Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Politische Träume

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Neulich hatte ich einen sonderbaren Traum: Ich hatte mich beim Schweizer Radio als Nachrichtensprecher beworben und kam zu meiner Freude in die engere Auswahl. Der Redaktionsleiter lud mich ins Radiostudio ein, wo er mich kurzerhand ins kalte Wasser warf. Um meine Stimme, meine Lesekompetenz und wohl auch meine Stressbewältigungsfähigkeit einer praktischen Prüfung zu unterziehen, musste ich nämlich ohne jede Vorbereitung die 18-Uhr-Nachrichten lesen. Ein Techniker positionierte mich vor dem Mikrofon, und eine Frau mit mitleidsvollem Blick, vermutlich eine Sekretärin, überreichte mir, sozusagen in letzter Sekunde, ein Blatt mit den aktuellsten Nachrichten. Der Redaktionsleiter gab mir ein Handzeichen, das ich als «Legen Sie los!» interpretierte, also legte ich mit dem Ehrgeiz und der ganzen Nervosität eines frischgekürten Nachrichtensprechers los:

Schweizer Radio SRF, 18 Uhr, «Echo der Zeit»: Hier die Nachrichtenübersicht:

Die DNA-Analyse eines Schnurrbarthaars von Adolf Hitler in einem Labor der Ben-Gurion-Universität in Tel Aviv hat zweifelsfrei ergeben, dass Hitler jüdische Vorfahren hatte. Von den Spitzenvertretern der rechtsextremen Parteien ist bis jetzt keine Reaktion bekannt, da diese angeblich immer noch unter Schock stehen.

Der amerikanische Präsident Donald Trump hat in einem Anfall von geistiger Hellsichtigkeit getwittert, er entschuldige sich bei allen Menschen, die er während seiner Präsidentschaft mit seinem unflätigen Benehmen verletzt habe. Er schäme sich vor dem amerikanischen Volk, das er ununterbrochen belogen habe, und ziehe aus seinem politischen und moralischen Fehlverhalten die Konsequenzen: Er verzichte auf eine Wiederwahl und werde – sobald er sich von seiner Covid-19-Erkrankung erholt habe – für den Rest seines Lebens in einem grenznahen mexikanischen Kloster Busse tun.

Und hier noch drei innenpolitische Nachrichten:

Der schweizweit bekannte Nationalrat Andreas Glarner trennt sich von seiner Familie. Nach eigenen Angaben verliebte er sich während eines politisch motivierten Aufenthalts auf der Insel Lesbos in eine Muslimin, die nun in der Schweiz einen Asylantrag gestellt hat. Glarner kündigte seine Mitgliedschaft bei der SVP mit sofortiger Wirkung. In Zukunft werde er sein asylpolitisches Know-how in den Dienst der Schweizerischen Flüchtlingshilfe stellen.

Ein ehemaliger Präsident des Grossen Rats des Kantons Freiburg fordert von den «Freiburger Nachrichten» für linke Gastkolumnen folgenden Warnhinweis: «Achtung, diese Kolumne kann Ihre politische Urteilsfähigkeit gefährden!» Um die Leserschaft vor aufwieglerischem Gedankengut zu schützen, schlägt der regional bekannte Politiker eine Zensurbehörde vor, die nur noch Artikel durchgehen lässt, die mit dem politisch unbedenklichen Qualitätssiegel «c’est Bruno» versehen sind.

Tamara Funiciello plant zwei Jahre nach der spektakulären Verbrennung ihres Büstenhalters zum Zweck der öffentlichen Brandmarkung des Sexismus eine neue Aktion für eine antisexistische und antikapitalistische Schweiz: Zusammen mit der deutschen Frauenrechtlerin Alice Schwarzer, der Berner Nationalrätin Christa Markwalder sowie Bundesrätin Simonetta Sommaruga wird sie am schweizerischen Nationalfeiertag auf dem Bundesplatz in Bern Mozarts Flötenquartett in D-Dur, Köchelverzeichnis 285, zur Aufführung bringen. Pikantes Detail: Funiciellos Flöte wird mit einem Kondom überzogen sein, was gemäss ihren eigenen Aussagen für eine besonders aufreizende Klangfarbe sorgen soll.

Unbestätigten Meldungen zufolge macht die Wunschdirigentin Magdalena Martullo-Blocher ihre Zusage von der Akzeptanz ihres Mundschmutzes – äh Mundschutzes abhängig.

Dieser peinliche Versprecher riss mich augenblicklich aus dem Schlaf. Erleichtert, einer überfordernden Aufgabe entronnen zu sein, aber auch ein wenig betrübt, dass sich die Wirklichkeit wieder einmal keinen Deut um diese Falschnachrichten kümmern würde, seien sie nun begrüssens- oder beklagenswert. Aber das haben Träume und Falschnachrichten halt so an sich.

Hubert Schaller ist unter anderem Autor der Gedichtbände «Trommelfellschläge» (1986), «Drùm» (2005) und «Federleicht» (2016). Bis zu seiner Pensionierung unterrichtete er Deutsch und Philosophie am Kollegium St. Michael in Freiburg. Als FN-Gastkolumnist schreibt Hubert Schaller regelmässig über selbst gewählte Themen.

Kommentar (0)

Schreiben Sie einen Kommentar. Stornieren.

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die Pflichtfelder sind mit * markiert.

Mehr zum Thema