Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Um einen «Schalter-Tourismus» zu vermeiden

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Um einen «Schalter-Tourismus» zu vermeiden

Probleme rund um Arbeit, Sozialhilfe und IV sollen gleichzeitig mit Fachleuten besprochen werden

Arbeitslose mit gesundheitlichen Problemen sollen sich künftig an einen «Koordinationsraum» wenden können, in welchem Fachleute für Arbeitslosigkeit, der Sozialhilfe und der IV ihren Fall gleichzeitig abklären. Ziel ist eine rasche berufliche und soziale Eingliederung.

Von ARTHUR ZURKINDEN

«Die Zeit ist der grösste Feind der Wiedereingliederung», hielt Marc Genilloud, Chef des Amtes für den Arbeitsmarkt, am Donnerstag fest, als er den Medien als Kommissionspräsident den Bericht «Interinstitutionelle Zusammenarbeit» vorstellte. Er wollte so sagen, dass ein Langzeitarbeitsloser nicht von Schalter zu Schalter geschickt werden sollte, um seinen Fall abklären zu lassen. Nur wenn rasch gehandelt werde, bleiben seine Chancen auf eine soziale und berufliche Eingliederung intakt.

Die Feststellungen …

Bereits im April 2002 hat der Staatsrat eine kantonale Koordinationskommission eingesetzt, die dem Staatsrat Vorschläge unterbreiten sollte, um die Zusammenarbeit zwischen den Institutionen zu verbessern. Viele Hindernisse können eine rasche Abklärung verunmöglichen, wie der Bericht aufdeckte (vgl. Kasten). Nach Worten von Jean-Claude Simonet, Wissenschaftlicher Mitarbeiter beim kantonalen Sozialdienst, sind gerade bei Arbeitslosen, die auch gesundheitliche Schwierigkeiten kennen, mehrere Instanzen gefordert:
l die für die Arbeitslosigkeit zuständigen Dienste, weil die Person seit einiger Zeit beschäftigungslos ist;
l die Sozialhilfe, weil die Arbeitslosengelder ungenügend sind, aber auch weil die betreffende Person Schwierigkeiten mit ihrer Gesundheit hat, mit ihrer Wohnung oder damit, dass sie den Haushalt nicht mit einer Beschäftigung in Einklang bringen kann; l die Invalidenversicherung, weil ein IV-Gesuch eingereicht worden ist.

Laut Simonet konnte aufgrund einer solchen Aufsplitterung die Situation bis heute nicht gesamthaft analysiert werden. Entsprechend konnten nicht koordinierte und ange-
passte Lösungen eingesetzt werden, wodurch oft eine soziale Ausgliederung drohte.

«Koordinationsraum» als Lösung

Simonet stellte auch die Lösung vor, die sich die Kommission erarbeitet hat. «Sie besteht darin, einen zu errichten», hielt er fest. «Konkret sieht das so aus, dass drei Fachpersonen für Arbeitslosigkeit, Sozialhilfe und Invalidenversicherung mit der betroffenen Person zusammentreten, um gemeinsam deren Situation zu ermitteln, eine Strategie zu entwerfen, die verfügbaren Leistungen zu mobilisieren und die Nachbetreuung dieses Falls sicherzustellen. Mit andern Worten: Nicht mehr die betroffene Person wandert von einem Schalter zum andern, sondern die Fachleute versammeln sich um ihre Situation herum. Dieser Koordinationsraum bildet sich an einem Ort, der von den verschiedenen Diensten unabhängig ist, z. B. in einer Gemeindeverwaltung», erläuterte er die Lösung.

Simonet machte auch klar, dass dieses Angebot nur an Personen gemacht werde, die ihre Einwilligung dazu geben. «Wenn diese Person den Koordinationsraum betritt, ist sie damit einverstanden, dass jede sie betreffende Information zwischen den Diensten zirkuliert, im Sinne der Suche nach der bestmöglichen Antwort auf ihr Gesuch. Er verheimlichte dabei nicht, dass diese Transparenz bei den Betroffenen vorerst eine gewisse Zurückhaltung hervorrufen kann.

Ihm war es ebenfalls ein Anliegen zu betonen, dass es sich dabei nicht um eine neue Dienststelle handelt, sondern um eine neue Art des vernetzten Arbeitens.

Pilotprojekte in Murten und Bulle

Im vergangenen Jahr wurden unter der Leitung von Patricia Comby Pilotprojekte in Murten und Bulle durchgeführt. Für den Koordinationsraum wurden zwei Teams mit einem Berater der Regionalen Arbeitsvermittlungsstelle (Rav), einem Sozialarbeiter des betroffenen Sozialdienstes und einem IV-Berater gebildet. Rund 20 Situationen wurden betreut.

Laut Simonet haben die Pilotprojekte gezeigt, dass die Zusammenarbeit zwischen den betroffenen Diensten verbessert werden kann und dass es möglich ist, einfache, pragmatische, rasche Lösungen anzuwenden, «denen keine administrative Schwerfälligkeit anhaftet».

Aufwertung des Gesuchstellers

Seiner Ansicht nach können in koordinierter Weise geeignete und situationsgerechte Leistungen zum richtigen Zeitpunkt mobilisiert werden, so dass die Intervention der Dienste effizienter werde. «Die gemeinsame Intervention der Dienste hat auch einen vorbeugenden Effekt, nicht nur wegen ihrer Schnelligkeit, sondern auch dank dessen, dass die Person durch die angebotene Begleitung einbezogen und in ihrem Verantwortungsgefühl angesprochen wird», gab Simonet zu verstehen und betrachtete dies auch als persönliche Aufwertung des Gesuchstellers.

Rund 600 Personen
mit solchen Schwierigkeiten

Das Projekt soll nun laut Simonet in der Stadt Freiburg fortgesetzt werden, um diese koordinierte Betreuungsart auf eine grösse Anzahl Situationen und auf rund 70 Personen auszudehnen. Später soll es im ganzen Kanton Freiburg zum Zuge kommen. Gemäss Staatsratspräsident Michel Pittet gibt es im Kanton rund 600 Stellensuchende, die gleichzeitig auch körperliche oder geistige Gesundheitsprobleme und meist ebenfalls finanzielle Sorgen kennen.

Ein konkretes
Beispiel

Eine langfristig arbeitslose und an Gicht leidende Person wird ausgesteuert und kann somit keine Leistungen der Arbeitslosenversicherung mehr beanspruchen. Zudem scheint ihr Gesuch um IV-Leistungen nicht den gesetzlichen Kriterien zu entsprechen.

Mit Hilfe des «Koordinationsraums» konnte diese Person als arbeitslos gemeldet bleiben. Ihre Gesundheitsprobleme, die auf die Ernährung zurückzuführen sind, konnten mit Massnahmen der Sozialhilfe angegangen werden. Zudem konnte ihr IV-Gesuch beschleunigt werden.

Aufgrund dieser konkreten Situation konnten Erfahrungen für die Ausarbeitung von Methoden, Verfahrensweisen und Instrumenten gesammelt werden, die für die Zukunft dieses «Koordinationsraums» sehr wertvoll waren. az

Die grössten Hindernisse

Viele Hindernisse haben bisher eine reibungslose Zusammenarbeit zwischen der Arbeitslosen-und Invaliden-Versicherung sowie der Sozialhilfe verhindert.

Bei der Standortbestimmung der Kommission im Jahre 2002 wurden die häufigsten Probleme aufgelistet:
l Die verschiedenen Einrichtungen unterstehen unterschiedlichen politischen Instanzen (Bund, Kanton, Gemeinden): Diese Kompetenzaufteilung stellt ein Problem bei der Koordinierung der Ziele und der konkreten Massnahmen dar.
l Die hierarchischen Blockaden: Die Fachleute geben bereitwillig zu, dass ihre Zusammenarbeit im Arbeitsalltag nicht nur von ihrem guten Willen abhängt, da die Blockaden oft auf der Entscheidungsebene der verschiedenen Einrichtungen entstehen.
l Die unregelmässige Anwendung der Vereinbarungen: Die angeführten Gründe, die diesen Zustand teilweise zu erklären

Mehr zum Thema