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Probleme lösen statt Symptome bekämpfen

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Kürzlich las ich von einem Vorschlag der SP Lausanne, Eigentümer von leer stehenden Verkaufsflächen mit einer progressiven Steuer dafür zu bestrafen, dass ihre Ladenflächen nicht vermietet sind. Denn schuld an diesen sogenannten «Phantom-Schaufenstern» seien nicht etwa die schwierige Marktlage, der zunehmende Online-Handel, der rückläufige stationäre Verkauf oder die berechtigte Suche nach einem langfristigen und zahlungskräftigen Mieter. Nein, schuld sei einzig und allein der Vermieter, der die Verkaufsflächen nicht vermieten «will».

Nun, die auf intellektuelle Abkürzung ausgelegte Denkweise hinter diesem Strafsteuer-Vorschlag mag offensichtlich sein. Dennoch zeigt dieses Beispiel ein Ärgernis auf, das auch sonst in der schweizerischen Politik um sich greift: Es werden lieber Symptome bekämpft, statt die Ursachen eines Problems adressiert.

Ein Beispiel mit grossem Selbstbetrugspotenzial ist der Zustand der Altersvorsorge. Die Ausgangslage (längere Lebensdauer; tiefe, in jedem Fall aber unsichere Renditeerwartungen; ungünstige Alterspyramide) ist von beispielhaft nüchterner Offensichtlichkeit. Sie kontrastiert eindrücklich mit den Bemühungen des politischen Personals, diese Realität mit allerlei Nebelpetarden unsichtbar zu machen. Natürlich ist es unschön, von finanziellen Luftschlössern Abschied nehmen zu müssen, noch unschöner ist es aber auf lange Sicht, den Patienten «Altersvorsorge» mit Finanzspritzen auf der Intensivstation am Leben zu erhalten, statt die Ursache seiner massiven inneren Blutung (zu hohe Rentenbezüge) zu beheben.

Als weiteres Beispiel mag die unsägliche Migrationsdebatte dienen. Erstaunlich, wie sehr einige Politiker dieses Land wegen ein paar Tausend Flüchtlingen, Asylbewerbern und aus wirtschaftlichen Gründen Migrierenden in helle Aufregung versetzen wollen – und es leider oft auch schaffen. Die gelebte Realität zeigt eher das Gegenteil: Die Schweiz als eine einzige Erfolgsgeschichte für die jahrzehntelang erfolgte Integration von mittlerweile 25  Prozent der Bevölkerung mit Migrationshintergrund. Als das Land, das von seiner Weltoffenheit beispiellos profitiert hat. Als der Staat, der mit der Administration seines Asylwesens Massstäbe setzt. Relevant wäre wenn schon zum Beispiel die bis 2050 erwartete Verdoppelung der Bevölkerung auf dem afrikanischen Kontinent. Wenn wir angeblich schon heute am Rande des Migrationskollapses stehen, was wollen wir denn tun, wenn es Afrika bis dahin nicht geschafft haben sollte, seine jungen Menschen zu behalten? Und wie völlig anders sähe eine Migrationspolitik aus, die sich dieser grundlegende Herausforderung stellte, statt sich an den vergleichsweise harmlosen Symptomen der aktuell eher bescheidenen Migration zu ereifern?

Prominent in unserem Kanton sind die Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Spitalstandort Freiburg. Die multiplen Probleme, die sich seit einiger Zeit zeigen und von ebenso lauten wie hilflosen Protesten begleitet werden, sind lediglich die Symptome viel tiefergreifender Entwicklungen, die eher von nationaler denn bloss kantonaler Tragweite sind (Überversorgung, falsche finanzielle Anreize, Mehrfachrolle des Staates). Solange die massgeblichen Akteure nicht bereit sind, diese unterliegenden Entwicklungen zum Massstab ihrer Problemlösung zu nehmen, werden wir noch lange dem Trauerspiel um die kreativsten Vorschläge zur Symptombekämpfung zuschauen müssen.

Zwar steht die Schweiz in der Disziplin «Symptombekämpfung statt Problemlösung» vergleichsweise gut da, wenn man sie etwa mit der oftmals realitätsfernen Detailversessenheit der EU-Politiker, der Konzeptlosigkeit des britischen Brexit oder auch der wirtschaftspolitischen Ahnungslosigkeit von Trumps USA vergleicht. Es gibt aber auch bei uns zu viele Menschen, die Probleme erfinden, um sie politisch bewirtschaften zu können. Und es gibt solche, die verwechseln die Symptome mit den wahren Problemen und basieren ihre politischen Forderungen darauf. Beides ist fruchtlos und absorbiert in unserer Demokratie Kapazitäten, die besser zur seriösen Ursachenforschung verwendet würden. Die Ursachen der Symptome, die unterliegenden Herausforderungen, beinhalten schmerzliche Wahrheiten, die so lange bestehen bleiben und dabei immer dringlicher werden, als sie nicht in die Problemlösung einbezogen werden.

Silvan Jampen ist als Unternehmens­jurist tätig und wohnt mit seiner Familie in Kerzers. Im Rahmen der FN-Gastkolumne äussert er seine persönliche Meinung zu gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Themen.

 

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