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Schwerstverkehr, ohne anzuecken

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Der grösste Schwertransport, der je in der Schweiz unterwegs war, befindet sich in Murten

Ein Hupen, Jean-Daniel Favre dreht den Zündschlüssel, der Motor verstummt. Favre legt sein Funkgerät in die Halterung, öffnet den Reissverschluss seines Helly-Hansen und stellt Schülerzeichnungen hinter der Windschutzscheibe des Schleppfahrzeuges «VD 8044» auf: «Aller le convoi», «Vive le convoi», «Pour le Chauffeur», alles illustriert mit stolzen, vielachsigen Lastwagen.

Jean-Daniel Favre, seit 1962 Lastwagenchauffeur mit Kuwait-Erfahrung, Gesicht leicht gerötet, Statur Durchschnittsschweizer, Typ wortkarg. Und doch steht er seit einer Woche im Scheinwerferlicht.
Wo er auch durchfährt – die Leute winken ihm zu, Kinder haben kleine Geschenke parat, er muss sich in Gästebücher einschreiben, Journalisten drängen sich zu ihm, und Polizisten stellen sich neben ihn auf Gruppenfotos.
Jean-Daniel Favre zieht seit Freitag vergangener Woche einen Transformator von Versoix über Morges, Lausanne, Savigny, Oron, Romont, Payerne, Avenches nach Murten, wo der Transport am Donnerstagabend ankam.

Signale müssen weichen

Dieser Transport ist nichts anderes als der grösste Schwertransport, der jemals durch die Schweiz gerollt ist.

Drei bis vier Lastwagen stossen, und rund 200 Räder tragen einen Transformatoren von 363 Tonnen. Inklusive Zugmaschinen beträgt das Gesamtgewicht 536 Tonnen. Zehn bis zwölf Personen, darunter verschiedene mit Funk ausgerüstet, beobachten, und zuvorderst schaut der verantwortliche André Friderici zum Rechten, dass der Transport überall ohne anzuecken passiert.
Angeeckt hat der Transport nur einmal, bei Lausanne unter einer Brücke. Die Strasse musste kurzerhand um 40 Zentimeter abgetragen werden. In Murten waren die Probleme mit der Strasse weit geringer: Einzelne Signale mussten abgefräst werden, aber das machte man erst vor Ort, wenn man sah, dass es wirklich nicht mehr anders ging.

Strasse, Schiene, Strasse,
Schiff, Eisbrecher, Schiene

Von Murten aus wird der Transformator per Bahn nach Biel transportiert, dort wieder auf die Strasse bis nach Basel. In Basel beginnt eine Schiffsreise nach Rotterdam, dort lädt man auf ein Hochseeschiff um, das wiederum nach Montreal fährt. In Montreal geht’s wieder auf die Bahn bis zur Enddestination Marysville im US-Bundesstaat Michigan. Gesamtkosten: rund 2 Millionen Franken.

Tatsächlich scheint die gewählte Route die einzig mögliche gewesen zu sein. Für einen Transport allein auf den Schweizer Autobahnen waren die Brücken zu niedrig, für eine reine Bahnreise sind die Tunnels zu klein. Das Seeland beispielsweise muss per Bahn durchquert werden, weil die Brücke in Aarberg nicht standhalten würde. Weiter nach Basel per Bahn war hingegen der Hauenstein-Tunnel das grosse (besser gesagt das zu kleine) Hindernis.
Die Reise wurde von der Firma Safcomar, der Strassentransport in Zusammenarbeit mit dem Transportunternehmen Friderici seit dem Oktober minutiös geplant.

Strom für eine
grosse Industrieregion

Der Transformator ist von Detroit Edison in Auftrag gegeben worden. Diese Firma versorgt die ganze hochindustrialisierte Region um Detroit (gGeneral Motors), inklusive Michigan und die kanadische Grenzregion mit Strom.Die bisherigen Anlagen waren überlastet, so dass man ABB Kanada drei solcher Transformatoren in Auftrag gegeben hat. ABB wiederum war auch überlastet, so dass ABB Sécheron in Meyrin bei Genf einen Transformatoren bauen durfte.

Weil Detroit Edison den Transformatoren am 1. Juni 2000 ans Netz hängen will, musste die Schweizer ABB innert 10 Monaten das Ungetüm bauen. Der Transformator sowie 13 Container mit weiteren 200 Tonnen Material sollen bis zum 9. April in Detroit eingetroffen sein.
Pannen beim Transport kann man sich somit fast keine leisten. Würde es schneien und der Schwertransport stecken bleiben, dann käme auch der genau ausgerechnete Transport auf der Schiene durcheinander. Und schliesslich hofft man auch, dass sich der Eisbrecher tatsächlich durch die vereisten kanadischen Gewässer fressen kann.
Schliesslich würden Verzögerungen auch die extrem teuer gemietete Ausrüstung länger banspruchen, so dass der Transport noch teurer käme. Die 2 Millionen Transportkosten machen rund 20 Prozent der Kosten des etwa 10 Millionen Franken teuren Transformators aus. Der Schwertransport ist für alle Beteiligten eine neue Erfahrung. Sowohl ABB Schweiz, Friderici als auch Safcomar wollen der Welt beweisen, dass die Schweiz solche Aufträge erfüllen kann. In der Hoffnung, dass weitere hereinflattern.

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