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Meienbergs Freiburger Fussabdrücke

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Im September 1993 sass Niklaus Meienberg mit Fridolin Fischli im Restaurant Gotthard in Freiburg bei einem Fondue. Sie gingen dann Richtung Lausannegasse, zwischendurch schweifte Meienbergs Blick über die Dächer der Freiburger Altstadt. Der wortgewaltige Journalist war bedrückt. Wo er und sein Freund früher im- mer etwas zu lachen gehabt hatten, versuchte dieser nun, ihn aufzumuntern. Meienberg sei eine Saftwurzel und wer- de wieder grossartige Texte schreiben, sagte ihm Fischli. Es kam nicht mehr dazu. Am 22. desselben Monats wählte Meienberg den Freitod. Seine kritische Stimme verstummte.

Dass Meienberg nochmals in Freiburg auftauchte, obwohl er mit seinem Leben schon abgeschlossen hatte, überrascht nicht. Er hatte zur Zähringerstadt eine besondere Beziehung. «Ich habe Freiburg so gern, und die Stadt scheint mir so voller Möglichkeiten zu stecken, dass ich mich eher als Wahl-Freiburger denn als Ursprungs-St.-Galler betrachte», schrieb er einmal. Oder: «Öppis wie Friburg chamer i ganz Tütschland ga sueche.»

Begeistert und empört

Meienberg hatte Freiburg in seinen berühmten Reportagen verewigt. Jene etwa über Jo Siffert, in der er den Autorennfahrer als Bindeglied zwischen Ober- und Unterschicht verwendete. Legendär sein Bild des Funiculaire: «Auf diese Weise lassen die barmherzigen Einwohner der Oberstadt die Mitbürger in der ‹basse ville› schon seit Jahrzehnten an ihren Exkrementen profitieren.» Die Reaktionen darauf waren wie immer bei Meienberg: begeistert bis empört.

Niklaus Meienberg schrieb über den Wistenlacher Boxer Fritz Chervet, den Papstbesuch in Freiburg, und in «Memoiren eines Chauffeurs» blickte er auf seine bewegte Studienzeit in Freiburg zurück.

 Nach der Internatszeit in Disentis begann der St. Galler bei Professor Roland Ruffieux ein Studium der Geschichte. Doch Miséricorde nahm eine untergeordnete Rolle ein: Meienberg präsidierte nebenbei den Verein «Schweizer Freunde Angolas» und trat der Schulungsgemeinschaft des Theologen Hans Urs von Balthasar bei. Dazu sah man ihn regelmässig auf Ausritten hoch zu Pferd, und er unterhielt eine Reihe Liaisons zu Frauen. Meienberg tat sich schwer mit dem Abschluss des Studiums: Erst 1968, als er bereits von Paris aus journalistisch tätig war, reichte er die Lizenziatsarbeit über Charles de Gaulle und die USA ein.

In Freiburg baute Meienberg ein beeindruckendes Beziehungsnetz mit Personen aller Schichten und Milieus auf. Als Frankophiler fand er Zugang zu den Romands. Oft gingen erste Kontakte auf eine flüchtige Begegnung zurück: ein Kreuzen im Korridor, ein Leserbrief in der Studentenzeitung, ein Fest in der Altstadt. Jahre später begegneten sie sich wieder: Meienberg als Autor von Ruf, seine Bekanntschaften mit Karrieren in Wissenschaft, Medien, Kultur oder Politik. Gar oft spielte der kürzlich verstorbene Notar Hermann Bürgy den Vermittler.

Immer wieder kehrte Meienberg an die Saane zurück. Er überraschte seine Bekanntschaften mit spontanen Besuchen und erwartete fast selbstverständlich Kost und Logis. Als Meienberg 1988 den Max-Frisch-Preis gewann, lud er all seine Bekannten, inklusive Frisch, zum Essen bei Corpaato ein und präsentierte ihnen sein Freiburg. Er fand in Freiburg immer wieder Kraft. Doch diese erschöpfte sich im September 1993.

Meienbergs Prioritäten 1964 in Freiburg: Von der Dissertation über Angola bis zur Liebe. Bilder KUB, zvg

Zitate: Vorbild, sexistisch und blödsinnig

I n der Publikation «Reportagen aus Freiburg» beschreiben zahlreiche Freiburger Bekannte Niklaus Meienberg aus ihrer Sicht:

• Roger de Weck (SRG-Direktor): «Meienberg, Tinguely, Jo Siffert – das waren Menschen des mechanischen Zeitalters. Der eine mit seinen Rennmaschinen, der andere mit seinen Kunstmaschinen, der dritte mit seiner Schreibmaschine. Alle drei haben sich auf ihre Weise vom mechanischen Zeitalter verabschiedet.»

• Roger Jendly (Schauspieler): «Meienberg war ein Anarchist, aber er fuhr einen Alfa Romeo, als sei er der König der Kapitalisten.»

• Walter Tschopp (Kunsthistoriker): «Es hat mich getroffen, dass mein Vorbild, der grossartige Journalist, so sexistisch, blödsinnig daherkommt wie ein Bauernlümmel.»

• Fridolin Fischli (Klavierlehrer): «Meienberg verherrlichte das Starke und das Überlegene. Hingegen hasste er das Mittelmässige, das Brave, das Biedere, das Anpasserische.»

• Georges Andrey (Historiker): «Wer so gut Französisch spricht, ist für mich sofort ein Freund.» uh

Zitate aus: «Reportagen aus Freiburg – Erinnerungen an Niklaus Meienberg», Urs Haenni und Silvia Zehnder-Jörg, KUB, 2014.

Ausstellung «Warum Meienberg?», bis 15.11.2014, Ausstellungssaal KUB.

Nächste Veranstaltungen: «Hommage à un franc-tireur», Debatte mit Roger de Weck und Marlyse Pietri. Dienstag, 30.9., 18.30 Uhr. Filmvorführungen: Die Erschiessung des Landesverräters Ernst S., 12.10., 18 Uhr. Es ist kalt in Brandenburg, 26.10., 17.30 Uhr. Der Meienberg, 2.11., 18 Uhr. Jeweils Kino Rex.

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