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«Ich mag keine Kinder, obwohl ich Lehrer bin.» – «Ich habe die Zahnbürsten meiner Ex-Freunde aufbewahrt.» – «Wenn ich für jemanden backe, den ich nicht so sehr mag, nehme ich es mit den Zutaten weniger genau.» Das sind drei von vielen anonymen Geständnissen, die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung «Das Geheimnis – Wer was wissen darf» im Museum der Kulturen Basel abgegeben haben. Manche bringen einen zum Schmunzeln, andere sind dramatisch oder traurig, und alle öffnen eine Tür ins Innerste eines Menschen. Der Illustrator Till Lauer hat einige der Geheimnisse ausgewählt und in originellen Zeichnungen dargestellt. Diese sind in der Ausstellung zu sehen oder online auf www.stille-post.ch.

Geheimnisse ziehen Grenzen

Die Ausstellung ist einer der Höhepunkte des Jubiläumsprogramms zum 125-jährigen Bestehen des Museums der Kulturen (siehe Kasten). Sie lotet das Geheimnis in allen seinen Erscheinungsformen aus, in den unterschiedlichsten Kulturen und zu allen Zeiten, im politischen und im sozialen Leben, im Kleinen und im Grossen. Dabei wird schnell klar, dass jedes Geheimnis eine Grenze zieht zwischen Eingeweihten und Ausgeschlossenen. Für die Besucherinnen und Besucher werden diese Grenzen durchlässig: In manche Geheimnisse werden sie eingeweiht, während anderes rätselhaft bleibt, und immer wieder werden sie mit ihrem eigenen Umgang mit geheimem Wissen konfrontiert.

Wie zwiespältig es sein kann, Träger eines Geheimnisses zu sein, wird an einer Hörstation deutlich, an der ein Priester, eine Psychotherapeutin, ein Banker, eine Schülerin, eine Freimaurerin, zwei Ärzte und zwei Callboys erzählen, wie sie mit dem umgehen, was sie im Vertrauen erfahren und wie dieses Wissen bisweilen zur Last werden kann. Er komme seinen Kundinnen auch menschlich nahe, sagt einer der Callboys. Darum kenne er in seinem Beruf zwar keine anwaltliche oder ärztliche, wohl aber eine ethische Schweigepflicht.

Zauberbücher und Patente

Schweigen muss auch, wer Zugang zu exklusivem Wissen hat, das den Kreis der Auserwählten nicht verlassen darf. Das ist seit jeher etwa in der Heilkunst der Fall. So erzählt die Ausstellung vom Volk der Batak auf der Insel Sumatra. Dort bestimmten vor der Christianisierung und der Islamisierung Ritual­experten das tägliche Leben. Sie kannten die Geisterwelt, konnten Schaden zufügen oder abwehren und stellten Heilmittel her. Sie führten Zauberbücher in einer geheimen Sprache und benutzten Zauberstäbe, um ihre Sonderstellung zu festigen. Bei den Guna in Panama helfen bei Krankheiten die Nuchukana, von erfahrenen Männern geschnitzte Schutzgeistfiguren. Ähnlich verhält es sich bei den Matsiguenga in den peruanischen Anden, wo Heiler mit Holzfiguren oder mächtigen Steinen gegen Krankheit und Tod kämpfen.

Auch bei uns wird medizinisches Wissen geheim gehalten. Die Medikamentenindustrie schützt ihre Erfindungen durch Patente, welche die Nachahmung für eine bestimmte Zeit verbieten. In der Schweiz trat 1907 der «Erfinderschutz Textil- und chemische Industrie» in Kraft, zu einem Zeitpunkt, als es in den umliegenden Ländern längst Patentgesetze gab. Die Schweizer Gesetzgebung kam unter anderem auf Druck von Deutschland zustande. Zuvor hatte die Schweizer Chemie- und Pharma­branche kräftig profitiert; ihre ersten Erfolge verdankte sie nicht zuletzt der Produktepiraterie, also dem Ausplaudern von Geheimnissen. Auch in anderen Wirtschaftszweigen werden Fabrikationsprozesse und Geheimrezepte streng gehütet. Was den Venezianern das Geheimnis der Herstellung von Murano-Glas, sind den Schweizern ihre Käserezepte. Werbekampagnen machen sich solche Mythen gerne zunutze, etwa, wenn sie den Appenzeller Käse, «das würzigste Geheimnis der Schweiz», mit dem Klischee verschwiegener Bergleute verbinden.

Geheimbünde aus aller Welt

Geht es um Geheimnisse, geht es oft auch um Macht. Dies reicht vom Staatsgeheimnis bis zum Stimmgeheimnis, das Bürgerinnen und Bürgern die geheime Stimmabgabe garantiert. Die Ausstellung thematisiert aber auch den Datenschutz: Wie viel dürfen Staaten und Firmen über die Menschen wissen – und was dürfen sie mit diesem Wissen anfangen? Klare Machtstrukturen und Hierar­chien kennen auch viele Geheimbünde, wie es sie überall auf der Welt gibt. Dazu zählen etwa die Freimaurer, auch wenn sie lieber von «Diskretion» als von «Geheimnis» sprechen. Fragt der «Meister vom Stuhl», der Leiter des Rituals, bei der Tempelarbeit sein Gegenüber: «Was ist zwischen uns?», dann lautet die vorgeschriebene Antwort: «Es ist ein Geheimnis.» Andere Geheimbünde sind etwa der Frauenbund der Sande in Sierra Leone und Liberia, die Hamatsa-Männerbünde an der kanadischen Westküste oder die Männerbünde der Iatmul auf Papua-Neuguinea. Die Ausstellungsmacher lassen die Besucherinnen und Besucher unter einer Giebelfigur hindurchgehen, wie sie einst auf Papua-Neuguinea geheime Kultobjekte in Männerhäusern schützte.

Und dann gibt es da noch die ganz privaten Geheimnisse, wie sie im Beichtstuhl oder im Liebesbrief zum Ausdruck kommen. So sind in der Ausstellung Beichtzettel aus dem 18. und 19. Jahrhundert zu sehen, die als Belege für die abgelegte Beichte unabdingbar waren. Besonders hübsch ist eine Sammlung kunstvoller Liebesbriefe aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Die filigranen Kleinode aus Papier, Seide und anderen Materialien waren meist Geschenke von Männern an Frauen. Obwohl sie oft nicht selbst geschrieben, sondern bei Spezialisten in Auftrag gegeben waren, transportierten sie intime Gefühle. So stehen etwa in einem herzförmigen Brieflein aus Basel aus der Zeit um 1900 die Zeilen: «In den Sternen steht geschrieben, der Mensch soll Glauben, Hoffen, Lieben. Dieses Blättchen noch so klein, spricht doch, vergiss nicht mein.»

Museum der Kulturen, Münsterplatz 20, Basel. Bis zum 21. April. Di. bis So. 10 bis 17 Uhr.

Jubiläum

Aus einer Sammlung wurde ein Museum

Die Ausstellung «Das Geheimnis» ist Teil des Jubiläumsprogramms zum 125-jährigen Bestehen des Museums der Kulturen. Dessen Ursprünge liegen in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als Basler Grossbürger Objekte von Reisen zurückbrachten und damit den Grundstein einer ethnografischen Sammlung legten. 1893 tagte erstmals eine Sammlungskommission, darum gilt dieses Jahr als Gründungsjahr des Museums. 1918 erhielt die Sammlung den Namen «Museum für Völkerkunde», 1944 wurde daraus das «Museum für Völkerkunde und Schweizerische Museum für Volkskunde» und 1996 schliesslich das «Museum der Kulturen». Zwischen 2008 und 2011 wurde das Museum umgebaut und erweitert. Es ist eines der bedeutendsten ethnografischen Museen Europas; seine Sammlung umfasst über 320 000 Objekte und rund 50 000 historische Fotografien.

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