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Prozess gegen Prostitutionsnetz

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Vier Polizisten nahmen gestern im Gerichtssaal in der Nähe des Ausgangs Platz. Drei Anwälte, die Staatsanwältin und die Zivilklägerin, ihre Assistentinnen und zahlreiche Prozessbeobachter waren präsent. In der vordersten Reihe sassen die drei Angeklagten, zwei Frauen und ein Mann, und standen dem fünfköpfigen Gericht Red und Antwort. Abgeschirmt hinter einem Paravent sass die Frau, die den Fall ins Rollen gebracht hatte (siehe Kasten).

Sachverhalt laut Anklage

Soweit die Szenerie gestern am Strafgericht des Saane­bezirks, wo es um schwere Verbrechen wie Menschenhandel, organisierte Kriminalität und Geldwäsche ging. Aufgrund der Anklageschrift schien der Fall zunächst klar: Ein Mann und zwei Frauen aus Rumänien zwangen Frauen, die aus derselben Region stammen, sich in der Alten Brunnen­gasse in Freiburg zu prostituieren. Als Druckmittel missbrauchten sie die Kinder der Frauen. Die Rollenverteilung: Der Mann ist Mitglied eines rumänischen Clans, der ein Prostituiertennetzwerk betreibt. Gegen dieses ermittelt auch die rumänische Justiz – sie hat unter anderem gegen den Mann ein Strafverfahren wegen Zuhälterei eingeleitet. Dieser Mann also beauftragte die damalige rumänische Bardame des Café de la Grand-Fontaine damit, junge Frauen aus Rumänien in der Alten Brunnengasse zu platzieren. Dabei geholfen hat ihm seine Frau, damals ebenfalls Prostituierte. Opfer ist die anwesende 33-jährige Sexarbeiterin, welche die Bardame angezeigt hat. Während des Beweisverfahrens bekam dieses klare Bild allerdings Risse.

Widersprüche beim Opfer

Dass es für Staatsanwältin Yvonne Gendre kein Leichtes werden würde, Mitglieder eines Menschenhändlerrings zu überführen, zeigte sich schon an den Eingangsworten der Verteidigerin der angeklagten Bardame. Sie verlangte weitere Zeugeneinvernahmen mit der Bemerkung: «Mir scheint, dass die Staatsanwältin in ihrer Untersuchung vor allem nach belastenden Elementen und nicht nach entlastenden Beweisen gesucht hat.»

Die Anklage basiert stark auf den Aussagen einer Prostituierten. Die waren gestern vor Gericht aber nicht über jeden Zweifel erhaben. Auf die Frage von Gerichtspräsident Benoît Chassot, ob sie von der Bardame Anweisungen bekommen habe, zu welchem Preis sie die sexuellen Dienste anbieten müsse und wie, sagte sie: Ja. In mehreren Befragungen zuvor hatte sie dies verneint. Dann wiederum konnte sie sich an viele Dinge nicht mehr erinnern, mit der Begründung: «Ich fühle mich schlecht, wenn ich mich erinnere.»

Die anwesenden Polizeibeamten bemerkten indes, dass sie die Anzeige der Frau ernst genommen hätten, obwohl diese in der Befragung gleichgültig gewirkt und manchmal auch gelacht habe. «In Fällen dieser Art kann ein solches Verhalten symptomatisch sein», sagte der eine Polizist. Ob die Bardame dem vermeintlichen Opfer aber die Papiere abgenommen hatte, damit sie nicht abhauen kann, liess sich nicht erhärten. «Wir machen zwar unangekündigte Kontrollen. Sobald uns aber eine der Frauen sieht, warnt sie die anderen telefonisch», erklärte die andere Polizistin.

Fürsorgliche Puffmutter?

Die Bardame ihrerseits gab gestern die fürsorgliche Puffmutter ab: Nein, sie habe den Prostituierten nie Geld abgeknöpft. Im Gegenteil, sie habe sie zum Arzt und auf die Ämter begleitet und sie zum Essen eingeladen. Pikantes Detail: Die Bardame war die Vertrauensperson von Grisélidis, einem Programm der Organisation Fri-Santé, das sich um Sexarbeiterinnen kümmert. Die Mitarbeiterinnen von Grisélidis scheinen nach wie vor ­hinter der Bardame zu stehen. Wie gestern bekannt wurde, bot Grisélidis ihr Obdach an, sobald sie aus dem Gefängnis käme.

Auch der angeschuldigte Mann ist noch immer inhaftiert. Er unterstrich gestern seine sentimentale Seite, die er, aber auch andere Clanmitglieder, gegenüber den Prostituierten benutzt haben sollen. So hätten sie den Frauen echte Gefühle vorgegaukelt, um sie danach zum Anschaffen zu zwingen. Seine ebenfalls angeklagte Frau, mit der er eine Tochter hat, liebe er über alles, beteuerte er jedoch gestern. «Ich vermisse sie.» Der stark sehbehinderte Mann bestritt alles. Seine Frau wiederum brach in der Verhandlung in Tränen aus.

Heute finden die Plädoyers von Verteidigung und Anklage statt.

Geschichte

Alle stammen aus der gleichen Region

Sie stammen alle aus dem­- selben Gebiet im Südosten Rumäniens: 16 Frauen, die sich in der Alten Brunnen­gasse in Freiburg zwischen 2014 und 2017 prostituiert haben. Ein Clan aus der Region soll die jungen Frauen dazu genötigt haben. Der 31-jährige Sohn des Clans und seine 23-jährige Frau sollen eine Rumänin rekrutiert haben, die beim Präventionsprogramm Grisélidis mitmachte und im Café de la Grand-Fontaine arbeitete. Sie soll die Frauen platziert und einige davon gezwungen haben, sich zu prostituieren. 2016 zeigte eine Prostituierte diese Frau an, weil sie ihr Geld abgenommen haben soll, und brachte so den Fall ins Rollen.

rsa

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