Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Oper: Schwarz-weisse Innenräume – Melancholie und Leidenschaft

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: Hubert Reidy

Einige Episoden aus Puschkins umfangreichem Versroman «Eugen Onegin» hat Pjotr Iljitsch Tschaikowski mit ergreifender, reicher Musik ausgestattet, hat Momente dichter, unverwechselbarer Atmosphäre geschaffen. Die «lyrischen Szenen» wollte er vorerst nicht in prunkvollem Gewande in einem opulenten Musiktheater aufgeführt wissen; Studierende des Moskauer Konservatoriums haben die Uraufführung dann 1879 im Moskauer Maly-Theater verwirklicht.

Schlüssige Inszenierung

Und so wird auch in Freiburg mit einfachsten Mitteln gearbeitet: Im Zentrum stehen die Protagonisten mit ihren Gefühlen, ihrer Leidenschaft, ihrem emotionalen Seelenleben. Die sparsame, wirkungsvolle Lichtregie (Serge Simon) rückt sie und ihre Gefühlsregungen ins Zentrum.

Kaum etwas lenkt von den Aktionen der Handlungsträger ab. Die Chormitglieder und einzelne Personen verharren in eindrücklichen, ästhetisch wirksamen «Standbildern», beobachten, deuten mit ihrer Mimik innerlich die Agierenden. Fast jede Geste, jede Bewegung wird bewusst inszeniert, neben den handelnden Personen herrscht eine Dramatik der Bewegungslosigkeit (Regie: Eric Perez).

Die wenigen Materialien und Requisiten haben ihre Symbolkraft (Ruth Gross). Schwarz und Weiss dominieren das Bild. Hier der Schmerz, die Melancholie, dort das Weiss beleuchteter Elemente – Licht, «einem Dekor des russischen Winters gleich» -, das sich ins Grau, Blau, in Lila, in Rottöne wandeln kann und neue Atmosphären, neue Bilder schafft. Und als Kontrast zum konstanten Schwarz stechen die geschmackvollen, samtenen Kostüme einzelner Protagonisten heraus (Jean-Michel Angays und Stéphane Laverne).

Einfache, wirkungsvolle Elemente

Die rechteckigen, beleuchteten Elemente bestimmen das Bühnenbild, kontrapunktieren mit ihrem Weiss, ihren Farben das allgegenwärtige Schwarz. Sie begrenzen und öffnen Räume, markieren die Enge des ländlichen, des bürgerlichen Milieus. Tische und Hocker weiten die Bühne in die Vertikale aus, dienen als Schlafstätte, als «Fürstenthron».

Ein ausgezeichnetes Solistenensemble

Eindrücklich, wie Tatjana (Ekaterina Godovanets) die zentrale Briefszene mit ihrer lyrischen, unverkrampften, vollen Stimme gestaltet, das Seelendrama einer schlaflosen Nacht mit ihren Selbstzweifeln glaubhaft, überlegen lebt. Sergei Stilmachenko als Eugen Onegin wirkt in der eröffnenden Landszene neben der lang gewachsenen Tatjana etwas blass, spielt später aber einen leidenschaftlichen Spielverderber (zweiter Akt) und Liebesbesessenen (dritter Akt), mit wandlungsfähiger, nicht allzu lauter Stimme.

Mit hellem, prägnantem Tenortimbre, mit reicher Dynamik und Leidenschaft verkörpert Svetislav Stojanovic den Poeten Lenski. Und seine Angebetene, die vorerst sorglose, ausgelassene Olga (Karine Motyka), singt ihre Rolle mit warmer, dunkler, sonorer Stimme.

Richard Ackermann als Fürst Gremin singt mit noblem Timbre seinen Lobgesang auf die geliebte Tatjana, und auch die dankbaren Rollen der Gutsbesitzerin Larina und der Kinderfrau Filpjewna finden in Hermine Huguenel und Béatrice Burley beachtliche Interpreten. Einen Sonderapplaus durfte Michel Mülhauser für seine komödiantische Einlage als Monsieur Triquet entgegennehmen.

Einen bestechenden Eindruck hinterliess der Chor, homogen, mit jugendlichem, gelöstem Klang, mit beachtlicher mimischer Sicherheit in den «Standbildern». Laurent Gendre feuerte «sein» Freiburger Kammerorchester mit klaren Gesten, sorgsam, dynamisch an und erreichte eine beachtliche Koordination zwischen Orchester, Solisten und Chor.

Hochstehendes Musiktheater

Die anspruchsvolle Partitur, das häufige Rubato-Spiel forderten vom Orchester eine hohe Konzentrationsleistung. Der recht kleine Streicherkörper (Platzmangel im «Orchestergraben») bewirkte ein etwas ungewohntes Klangbild – ohne gewohnte satte Streicherklänge – mit dominierenden Bläserregistern. Szenisch und musikalisch bemerkenswertes, hochstehendes Musiktheater!

Mehr zum Thema