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Private sollen Autobahndach mittragen

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Die Idee klingt verlockend: Eine Überbauung einer Nationalstrasse schafft nicht nur neuen Wohnraum, ohne weiteres Kulturland zu versiegeln. Sie schützt auch die Anwohner vor dem Lärm der Autobahn, führt getrennte Quartiere wieder zusammen und verbessert die städtebauliche Qualität.

Um zu prüfen, welches Potenzial solche Überbauungen tatsächlich haben, hat der Bund die Studie «Mehrfachnutzung von Nationalstrassen» in Auftrag gegeben. Die Resultate hat er vor kurzem veröffentlicht. Die Untersuchung konzentrierte sich auf 98 Abschnitte von jeweils 500 Metern Länge, sechs davon befinden sich im Kanton Freiburg (siehe blauen Kasten). Das Resultat: Nur auf 38 Teilstrecken könnte Überbauung zweckmässig und sinnvoll sein. Die meisten davon befinden sich in den Kantonen Bern, Genf, Nidwalden, Schwyz, Waadt und Zürich. Von den Standorten im Kanton Freiburg hat die Studie keinen als rentabel klassiert. Auch nicht den Abschnitt Chamblioux–Bertigny auf der Autobahn A 12 zwischen den Ausfahrten Freiburg Nord und Süd, für den schon seit längerem die Idee einer Überdachung besteht (siehe Kasten).

Neuer Anlauf für ein Dach

Wegen der zu hohen Kos- ten war ein Projekt im März 2013 in weite Ferne ge- rückt. Daraufhin begann der Bund, die Minimalvariante mit Lärmschutzwänden zu planen. Trotzdem haben zehn Grossräte im letzten September mit einem Vorstoss versucht, neuen Wind in die Angelegenheit zu bringen.

Sie fordern den Staatsrat dazu auf, das Projekt wieder aufzunehmen und sich beim Bund dafür einzusetzen. Zudem soll der Staatsrat einen Leitungsausschuss mit allen Beteiligten bilden und das Projekt innert zweier Jahre sowohl von technischer als auch von finanzieller Seite her planen.

 Die nun erschienene Studie ändere für ihn gar nichts, sagt Jean-Daniel Wicht, Grossrat (FDP), ehemaliger Syndic von Givisiez und Mitautor des Vorstosses, auf Anfrage. «Die Studie berücksichtigt nur das Baupotenzial, das unmittelbar über der Autobahn entsteht.» Bisher sei das Dach in Freiburg aber für den Langsamverkehr vorgesehen und eine Überbauung nie geplant gewesen. «Dies gilt es natürlich zu überprüfen. Viel wichtiger ist aber das Gelände, das neben der Autobahn zusätzlich bebaubar wird.»

Eine Überdachung reduziere die Lärmemissionen viel stärker als Lärmschutzwände. Dies würde nicht nur die bestehenden Gebäude aufwerten, sondern es auch erlauben, höher und näher an die Autobahn heranzubauen, sagt Wicht. «Damit könnten wir mindestens zusätzliche 50 000 Quadratmeter Land nutzen.» Dieses gehört dem Bund, dem Kanton, der Gemeinde Givisiez und privaten Besitzern. Mit dem Ja zum neuen Raumplanungsgesetz habe die Schweizer Bevölkerung sich gegen eine Zersiedelung ausgesprochen. «Mit einem solchen Projekt könnten wir verdichten und den neuen Vorgaben entgegenkommen.» Zudem würde die Schneise zwischen den drei Gemeinden Givisiez, Freiburg und Granges-Paccot geschlossen.

Finanzen ungeklärt

So gut dies klingt, Knacknuss bleiben die Finanzen. Ein Projekt für die Überdachung des Abschnitts Chamblioux–Bertigny hat das Bundesamt für Strassen (Astra) 2013 auf 75 Millionen Franken veranschlagt. Abzüglich der Summe, die der Bund ohnehin für das Erstellen von Lärmschutzwänden aufwenden müsste, bleiben rund 40 Millionen Franken, die es aufzuteilen gilt.

«Im Moment haben wir noch bei niemandem Geld beantragt», sagt Wicht. Neben den betroffenen Gemeinden Givisiez, Granges-Paccot und Freiburg seien aber auch Bund und Kanton gefordert, findet Wicht. «Der Staatsrat könnte damit das Kantonszentrum stärken. Zudem muss er sich beim Bund für den Kanton Freiburg starkmachen.»

Die öffentliche Hand ist aber nicht die einzige Geldquelle, die sich der Direktor des Freiburgischen Baumeisterverbands vorstellen kann. Um das fehlende Geld aufzutreiben, sei auch eine öffentlich-private Partnerschaft gut denkbar. «Und es gibt durchaus interessierte lokale Unternehmen», betont Wicht. So habe er mit drei weiteren Grossräten und vier Unternehmern eine Arbeitsgruppe gebildet. Erste Studienaufträge zur Machbarkeit seien bereits lanciert, erste Resultate seien für Ende Februar vorgesehen. «Ich bin sehr optimistisch, dass wir etwas erreichen können. Zunächst warte ich aber noch die Antwort des Staatsrats auf das Mandat ab.»

«Nicht befriedigend»

An manchen Orten beim betreffenden Autobahnabschnitt würden heute die maximalen Lärmwerte überschritten, sagt René Schneuwly (CVP), Syndic von Granges-Paccot. Eine Sanierung durch den Bund ist gemäss Lärmschutz-Verordnung deshalb obligatorisch. «Lärmschutzwände sind aber nicht wirklich befriedigend», betont Schneuwly. Was das Ästhetische betreffe, zerschnitten sie die Landschaft noch mehr, als dies die Autobahn bereits tue. Zudem werde diese Minimalmassnahme zwar dafür sorgen, dass die vorgegebenen Höchstwerte eingehalten würden. «Der Lärm wird aber immer noch da sein.»

Ähnlich sieht es Georges Baechler (parteilos), Syndic von Givisiez. «Diese Autobahn stört seit vierzig Jahren. Eigentlich hätten wir schon lange etwas machen müssen.» Da ohnehin Sanierungsarbeiten anstünden, sei dies eine einmalige Gelegenheit, um ein grösseres Projekt zu realisieren. «Für die Gemeinden ist es aber unmöglich, die Finanzlast alleine zu tragen.» Deshalb hofft er, dass nun Bund, Kanton und auch Private mitziehen. Das Projekt sei interessant, meint Pierre-Alain Clément (SP), Syndic von Freiburg, auf Anfrage. «Für uns ist es aber nicht prioritär.»

Ein Brief ans Astra

Bereits etwas konkretere Informationen sind von Staatsrat Maurice Ropraz (FDP) zu erhalten. Wie im Vorstoss gefordert, habe der Staatsrat beim Bundesamt für Strassen interveniert. «Wir haben darüber informiert, dass auch von privater Seite her Interesse für das Projekt besteht. Zudem haben wir das Astra gebeten, seine Position nochmals zu überdenken und nicht einfach die Lärmschutzwände zu erstellen, sondern bei der Überdachung mitzumachen.» Der Staatsrat jedenfalls sei bereit, sich mit allen Partnern an einen Tisch zu setzen, zu verhandeln–und das Projekt auch finanziell zu unterstützen. Bei der ersten Version des Projekts vor mehreren Jahren habe der Staatsrat eine Beteiligung von zehn Prozent zugesichert–und diese Zusicherung auch beibehalten, als sich die vorgesehenen Kosten beinahe verdoppelt hätten. «Wir sind nach wie vor bereit, diese Zusage einzuhalten.»

Bevor es dazu kommen könne, gelte es aber, die Antwort des Bundes abzuwarten. «Der Bund hat in diesem Dossier das letzte Wort.» Sollte sich das Astra offen zeigen, sei abzuklären, ob die nötigen Investionen dem erwarteten Nutzen entsprechen. «Das Projekt muss auch ökonomisch sinnvoll und rentabel sein, sonst lohnt es sich nicht.»

Bund zahlt nur Minimum

Auch wenn die Studie des Bundes die Rentabilität von Überbauungen geprüft habe–ein abschliessendes Urteil könne sie über die einzelnen Standorte nicht geben, räumt Felix Walder, stellvertretender Direktor des Bundesamts für Wohnungswesen, auf Anfrage ein. «Unsere Annahmen sind natürlich sehr vereinfachend.» So sei in der Studie geprüft worden, wie teuer eine Überdachung inklusive Folgekosten an den einzelnen Standorten zu stehen komme und wie dicht der Deckel bebaut werden müsste, um zu den üblichen Mietpreisen eine Rendite zu erzielen. «Ausgeblendet haben wir dabei eine eventuelle Unterstützung durch Gemeinden, Kantone oder andere Geldgeber.» Ebenfalls ausser Acht gelassen habe die Studie die Wertsteigerung des umliegenden Geländes. «Und wenn der Bund ohnehin verpflichtet ist, in Lärmschutzmassnahmen zu investieren, kann dies die Situation nochmals ändern», so Walder.

Wie viel Geld der Bund auf dem Abschnitt Chamblioux–Bertigny in Lärmschutzwände investieren müsste, konnte Olivier Floc’hic, Mediensprecher beim Astra, noch nicht sagen. «Wir sind noch in der Projektierungsphase.»

Grundsätzlich sei der Bund offen für eine Projektänderung, sagt Floc’hic. Klar ist jedoch, dass Gemeinden, Kanton und Private für die Mehrkosten bei einer Überdachung aufkommen müssten. «Unser Beitrag wird nicht über das Nötige hinausgehen. Nun ist der Ball beim Kanton und den Gemeinden.»

Zur Studie

Keiner der Freiburger Abschnitte ist rentabel

Die vom Bund in Auftrag gegebeneStudie«Mehrfachnutzung von Nationalstrassen» hat geprüft, welche Abschnitte des rund 1800 Kilometer langen Nationalstrassennetzes sich für den Wohnungsbau eignen. Dabei wurden sie nach raumplanerischen, topografischen, wohnungsmarktspezifischen sowie bau- und verkehrstechnischenKriterienbeurteilt. Ebenfalls untersuchte die Studie, wie gross das Wohnungsbaupotenzial auf den ausgewählten 98 Abschnitten von je 500 Metern Länge wäre und unter welchen Bedingungen diese Wohnungen aus Investorensicht rentabel wären. ImKanton Freiburghat die Studie sechs Standorte näher betrachtet. Neben dem Abschnitt Chamblioux–Bertigny (siehe Haupttext) sind dies ein Abschnitt in Villars-sur-Glâne (Les Dailles), in Matran (Route de la Maison-Neuve), Hauterive (Route de l’Ecole) und Wünnewil-Flamatt (Staffelsstrasse und Talstrasse). Was Standortfaktoren und Immobilienmarkt, Raumplanung und Städtebau sowie Bau- und Verkehrstechnik angeht, erzielte Granges-Paccot mit 4,23 von 5 Punkten von den sechs Abschnitten das beste Resultat. Was dieRentabilitätangeht, kam die Studie jedoch für alle Abschnitte zum selben Resultat: Um eine Rendite zu erzielen, müssten die Mieten deutlich über den hier marktüblichen Preisen liegen. «In Freiburg sind die Marktpreise deutlich tiefer als beispielsweise in Zürich», sagt Felix Walder, stellvertretender Direktor des Bundesamts für Wohnungswesen, auf Anfrage. Um bei den örtlichen Preisen rentabel zu sein, wäre einezu dichte Überbauungnötig. Während für den Abschnitt Chamblioux–Bertigny schon lange über eine Überdachung diskutiert wird, scheint dies an anderen Ortenkein Themazu sein. «Wir haben im Gemeinderat nie über ein solches Projekt gesprochen», sagt Doris Bucheli, Gemeindepräsidentin von Wünnewil-Flamatt, auf Anfrage der FN.rb

Überdachung: Keine Einigung bei der Finanzierung

E in Projekt für eine Überdachung des Autobahnabschnitts Chamblioux – Bertigny auf der A 12 zwischen den Ausfahrten Freiburg Nord und Süd existiert schon seit 2006. Als der Kanton das Projekt 2010 an das Bundesamt für Strassen (Astra) weiterreichte, waren die Gesamtkosten für die 620 Meter lange Überdachung auf 42 Millionen Franken veranschlagt. Gemäss dem damaligen Verteilschlüssel hätte der Bund 25 Millionen Franken bezahlt. Die drei Gemeinden Givisiez, Granges-Paccot und Freiburg hätten die Restkosten von 17 Millionen Franken unter sich aufgeteilt, wobei Givisiez den grössten Teil übernommen hätte.

Das Astra musste jedoch Anpassungen vornehmen. So wurden im Projekt aus Sicherheitsgründen die Fahrtrichtungen getrennt. Auch verbreiterte das Astra die Fahrspuren, damit bei Sanierungen oder Zwischenfällen der Verkehr in beide Richtungen gewährleistet ist. Auch die Teuerung und Unvorhergesehenes trugen dazu bei, dass das Astra die Kostenschätzung auf 75 Millionen Franken hochschraubte. Abzüglich der vom Bund beigesteuerten 33 Millionen Franken hätten Gemeinden und Kanton 42 Millionen Franken berappen müssen. Da sie sich über den Verteilschlüssel nicht einigen konnten, wurde das Projekt auf Eis gelegt. rb

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