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Ohne Wurst, Rahmglace und Wollpulli

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Eigentlich passe er gar nicht in diese Serie mit dem Titel «Leben ohne», sagt Raffael Fasel, 27-jährig, Jurist, Veganer. «Ich will, dass Tieren gewisse Dinge nicht widerfahren», sagt er. «Indem ich auf tierische Produkte verzichte, verzichte ich auch auf sehr viel Gewalt an Tieren.» Ein veganes Leben stelle für ihn keinen Verlust, sondern einen Gewinn dar.

Mit wenig zufrieden

Das Gespräch mit Raffael Fasel findet bei einem Abendessen im Restaurant Molino in Freiburg statt. «Dieses hat diverse vegane Speisen», schrieb Fasel in der SMS, in der er das Restaurant für das Treffen vorschlug. Am Abend zeigt sich: Ein Veganer kann im Molino aus ein paar Antipasti, zwei Salaten und Spaghetti napoletana oder Penne all’arrabbiata auswählen. Sie sind auf der Karte mit einem goldenen Kreis markiert. Fasel entscheidet sich für die Penne. «Immerhin sind die veganen Gerichte deklariert», sagt Fasel zufrieden. «Für Freiburg ist das schon gut.» Wäre dies nicht der Fall, hätte er eine Pizza bestellt, ohne Mozzarella. «Man muss da pragmatisch sein.» In Zürich, Basel oder Bern sei das Angebot für Veganer besser. «In vielen italienischen Restaurants gibt es zum Beispiel Pizzen mit veganem Käse.» Oder an der Uni-Mensa in Zürich gebe es am Mittag zwei verschiedene vegane Sandwiches. Und Salat.

Am Anfang aufwendig

Raffael Fasel lebt seit knapp fünf Jahren vegan. Er isst oder trinkt nichts, was aus Tieren ist oder von Tieren stammt. Keine Milch, keine Eier, kein Fleisch, keine Rahmglace,keine Omelette, kein Schinkensandwich. «Vieles kann man vegan auch zubereiten, und man merkt den Unterschied gar nicht.» So schmecke eine vegane Bolognese-Sauce mindestens so fein wie eine mit Fleisch. «Ich habe Gästen schon eine solche Sauce serviert, und sie waren erstaunt, als ich ihnen am Schluss sagte, dass kein Fleisch drin war», sagt er und grinst.

 Am Anfang sei die vegane Ernährung aufwendig gewesen. «Bei x Produkten habe ich die Rückseite studiert, um herauszufinden, ob etwas Tierisches darin ist.» Mit der Zeit wisse man aber, welche Lebensmittel in Ordnung seien. «Jetzt brauche ich im Coop nicht länger als jemand, der Fleisch isst», sagt Fasel.

Raffael Fasel ist ausgesprochen dünn. Blass ist er aber nicht–entgegen der gängigen Vorstellung. «Ich lebe gesünder, seit ich Veganer bin.» Er esse viel mehr Gemüse und insgesamt ausgewogener. Die vegane Ernährung mute dem Organismus auch weniger zu. «Und dünn war ich schon immer.» Seine Mutter habe ihm Vitamin-B12-Tabletten zur Nahrungsergänzung geschenkt, die er gelegentlich nehme. «Ich habe aber nicht das Gefühl, dass ich einen Mangel habe. Ich bin gesund.»

Früher liebte er Kebab

In den ersten Jahren des Kollegiums ass Raffael Fasel regelmässig Kebab. Und machte sich nicht gross Gedanken zu Lebensmitteln. «Irgendwann sah ich ein grässliches Video von einer Schlachtung.» Er entschied sich, auf Fleisch zu verzichten. «Mit der Zeit habe ich aber gemerkt, dass das inkonsequent ist.» Tiere würden genauso gequält und ausgebeutet für die Milch- oder Eierproduktion. «Die Hälfte der Küken wird geschreddert oder vergast, da sie sich als Männchen nicht zur Eierproduktion eignen», sagt er und fügt an: «Aus tier-ethischer Sicht geht Vegetarismus zu wenig weit.»

 Raffael Fasel spricht ruhig und überlegt. Er weiss, was er sagt, und er kennt die Argumente und Vorurteile, die von «Fleischfressern» kommen. Nicht zum ersten Mal sagt er diese Sätze: «Vegan leben ist reine Gewöhnungssache. Ich habe nicht nur vegane Freunde und werde trotzdem noch zum Essen eingeladen. Veganismus ist keine Wohlstandserscheinung, der enorme Fleischkonsum aber schon» – Raffael Fasel muss sich oft für seine Lebensweise rechtfertigen. «Sobald jemand weiss, dass ich vegan bin, werde ich ausgefragt.» Manchmal sei das mühsam, doch er diskutiere gerne. Und im Gespräch könnten die Kritiker seinen Standpunkt mindestens ansatzweise verstehen.

Raffael Fasel ist überzeugt, dass er recht hat, aber er missioniert nicht. «Das ist kontraproduktiv.» Wenn er über nicht-vegane Leute spricht, schwingt nie ein Vorwurf mit. Höchstens eine Art Unverständnis. «Meine Mutter ist eine unglaubliche Tierliebhaberin, aber sie isst Fleisch. Das passt nicht zusammen.» Und obwohl für seinen Entscheid Emotionen eine Rolle spielten, argumentiert er nicht emotional, nicht moralisierend. Sondern mit logischen Argumenten. «Man kann nicht Schlachtungen schlecht finden und trotzdem Fleisch essen. Das ist zu einfach.» Und er verweist auf die Wissenschaft: «Es ist nachgewiesen, dass Tiere Schmerz empfinden. Eine Kuh schreit aus dem gleichen Grund wie ein Mensch, wenn man sie mit einer Gabel piekst.»

Komplett vegan

Fasel versucht, sein Leben durch und durch vegan zu gestalten. Er trägt kein Leder, keine Wolle, keine Seide. Er hat sich über Körperpflegeprodukte informiert und weiss, welche Cremes und so weiter ohne Tierversuche hergestellt wurden. Medikamente nimmt er so selten wie möglich. «Natürlich kann ich nie ganz sicher sein, ob nicht doch ein Stoff drin ist, der an Tieren getestet wurde. Aber das lässt sich nicht vermeiden.»

 Im Gegensatz zum gängigen Vorurteil – und wohl auch zu einigen anderen Veganern – ist Raffael Fasel in seltenen Fällen zu Kompromissen bereit. «Es kann Situationen geben, in denen eine Ausnahme vielleicht notwendig ist.» Bei der Suche nach einem Beispiel windet er sich jedoch. «Würde mich mein Chef zum Abendessen einladen und er wüsste nicht, dass ich vegan bin, dann würde ich das Gemüse essen, auch wenn Butter dran wäre», sagt er nach einigem Zögern. Auch hier sei Pragmatismus wichtig. «Der Schaden, den ich dabei anrichte, ist minim.» Und: «Wenn man zu streng ist, erreicht man nichts.» Er wisse von Veganern, die nicht auswärts essen, weil sie befürchteten, dass die veganen Gerichte in einer Pfanne gemacht werden, in der vorher Tierisches gekocht wurde. «Wenn ich in ein Restaurant gehe und nach etwas Veganem frage, wissen die Wirte zumindest, dass eine Nachfrage besteht. Die Grenze zu Fleisch würde ich allerdings nie überschreiten.»

Infoszum veganen Leben in Freiburg: www.vribourg.ch

Beruf: Im Tierrecht doktorieren

D er Veganer Raffael Fasel widmet sich auch beruflich den Tieren. Er hat in Freiburg Recht studiert und in London zusätzlich einen Master in Philosophie absolviert. Für ein Jahr hat Fasel nun als wissenschaftlicher Assistent an der Universität in Zürich gearbeitet, und bald fliegt er in die USA. Dort hat er einen Platz an der renommierten Yale-Universität erhalten. «Sie nehmen nur etwa sieben Prozent der Bewerber. Ich hatte nie gedacht, dass es mir reichen wird», sagt er, fast verlegen, so, als könne er es noch nicht ganz glauben.

Nach dem Jahr in den USA will Raffael Fasel eine Dissertation schreiben, und zwar im Bereich des Tierrechtes. «Der Mensch wollte Sklaven keine Rechte geben, er wollte Frauen keine Rechte geben, und er will Tieren keine Rechte geben», sagt er. In allen drei Bereichen seien die Argumente dieselben. «Bei den Tieren gibt es noch viel zu tun.» mir

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