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Regen und Reden am Tag der Arbeit

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Wer gestern am frühen Nachmittag zur 1.-Mai-Demo in Freiburg starten wollte, wurde enttäuscht. Um 14 Uhr haben sich auf dem Georges-Python-Platz zwischen Gewerkschaftszelten, Essensständen und nassen Tischen schon einige Leute versammelt. Anstelle von Transparenten tragen sie jedoch Regenschirme, statt Kampfansagen sind Hits aus der Musikanlage zu hören. Um 14.10 Uhr folgt dann die Ansage: Der Umzug ist wegen des «scheusslichen Wetters» abgesagt, die Reden sollen wie geplant um 15.30 Uhr folgen.

Trotz Regen bleiben viele auf dem Platz stehen. Mit Gesprächen, einer Bratwurst oder einem Becher Bier überbrücken sie die Zeit, während Kinder das Mikrofon nutzen, um ihre 1.-Mai-Lieder vorzutragen, und ein Polizist Bussen an die unerlaubterweise auf dem Python-Platz parkierten Gewerkschaftsautos verteilt.

Arbeit als Integrationsmittel

Als Erste ans Mikrofon tritt Timnit Mehari von der Organisation SOS Rassismus. Die Arbeit sei wichtig für die Integration. «Dabei lernt man Leute kennen, die einen auch samstags auf der Strasse grüssen», sagt sie. Der Zugang zur Arbeit sei aber nicht einfach. «Sogar wenn wir Ausländer über die nötigen Papiere verfügen, gibt es bei der Stellensuche viele Vorurteile zu überwinden.»

 Auch mit der Arbeitslosigkeit konfrontiert worden ist Jean-Pierre Biolley, ehemaliger Angestellter der Firma Pavatex, die ihren Produktionsstandort in Freiburg Ende Jahr geschlossen hat. Biolley selbst hat wieder eine Stelle gefunden, für die meisten der 47 entlassenen Arbeiter trifft dies jedoch nicht zu. «Manche dieser Arbeiter haben einen Grossteil ihres Lebens bei Pavatex gearbeitet–und mehr Zeit in der Firma verbracht als mit ihren Familien», sagt Biolley. «Es ist, als ob einem der Himmel auf den Kopf fallen würde.» Dies habe ihm bewusst gemacht, «dass die Gewerkschaften und manche Parteien wirklich ihre Daseinsberechtigung haben.»

Levrat fordert Solidarität

Die FDP verteile dieses Jahr Croissants, um die Arbeit zu würdigen, erwähnt SP-Präsident Christian Levrat. «Hat die FDP das Gefühl, sie verbessert die Arbeitsbedingungen, wenn sie die Öffnungszeiten verlängert und das Rentenalter hinaufsetzt?», fragt er und fügt an: «Die FDP kann heute herumspazieren, wo sie will. Aber sie soll nicht vorgeben, sie verteidige die Angestellten.»

Zum Fall von Pavatex sagt er: «Es kann nicht sein, dass ältere Menschen, die ihr ganzes Leben gearbeitet haben, nach einer Kündigung arbeitslos bleiben und als einzigen Ausweg die Sozialhilfe haben.» In der Schweiz gebe es gegen fast alle Fälle von Diskriminierung Vorschriften, nicht aber beim Alter. So sollten Kündigungen bei Personen ab 50 Jahren strenger geregelt sein, meint Levrat, und verweist neben Pavatex auch auf den Fall der 57-jährigen Leiterin der HFR-Kinderkrippe, der wegen eines Streiks die Kündigung droht (die FN berichteten). Ebenfalls kritisiert er, dass in der Schweiz nach wie vor eine Lohnungleichheit herrscht. «Damit eine Frau mit der gleichen Arbeit ebenso viel verdient wie ein Mann, müsste sie bis zum 9. März des folgenden Jahres arbeiten.» Deshalb brauche es mehr Transparenz bei den Löhnen.

In den letzten Wochen und Monaten habe er immer wieder erklären müssen, «dass wir Freiburger nicht alle so sind wie einige Leute in Giffers», sagt Levrat und leitet damit über zu den Flüchtlingstragödien im Mittelmeer. «Was dort passiert, ist unerträglich», betont er und ruft zu Solidarität auf. «Dies geht auch uns Schweizer etwas an, und wir müssen unser Bestes tun, um zu helfen.»

«Es ist, als ob einem der Himmel auf den Kopf fallen würde.»

Jean-Pierre Biolley

Ehemaliger Pavatex-Angestellter

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