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Sternwarte wehrt sich gegen Masthalle

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Abseits der Lichter der Zivilisation hatte der Astrophysiker Arthur G. Sutsch 1973 in Ober Geriwil einen für ihn idealen Standort für den Bau seiner Sternwarte gefunden. In Alterswil konnte er seine Vorstellung des ersten computergesteuerten Teleskops umsetzen. Seine Erfindung sorgte damals in der Fachwelt für grosses Aufsehen (siehe Kasten). Doch nun sieht er die Existenz der Sternwarte gefährdet. Dies durch den geplanten Bau einer Pouletmasthalle, die rund 400 Meter entfernt gebaut werden soll. Die Baueingabe war vor mehr als einem Jahr erfolgt, woraufhin Arthur und Petra Sutsch zusammen mit einer anderen Anwohnerin Einsprache gegen den Bau erhoben hatten. «Es geht mir nicht darum, Polemik zu betreiben», sagt Arthur Sutsch. Er wolle jedoch aufzeigen, dass der Betrieb der Sternwarte nicht mehr gewährleistet sei und sie für die Öffentlichkeit schliessen müsste, sollte die Poulethalle gebaut werden.

Staub beschädigt Teleskop

Durch die Staubemissionen der Poulethalle werde die Luft verschmutzt. «Staubpartikel in der Luft sind absolut tödlich für die optische Qualität des Teleskop-Spiegels in der Sternwarte. Wir brauchen für wissenschaftliches Arbeiten ausgezeichnete atmosphärische Bedingungen.» Eine konstante Staubbelastung würde der Sternwarte ihre ganze wissenschaftliche Daseinsberechtigung entziehen, sagt Arthur Sutsch. Er fürchtet wegen des Ammoniaks im Pouletmaststaub auch um den Belag des Teleskopspiegels. «Ammoniak ist aggressiv und greift den Spiegelbelag an.» Diesen zu reinigen sei eine aufwendige und kostspielige Prozedur. Der Spiegel alleine wiegt 500 Kilogramm, das gesamte Teleskop zehn Tonnen. Den Spiegel zu ersetzen wäre noch schwieriger. «Es dauert vier Jahre, bis ein solcher Spiegel geschliffen ist», erklärt Arthur Sutsch.

Fachkenntnisse fehlen

Auch der WWF Freiburg und eine weitere Familie aus Alterswil hatten Einsprache erhoben. Familie Sutsch hat zudem rund 70 Unterschriften von Bewohnern des naheliegenden Neubaugebiets gesammelt, die ihr Anliegen unterstützen.

Die Gemeinde Alterswil hat sämtliche Einsprachen abgelehnt. Sie gab in ihrem Entscheid jedoch zu verstehen, dass die Einsprecher Sutsch sich zwar ausserhalb der gesetzlichen Abstanddistanz befinde, er aber effektiv in einer Sondersituation sei, da er im Abstand von 400 Metern eine Sternwarte betreibe. «Die Gemeinde ist grundsätzlich bereit, diesem Umstand Rechnung zu tragen», heisst es in der Stellungnahme. Mangels Fachkenntnissen müsse sich die Gemeinde aber an die Beurteilung durch die Fachämter des kantonalen Bau- und Raumplanungsamtes anlehnen. In den Vorprüfungsberichten vom September 2014 hatten sämtliche Ämter des Kantons ein positives Gutachten abgegeben. «Sie ist zonenkonform», sagt Syndic Hubert Schibli zur geplanten Masthalle. Mitunter deshalb lehnte die Gemeinde auch die Einsprache des WWF ab, der unter anderem eine Nichtübereinstimmung mit der Landwirtschaftszone geltend machte.

Aufgrund der Erfahrung mit anderen Masthallen könne sich der Gemeinderat nur schwer vorstellen, dass der Wind den Reststaub der Masthalle 400 Meter weit trägt, ergänzt Schibli. Zudem seien die Filteranlagen heute auf einem sehr hohen Niveau. «Und die Vorschriften, an die sich die Landwirte halten müssen, sind streng.»

Keine Spezifikationen

Da die Sternwarte weder im Ortsplan speziell erwähnt sei noch in einer Spezialzone liege, hätten die kantonalen Ämter bei der Vorprüfung des Baugesuchs diesen Aspekt nicht kommentiert, sagt Corinne Rebetez, Kommunikationsverantwortliche der Bau- und Raumplanungsdirektion. Grundsätzlich würden keine besonderen Spezifikationen aufgrund der Nähe eines Bauvorhabens zu Sternwarten existieren, erklärt sie. Vorbehalten bliebe eine eigens dafür geschaffene Spezialzone mit entsprechenden Schutzbestimmungen. Eine solche fehlt im Fall der Sternwarte in Alterswil.

 Das Dossier mit den Einsprachen befindet sich zurzeit beim Sensler Oberamtmann. Für die betroffenen Landwirte Benjamin und Josef Baeriswyl verzögert sich damit die Umsetzung ihrer geplanten Geflügelhalle weiter. Sie führen in Alterswil in Dorfnähe gemeinsam einen Mischbetrieb mit Mutterkuhhaltung und Ackerbau nach Label-Richtlinien. Für die Existenzsicherung hätten sie sich «nach gründlichen Abklärungen» für die Geflügelmast entschieden, erklärt Benjamin Baeriswyl. Dies wegen ihres grossen Interesses an Geflügel sowie dem Ziel einer marktorientierten Ausrichtung, da der Pro-Kopf-Konsum von Geflügelfleisch seit Jahren ansteige. Den projektierten Standort hätten sie nach verschiedenen Vorabklärungen gewählt.

Luftfilteranlage eingeplant

Der Landwirt betont, dass sie die Bedenken der Einsprecher sehr ernst nehmen würden und deshalb bereits in ihre Beurteilung einbezogen hätten. «Um die Umwelt nicht unnötig mit Staubemissionen aus der Geflügelhaltung zu beeinträchtigen, haben wir uns als Bauherrschaft freiwillig entschieden, die Abluft speziell mit einer bewährten Luftfilteranlage auszurüsten, damit störende Staubemissionen ausgeschlossen werden können», so Baeriswyl. Diese Massnahme diene dem vorsorglichen Schutz der gesamten Umgebung; es gehe dabei nicht nur um die Anliegen der Einsprecher. Benjamin Baeriswyl erklärt, dass bei einer Geflügelhaltung im Innern der Anlage unregelmässige Staubemissionen entstehen. Zu Beginn gebe es keinen Staub, mit dem Wachstum der Tiere und deren Bewegungsfreiheit im Stall komme dann Staub auf, weil die Einstreue sehr trocken sei.

Gutachten erstellt

Die Luftfilter könnten die Staubemissionen nicht genügend verhindern, sagen Arthur und Petra Sutsch. Zu diesem Schluss komme ein Spezialist in einem von ihnen in Auftrag gegebenen Gutachten für diese Art von Betrieb. Die Filter, die 90 Prozent der Staubemissionen verhindern sollen, würden effektiv nur zirka 25 Prozent des Staubs filtern, da sie die meiste Zeit nicht in Betrieb seien.

Dem entgegnet Benjamin Baeriswyl, dass das Resultat dieses Gutachtens lediglich den seit Jahren bekannten Wert von bewährten Wärmetauschern einer Stallbaufirma bestätige. «In der geplanten Halle werden aber zusätzliche Filter eingebaut, die entgegen der Aussage des Gutachtens permanent im Einsatz stehen», so der Landwirt. Deshalb sei die Aussage im Gutachten nicht nachvollziehbar und beruhe höchstwahrscheinlich auf falschen Grundlagen. Es stelle sich zudem die Frage, inwieweit allgemeine Staubemissionen wie Blütenpollen und Verkehrsbewegungen die Sternwarte beeinträchtigen würden.

Von Gemeinde enttäuscht

Arthur und Petra Sutsch sehen eine Pouletmasthalle als eine kurzfristige Investition an, die nicht mit dem Wert einer Sternwarte zu vergleichen sei. Sie haben jedoch Verständnis dafür, dass es schwierig ist, ihre Situation zu beurteilen. «Niemand hat Spezifikationen für eine Sternwarte, und niemand kann wissen, wie empfindlich so ein Gerät ist. Deshalb möchten wir es aufzeigen», sagt Arthur Sutsch. Die beiden können dennoch nicht verbergen, dass sie von der Stellungnahme der Gemeinde «sehr enttäuscht» sind. «Schliesslich wirbt Alterswil auch mit unserer Sternwarte für die Gemeinde.» Bei Schulen, Vereinen und Privatpersonen ist ein Besuch in der Sternwarte seit Jahrzehnten äusserst beliebt. Arthur Sutsch freut dieses Interesse an der Wissenschaft. «In den Köpfen der Leute herrscht ein Wirrwarr zwischen Religion, Astronomie und Philosophie. Deshalb ist es wichtig und nötig, dass wir ihnen etwas darüber erzählen.» Sutsch hofft, dass er dies noch lange tun kann. Noch warten er und seine Frau auf den Entscheid des Sensler Oberamtmanns. Sollte der Oberamtmann die Einsprache ablehnen, werden Arthur und Petra Sutsch den Fall ans Kantonsgericht weiterziehen.

«Staubpartikel in der Luft sind absolut tödlich für die optische Qualität des Teleskop-Spiegels in der Sternwarte.»

Arthur G. Sutsch

Besitzer Sternwarte Alterswil

«Die Vorschriften, an die sich die Landwirte halten müssen, sind streng.»

Hubert Schibli

Ammann von Alterswil

«In der geplanten Halle werden zusätzliche Filter eingebaut, die permanent im Einsatz stehen werden.»

Benjamin Baeriswyl

Landwirt

Zahlen und Fakten

Sternwarte seit 43 Jahren in Betrieb

Der Astrophysiker Arthur G.Sutsch hat das erste computergesteuerte Teleskop entwickelt, das zum Vorreiter der heutigen Grossteleskope wurde. 1998 wurde er dafür in die New Yorker Akademie der Wissenschaften aufgenommen, eine Ehre, die an Wissenschaftler verliehen wird, die Grenzüberschreitendes und Grundlegendes geleistet haben. Zusammen mit seiner Frau Petra Sutsch leitet er die Sternwarte in Alterswil, die im Jahr 1973 eröffnet wurde.ak

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