Darüber staunen jeweils auch die Gruppen, die an den Öffnungszeiten am Montag und Donnerstagnachmittag sowie am ersten Samstag im Monat im Atelier vorbeikommen, Seniorengruppen, Vereine und Firmen. Diese Führungen, etwa 30 pro Jahr, sind ein fester Bestandteil des Angebots. Die Gäste erhalten Einblick in die Geschichte der Strohproduktion und in die Art der Verarbeitung.

Wieder ein wenig in Mode

Der Verkauf von Trachten­hüten, einst die Hauptein­nahmequelle des Strohateliers, nimmt schrittweise ab. Trotzdem liefert der Betrieb auch heute noch regelmässig solche Hüte in die ganze Schweiz und ins nahe Ausland, führt auch Reparaturen und Restauratio­nen durch. In seiner Art ist das Atelier, das von einer Genossenschaft getragen wird, schweizweit einzigartig (siehe auch Kasten). Das Team umfasst drei Personen in Teilzeit.

Reich werden könne man mit der Strohverarbeitung heute nicht mehr, meint die langjährige Leiterin. Wenn es so wäre, gäbe es viel mehr Betriebe. Wie viele Materialien sei Stroh mal mehr in Mode, mal weniger. Derzeit sei es wieder ein wenig mehr in, da viele Leute wieder mehr Wert auf Naturprodukte legten. Von einem Boom könne man aber nicht sprechen, ergänzt ihre Nachfolgerin. «Das alte Handwerk ist ein wenig in Vergessenheit geraten. Wer sich aber näher damit befasst, ist ebenso davon angetan wie wir», so Eveline Offner. «Was wir brauchen würden, wäre jemand, der für uns kräftig die Werbetrommel rührt.» Via soziale Medien will die neue Leiterin versuchen, frische Absatzkanäle zu erschliessen.

Gute Ideen und etwas Tüfteln

Ansonsten gehe es darum, immer wieder was Neues ins Sortiment aufzunehmen und die Kundschaft zu überraschen, sagen die beiden Frauen. Danuta Mülhauser erzählt, dass sie beim Anblick eines dekorativen Gegenstandes immer sofort den Reflex habe, zu fragen, ob man ihn wohl auch aus Stroh anfertigen könnte. Oft habe sie zu Hause stundenlang getüftelt, bis sie mit dem Resultat zufrieden war. Auf jedes ihrer kreativen Erzeugnisse ist sie stolz, egal ob eleganter Modehut oder kleines Accessoire. Und sie freut sich, wenn eine ihrer Ideen auch bei den Kunden gut ankommt. Wie etwa das Wellness-Täschchen, der Verkaufsschlager im letzten Weihnachtsgeschäft: ein kleines Strohtäschchen mit überraschendem Inhalt, sich bei einem guten Tee, einem Stück Schokolade und ein entspannendes Bad zu gönnen. Sie verrät aber auch, dass schon mal die eine oder andere Träne geflossen sei, wenn ein Modehut über die Ladentheke gegangen sei, an dem sie besonders lange und mit viel Herzblut gearbeitet habe.

Generalversammlung am Sa., 14. April, 14 Uhr im Strohatelier Rechthalten. Weitere Infos: www.strohatelier.ch

Zahlen und Fakten

Das Gold der armen Leute

Das Sense-Oberland war ab Mitte des 19. Jahrhunderts ein bedeutendes Zentrum der Strohverarbeitung im Kanton Freiburg. Viele Familien lebten damals vom Stroh. Die Halme einer inzwischen ausgestorbenen Getreideart, dem Poppeliweizen, wurden getrocknet, sortiert und mehrfach aufgeschnitten. Die Streifen wurden gepresst und zu Tressen geflochten oder mit einer Maschine zu Schnüren, «Drethli», gedreht und zusammengenäht. Frauen und Kinder erledigten diese mühevolle Handarbeit im Akkord. Zwischen 80 Rappen und 1,50 Franken erhielten sie zur Blütezeit für 1000 Stück Strohschnüre. Sie tauschten sie im Dorfladen gegen Lebens­mittel, Tabak und Tuch ein. Der Krämer verkaufte sie via Zwischenhändler ins Ausland. Stroh war einer der ersten Exportzweige des Kantons Freiburg und eine wichtige Erwerbsquelle. Nach Mitte des 19. Jahrhunderts änderte sich dies: Einige Länder erhoben Zölle. Kriege und Handelskrisen sowie Konkurrenz aus dem Ausland führten zum Preiszerfall und schliesslich zum Niedergang der Strohproduktion. Das Wissen ging nach und nach verloren. 1988 stellte die letzte Herstellerfirma für Trachtenhüte aus Stroh im Kanton Aargau ihren Betrieb ein, und Trachtenleute aus der ganzen Schweiz befürchteten einen Engpass für ihre Hüte. Die Sensler Strohflechterin Ruth Rumo hat ihr Handwerk damals noch ausgeübt und war bereit, auf Zureden des Schweizerischen Heimatwerks und des Schweizerischen Trachtenverbandes einen Betrieb aufzubauen. So kamen einige der alten Maschinen der Aargauer Hutfabrik nach Rechthalten. Die Genossenschaft gibt dem Atelier, in dem drei Frauen in Teilzeit beschäftigt sind, den Boden. «Die Bestellungen für neue Trachtenhüte nehmen mit dem schweizweiten Rückgang von Trachten tragenden Personen stetig ab», sagt Gérald Buchs, seit der Gründung im Vorstand und seit 1995 Präsident der Genossenschaft. Da diese Hüte lange die Haupteinnahmequelle waren, sind die Finanzen an den Jahresversammlungen immer wieder ein Thema. Eine Gönnervereinigung, ein Zustupf des kantonalen Amtes für Kultur, der Loterie Romande sowie die Einnahmen aus den Verkäufen und aus den Führungen halten die Finanzen mehr oder weniger im Lot.

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