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Osteopathie-Studium ist Premiere

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Am 15. September werden an der Hochschule für Gesundheit (HfG) die Sektkorken knallen. Nicht nur, weil das neue Semester anfängt, sondern weil der dann beginnende Osteopathie-Studiengang an der HfG eine schweiz- und europaweite Premiere darstellt. Erstmals wird es möglich sein, diese alternative Heilmethode im Endausbau der Ausbildung bis zu einem Masterabschluss zu führen. Im vergangenen Januar hatte der Bund zum Studiengang im Rahmen der Westschweizer Fachhochschule HES/SO grünes Licht gegeben (die FN berichteten).

Das sei der Startschuss gewesen, erklärt Susanna Weyermann, Direktorin der HfG, auf Anfrage. Dann sei Eile angesagt gewesen: «Wir mussten das Programm in acht Monaten auf die Beine stellen.» Da kam es den Verantwortlichen entgegen, dass sie sich in vielen Punkten nach den bestehenden Konzepten der HES/SO richten konnten und nicht alles neu erfinden mussten.

 Eine neue «Baustelle»

Die Vorwürfe, welche während der Sommermonate gegen die HfG-Führung im Allgemeinen und gegen sie selbst im Besonderen erhoben wurden (FN vom 6. August), würden den Start des Studiengangs nicht beeinflussen, so Weyermann. Noch habe sie die Angelegenheit nicht mit Erziehungsdirektor Jean-Pierre Siggen diskutieren können, so Weyermann weiter, davor werde sie dazu keine Stellung nehmen.

Frühere Angestellte und die Gewerkschaft VPOD hatten unter anderem in einem Brief an Siggen die Arbeitsweise von Weyermann bemängelt und über ein schlechtes Arbeitsklima geklagt. Im Verlauf der Debatte wurde die mit Hochdruck vorangetriebene Einführung des Osteopathie-Studiengangs als Faktor genannt. Zurzeit wird als Folge der erhobenen Vorwürfe eine interne Untersuchung an der HfG durchgeführt.

30 von 117 ausgewählt

In der Zwischenzeit wurden vier Dozenten im Teilzeitpensum angestellt. Die Leitung haben mit den Waadtländern Sandro Fossetti und Pierre Frachon zwei erfahrene Osteopathen inne. Für alle Dozenten stand laut Weyermann nicht nur das reine Fachwissen im Vordergrund: «Sie stehen alle aktiv im Beruf als Osteopathen.» Zudem haben die Verantwortlichen die Module des Studiengangs ausgearbeitet, ein System für Qualitätskontrolle auf die Beine gestellt und das Selektionsverfahren für die Studierenden durchgeführt.

Das Interesse am Studiengang war gross, was die Zahl der Anmeldungen aufzeigt: 117 konkrete Anmeldungen sind bei der HfG eingegangen, 30 wurden ausgewählt und bestätigt. Darunter sind etwa ein Drittel Männer. Das sei erstaunlich, waren doch zu Beginn weitgehend Bewerbungen von Frauen eingegangen.

Die sprachliche Aufteilung entspricht noch nicht den Wünschen der Verantwortlichen. Unter den Bewerbern waren grossmehrheitlich Französischsprachige. Der Anteil der Deutschsprachigen beträgt etwa 15 bis 20 Prozent. Weyermann führt dies auf die kurze Einschreibefrist und die ungenügende Bekanntheit des Studiengangs in der Deutschschweiz zurück. Dabei sind die Kurse vom ersten Tag an fast zu gleichen Teilen zweisprachig. «Das bedingt, dass wir die gesamte Dokumentation zweisprachig erstellen sowie unsere Internetseite zweisprachig bedienen», so die Direktorin.

Nach fünf Jahren fertig

Wichtig ist aus Sicht der Verantwortlichen, dass der Studiengang von Beginn an zu gleichen Teilen medizinisches und osteopathisches Wissen gleichwertig vermittelt. Die Planung des Studiengangs in Freiburg ist vorerst bis zum Bachelorabschluss gediehen, umfasst also die ersten drei Jahre. Nun nehmen die Verantwortlichen die Planung des anschliessenden Master an die Hand. Dieser dauert zwei Jahre. Erst mit diesem Abschluss erfolgt die Berufsbefähigung.

Das sei das Besondere an diesem Studiengang, betont Weyermann. Generell ermögliche schon der Bachelorabschluss in einer FH die Aufnahme der Berufstätigkeit. Das Osteopathie-Studium schliesst aber mit einer von der Konferenz der Gesundheitsdirektoren ausgearbeiteten Prüfung. Erst wer diese besteht, kann nach einem Praktikum in den meisten Kantonen praktizieren. Er gilt als Erstversorger und darf Patienten ohne ärztliche Verschreibung behandeln.

Nachfrage ist gross

Damit bietet die HfG auch als erste Schweizer Fachhochschule eine medizinische Ausbildung im engeren Sinne an. Bis anhin standen nur anverwandte Ausbildungen wie diejenigen der Physiotherapeuten oder Hebammen auf den Programmen der Fachhochschulen (siehe Kasten). In der Schweiz besteht eine starke Nachfrage nach osteopathischen Behandlungen. Die Krankenkassen haben letztes Jahr laut Weyermann 1,5 Millionen Behandlungen registriert. Die Tendenz sei steigend, so Weyermann.

Zahlen und Fakten

Die Schulen der «manuellen Medizin»

Aktuell gilt die Osteopathie in der Schweiz als Komplementärmedizin und ist in der Westschweiz stärker verankert als in der Deutschschweiz. Sie wird von vielen Krankenkassen anerkannt und über die Zusatzversicherung bezahlt. Sie gehört damit nicht zu den fünf zulasten der Grundversicherungen gehenden Heilmethoden. Die Osteopathie-Tradition in Europa geht davon aus, dass durch eine sanfte Behandlung mit blossen Händen verschiedene gesundheitliche Störungen diagnostiziert und behoben werden können. Dazu gehören Blockaden des Bewegungsapparates an Knochen oder Muskeln. Ein wichtiges Element ist dabei die Möglichkeit der Selbstheilung. Die Osteopathie wird oft zu jenen komplementärmedizinischen Formen gerechnet, die der «Schulmedizin» in vielen Bereichen am Nächsten kommen. Die Disziplinen der sogenannt manuellen Medizin befruchten einander und überdecken sich zusehends. Während die Chiropraktik mit der Osteopathie nah verwandt ist, ging die Physiotherapie, früher Krankengymnastik genannt, einen anderen Weg. Sie bedient sich zwar oft ähnlicher Instrumente wie die Osteopathie, ist aber mit weiteren Elementen wie motorischem Training verbunden. Physiotherapie läuft in der Schweiz per Attest über die Grundversicherung.fca

Osteopathie-Studium: Die Meinungen sind geteilt

D er Bund und die Fachhochschulen (FH) haben die Lancierung des Freiburger Studiengangs in Osteopathie begrüsst. Er stösst jedoch nicht überall auf Begeisterung. Pia Fankhauser, Vizepräsidentin von Physioswiss, der Schweizerischen Vereinigung der Physiotherapeuten , verweist auf die beschränkten öffentlichen Mittel, die für die Ausbildung und die Umsetzung von Studiengängen zur Verfügung stehen. Es herrsche ein grosser Mangel an Fachkräften und Ausbildungsplätzen. Bisher wurde dieser weitgehend durch die Zuwanderung ausgeglichen. Doch dieser Nachschub an Fachkräften sei langfristig nicht gesichert. «Da wird Geld ausgegeben für neue Studiengänge, die nicht für die Grundversorgung bestimmt sind», hält sie fest und ergänzt: «Die Physiotherapie und die Pflege werden breit in der medizinischen Versorgung eingesetzt.» Die Nachfrage nach den Dienstleistungen ihrer rund 8500 Mitglieder sei gross, so Fankhauser weiter. Sie denke dabei besonders an den Anstieg von chronischen Erkrankungen, an die Alterung der Gesellschaft oder die Einsatzmöglichkeiten in der Rehabilitation: «Da kann die Physiotherapie viel eher ihren Beitrag leisten, als die Osteopathie.» Sicher sei: Eine neue Ausbildung auf FH-Ebene gehe auf Kosten der anderen etablierten Berufe. «Die vorhandenen Mittel werden so unnötig gebunden.» Komme hinzu, so Fankhauser, dass der neue Studiengang nicht nur Finanzmittel, sondern auch den Nachwuchs abziehe. «Diese fehlen dann beispielsweise in der Physiotherapie.» Das Studium sei demzufolge nicht lösungsorientiert für die Herausforderungen der Zukunft.

Der Dachverband der Schweizer Osteopathen (SVO), der 800 Mitglieder vertritt, ist glücklich über die neue Freiburger Ausbildung. Sie sei ein «lang ersehnter Meilenstein für den Beruf», schrieb die SVO nach dem grünen Licht aus Bundesbern. Durch die Anerkennung der Ausbildung auf diesem Niveau werde der Beruf aufgewertet und für seriös befunden, schreibt Pierre Frachon, SVO-Vizepräsident und zukünftiger Dozent an der HfG. Die SVO erhofft sich mit diesem Schritt auch eine stärkere Verbreitung der Osteopathie in der Deutschschweiz. Revolutionär sei die Ausbildung deshalb, weil Berufsleute ausserhalb der Schweiz in der Regel von Berufsverbänden oder privaten Schulen organisiert werden.

An Ansätzen wie der Osteopathie sei nichts auszusetzen, sagt Gesundheitsökonom Heinz Locher. «Allerdings bin ich der Auffassung, dass alles, was nicht wissenschaftlich belegt werden kann, nicht zulasten der Grundversicherung abgerechnet werden sollte.» Dabei gibt er zu bedenken, dass die für alternative Methoden oft bestrittene und geforderte «Wissenschaftlichkeit» durchaus auch in der Schulmedizin verschiedene Stufen der Evidenz aufweise. fca

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