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Und Friede den Menschen auf Erden

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Jesses Maria», entfuhr es mir, als ich in die Waschküche trat. Denn über die Waschmaschine gebeugt stand ein bärtiger Gotteskrieger im langen Gewand. Die Jihadisten basteln aus unserer Waschmaschine eine schmutzige Bombe, zuckte es mir durchs Gehirn. Aber bevor ich NSA auch nur denken konnte, drehte sich der Mann um, und ich erkannte meinen muslimischen Nachbarn. Grüss Gott, sagte er, und das sei ihm jetzt ein bisschen peinlich, aber ob ich wüsste, mit welchem Waschprogramm man Rotweinflecken am besten rauskriege.

«Schalom», sagte ich verdattert, und schämte mich für meinen Reflex, gleich das Schlimmste zu denken. Und aus meiner Zerknirschtheit heraus beschloss ich, dass es an der Zeit wäre, eine neue Religion zu gründen. Eine Religion, deren oberstes und einziges Gebot es wäre, im Gegenüber nicht den Fremden, den Andersgläubigen oder den Falschdenkenden zu sehen, sondern stets nach dem Gemeinsamen zu suchen, das Verbindende zu pflegen und das Mensch- lich-Allzumenschliche zu preisen.

Dazu bräuchte es ausdauernde Geduld, Liebe und Toleranz, bis es wehtut. Aber es würde sich lohnen. Denn statt uns die Köpfe einzuschlagen, weil wir uns uneins sind über die Details des Jenseits, würden wir das Beste aus dem Diesseits zu machen versuchen. Täglich würden wir unsere Gottesdienste der geschwisterlichen Nächstenliebe abhalten in Waschküchen, an Bushaltestellen und in Betriebskantinen. Und zwischendurch hätten wir einen Heidenspass beim Feiern feucht-fröhlicher Feste mit koscherem Schweinebraten, «gefilltem Fisch» nach Franziskanerart und bi-nationalem Couscous-Eintopf. Denn nur zwei Speisevorschriften hätte die neue Religion: Jeder isst, was ihm schmeckt, und niemand, niemand, niemand muss hungern.

Es gäbe keine heiligen Bücher, sondern nur gut oder schlecht erzählte Geschichten. Wir bräuchten keine Propheten und Schriftgelehrten und Heiligen und schon gar keine Märtyrer, denn für unseren Glauben würden wir nicht töten und sterben, sondern leben und lieben. Und die Fehlbarkeit wäre unser Dogma.

Dann erwachte ich aus meinem Traum. Die Kirchenglocken hatten mich geweckt, oder der Gebetsruf des Muezzins, vielleicht auch das heftige Flattern der tibetanischen Gebetsfähnchen auf dem Nachbarbalkon. Mein Radiowecker ging an–und in den Nachrichten: zerbombte Kirchen, Schiiten gegen Sunniten, Mord, Hass, Intoleranz.

Und ich dachte: Sie wäre einen Versuch wert, diese neue Religion.

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