Plasselb 21.08.2018

Wie Phönix aus der Asche

Abgebrannt und wieder aufgebaut: Die Höllbachbrücke im Plasselbschlund hat eine bewegte Geschichte hinter sich.

Nächstes Jahr hätte die alte Höllbachbrücke im Plasselbschlund ihren 80. Geburtstag feiern können – hätte, wenn sie noch stünde. Denn die Holzbrücke über den reissenden Höllbach ist im Januar 2013 durch Brandstiftung vollkommen zerstört worden. Bis heute sind die Täterschaft und ihre Motive unbekannt. Der Fall ruht und wird gemäss Auskunft der Freiburger Staatsanwaltschaft erst dann wieder aufgenommen, wenn sich neue Hinweise ergeben.

Die alte Höllbachbrücke war Zeuge eines der nachhaltigsten Projekte im Sensebezirk. Ende des 19. Jahrhunderts sah es im Sense-Oberland ganz anders aus. In den Jahrhunderten vorher waren nämlich hektarenweise Waldflächen gerodet worden. Erst ging es darum, mehr landwirtschaftliche Flächen zu gewinnen, später darum, die Nachfrage nach dem Rohstoff Holz im Zuge der Industrialisierung zu befriedigen. Das hatte verheerende Auswirkungen: Im steilen Untergrund aus Flysch kam es zu Erosionen und Rutschungen. Bei starken Gewittern donnerten die Wildbäche ungebremst ins Tal und richteten durch Überschwemmungen schlimme Schäden an, bis ins Sense-Unterland und Marly.

Der Grosse Rat hat deshalb 1890 ein grosses Wiederaufforstungsprojekt bewilligt, das 100 Jahre dauern sollte. Der Kanton kaufte Jahr für Jahr von Privaten Weiden ab und bildete Forstequipen, welche die einstigen Waldgebiete wiederherstellen sollten. Start dieser Wiederaufforstung war das Einzugsgebiet des Höllbachs. Es war ein mühevolles Unterfangen: Im steilen, rutschigen Gelände haben die Arbeiter zuerst die sumpfigen Hänge mit unzähligen Kanälen entwässert und Bäche verbaut. Dann haben Männer, Frauen und oft auch Kinder Tanne für Tanne von Hand gesetzt – alles in einem Gebiet, in dem es noch keine Wege gab, und in einer Zeit, wo kaum grössere Maschinen zur Verfügung standen. Für einen Grossteil der Bevölkerung im Sense-Oberland war diese Arbeit damals die einzige Verdienstmöglichkeit – auch wenn ein Mann nur 25 Rappen und eine Frau 21 Rappen pro Stunde erhielten.

Die Höllbachhütte, ein Forsthaus in der Nähe der Brücke, wurde vor über 80 Jahren als Unterkunft für diese Arbeiter gebaut. Heute ist das Forsthaus Hölli nach umfassender Renovation ein Ferienhaus. Beide Einrichtungen – Hütte und Brücke – sind Sinnbilder dieser Pionierarbeit, die das Gesicht des Sense-Oberlandes nachhaltig verändert hat. Die Höllbachbrücke verband die beiden Seiten des Plasselbschlunds und damit den Sense- mit dem Greyerzbezirk. Sie war wichtig für die Bewirtschaftung der Wälder und zugleich mit ihrer verwitterten Holzkonstruktion über dem tosenden Wildbach ein beliebtes Fotosujet.

Schon bald nach dem Brand war klar, dass an gleicher Stelle wieder eine Brücke gebaut werden soll. Auch wenn die Arbeitswege heute anders sind als vor 80 Jahren, stellt sie für den Forstbetrieb immer noch eine wichtige Verbindung für die Bewirtschaftung der Wälder dar. Gut anderthalb Jahre nach dem Feuer am 5. Juli 2014 ist die neue Höllbachbrücke eingeweiht worden. Sie ist wieder aus Holz gebaut und trägt ein Schindeldach – eine Hommage an ihre historische Vorgängerin.

Die FN beleuchten in einer Sommerserie das Thema «Brücken» aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln.

Die alte Höllbachbrücke hatte fast 75 Jahre gestanden, bis sie 2013 durch Brandstiftung zerstört und danach wieder aufgebaut worden ist.

Bilder ce und ae/a