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«Uns fehlen sieben Millionen Franken»

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Es hätte schlimmer kommen können für Gottéron. Im Vorfeld der gestrigen Bundesratssitzung war gemutmasst worden, die Eishockeystadien könnten bloss zu 50  Prozent ausgelastet werden, ausserdem lag ein Alkoholverbot in der Luft. Ganz so drastische Schutzmassnahmen beschloss der Bundesrat letztlich nicht. Das Stadionbier bleibt erlaubt. Und wie im Fussball dürfen die Stadien ab dem 1.  Oktober auch im Eishockey wieder zu zwei Dritteln besetzt werden.

Für Gottéron-Präsident Hubert Waeber ein schwacher Trost: «Wir sind enttäuscht. Natürlich sind 66 Prozent besser als 50. Aber für die Eishockeyclubs bleibt es eine Katas­trophe.» Im Gegensatz zu den meisten Fussballclubs budgetieren die Vereine im Eishockey mit einer sehr hohen Stadionauslastung von 80 bis 95  Prozent. Gottéron wird ab Oktober indes bloss 5000 Personen ins Stadion lassen können. Werden die Stehplätze in die im Schutzkonzept verlangten Sitzplätze umgewandelt, werden aus den 9000 Plätzen schon einmal 7500. Zwei Drittel davon sind 5000.

Hoffen auf Staatshilfe

Daraus ergeben sich für den Freiburger Club verschiedene Probleme. Das grösste davon ist das finanzielle. «Wenn wir richtig rechnen und die drohenden Mindereinnahmen beim Ticketing, in der Gastronomie, beim Merchandising und bei den Sponsoren zu beziffern versuchen, kommen wir zum Schluss: Uns fehlen sieben Millionen Franken», sagt ­Waeber. Mit der beschlossenen Zuschauerbeschränkung drohen den üblichen Ausgaben von rund 19 Millionen bloss Einnahmen von 12 Millionen Franken gegenüberzustehen. «Ohne staatliche Hilfe droht allen Eishockeyclubs in der Schweiz der Ruin.» Die Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK) hat sich beim National- und Ständerat für die Überarbeitung der Konditionen des im Frühling geschnürten Hilfspakets ausgesprochen – das Parlament sollte in der Herbstsession im September noch einmal darüber befinden.

Am liebsten wären Waeber natürlich A-fonds-perdu-Beiträge, also direkte Subventionen, die nicht zurückbezahlt werden müssen. «Zumindest aber benötigen wir ein Darlehen mit annehmbaren Bedingungen.» Insbesondere die Solidarhaftung soll wegfallen. «Wir wollen und können doch nicht für Langnau haften, und der SCB nicht für uns», sagt Waeber. Annehmbar wäre für ihn etwa ein zinsloses Darlehen in der Höhe von sechs bis sieben Millionen Franken über 10  Jahre. «Dann müssten wir in den kommenden zehn Jahren einfach pro Jahr rund 700 000 Franken einsparen. Das wäre hart, aber machbar.»

Sparen, wo immer es geht

Die erste Devise lautet für die Sportclubs deshalb zunächst einmal, den Schaden für die kommende Saison so gering wie möglich zu halten. Bei Gottéron heisst das konkret, den drohenden Verlust von sieben Millionen mit allen Mitteln kleiner werden zu lassen.

Zunächst einmal hofft ­Waeber auf ein Entgegenkommen der Sponsoren: Dass diese trotz weniger Zuschauer und dem damit einhergehenden kleineren Werbeeffekt den normalen Betrag bezahlen. Gleichzeitig geht er von einem Lohnverzicht der Spieler aus. «Wir führten bereits informelle Gespräche mit Spielervertretern. Die Bereitschaft ist da, die Spieler haben grosses Verständnis für die Situation – wenn der Club Konkurs ginge, wäre das für sie ja ebenfalls ein grosses Pro­blem.» Bei der Administration will der Club ebenfalls den Rotstift an­setzen.

«Wenn die Sponsoren mitmachen, wir Trainingscamps annullieren, Teile der Gastronomie in Kurzarbeit gehen und die Fans auch Merchandising-Artikel kaufen, wenn sie nicht ins Stadion können, dann ist der Verlust vielleicht schon mal um eine Million reduziert», sagt Waeber. «Je nachdem kommen bei den Spielerlöhnen noch eine oder zwei Millionen dazu – aber dann bleibt immer noch mindestens ein Verlust von vier Millionen.»

Wer wie Gottéron keinen Mäzen in der Hinterhand hat, habe deshalb gar keine Chance, auf ein akzeptables Unternehmensergebnis in dieser Saison. «Ich bin ja auch ein Bürger und will deshalb nicht, dass der Staat unnötig Geld aus dem Fenster wirft. Deshalb müssen die Clubs zunächst alles Erdenkliche tun, um die Kosten zu reduzieren. Doch dann bleibt am Ende eine Lücke, die dadurch zustande kommt, dass der Staat die Stadionaus­lastung limitiert – und diese Lücke sollte der Staat aus­gleichen.»

Mehr Abonnenten als Plätze

Nebst den finanziellen Sorgen hat Gottéron noch ein anderes Problem: Obwohl er den Vorverkauf vor Wochen gestoppt hat, hat der Club bereits über 6000 Saisonabonnemente abgesetzt. «Die vielleicht grösste Herausforderung besteht deshalb nun darin, all unseren treuen Fans möglichst gerecht zu werden.» Bei der Frage, wer rein darf und wer nicht, begibt sich Gottéron auf ein Minenfeld. Ein Turnus bietet sich an. Aber: «Nehmen wir an, ein Sponsor zahlt 100 000 Franken pro Saison und hat dafür einige Sitzplätze. Dem kannst du schlecht sagen, er könne nur noch an jeden zweiten Match kommen.» Gleichzeitig dürften die langjährigen Hardcore-Fans nicht das Gefühl haben, nur Cüpli-Trinker hätten Zutritt zum Spiel.

Waeber schwebt deshalb die Idee vor, dass gewisse Kategorien fixen Zugang erhalten. «Aber natürlich wollen wir nicht den Stehplatz-Abonnenten sagen: Es hat keine Stehplätze; für euch ist die Saison vorbei.» Auch für sie soll ein Kontingent vorgesehen werden, allerdings können sie sich dann wohl nicht jeden Match anschauen.

Saisonstart im Oktober

In Sachen Umsetzung des Schutzkonzepts (siehe auch Seite 25) macht sich Waeber im neuen Stadion mit den zahlreichen Eingängen, Buvetten und Restaurants keine Sorgen. Die Zusammenarbeit mit dem Kanton, der das Konzept letztlich zu bewilligen hat, verlaufe positiv, sagt Waeber, der der Meinung ist, man hätte pro­blemlos auch alle 7500 Sitze belegen können. «Es tragen ja alle eine Maske. Im Zug wird auch nicht jeder dritte Sitz leer gelassen. Es ist diese Ungleichbehandlung, die mich am meisten stört.»

Ohnehin wird man bei Gottéron, wie auch bei den anderen Clubs der Liga in den kommenden Tagen und Wochen vor allem in der Öffentlichkeit das Glas eher halb leer als halb voll betrachten – immer auch mit der Hoffnung verbunden, der Staat möge den Clubs helfen, den drohenden Verlust abzufedern. Heute entscheiden die Vereine der National League in einer Telefonkonferenz, ob die Meisterschaft wie geplant am 1. Oktober beginnt. «Aber das ist so gut wie sicher, die Saison weiter nach hinten zu verschieben, löst keines unserer Probleme.»

«Wir wollen nicht den Stehplatz-Abonnenten sagen: Es hat keine Stehplätze; für euch ist die Saison vorbei.»

Hubert Waeber

Präsident Gottéron

«Natürlich sind 66  Prozent besser als 50. Aber für die Eishockey-Clubs bleibt es eine Katastrophe.»

Hubert Waeber

Präsident Gottéron

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