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«Vereinsamen tue ich bestimmt nicht»

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: Frederic Auderset (Text) Und Charles Ellena (Bilder)

Kälte und Wind machen Markus Nyffeler nichts aus. «Man gewöhnt sich daran, wie in anderen Berufen auch», sagt er, gut verpackt in mehrere Schichten warme Kleidung. Nyffeler ist seit über 20 Jahren Wanderschafhirte. Mitte November startet er jeweils mit seiner Schafherde in Kehrsatz. Über Mittelhäusern, Niedermuhlern, Schwarzenburg, Riggisberg, durchs Gürbetal und über den Belpberg gelangt er bis Mitte März wieder an seinen Ausgangspunkt zurück.

Unterwegs verlassen alle zwei oder drei Wochen 20 bis 50 Lämmer die Herde: Sie werden zum Metzger gebracht, meistens zu einem Schlachthof nach Thun. So waren von den ursprünglich rund 800 Tieren, mit denen Nyffeler im letzten November seine Wanderung begonnen hat, Ende Januar, als sich die Herde bei Schwarzenburg aufhielt, noch etwa 600 übrig. Die Hälfte der Schafe stammt aus eigener Zucht, die andere Hälfte kauft er jeweils im Herbst von Bauern, wenn die Tiere von der Alp zurückkommen.

Früher mit Frau unterwegs

Begleitet werden er und seine Schafe nur von den beiden Hunden Luc und Lea. «Am Anfang kam manchmal meine Frau mit. Jetzt bin ich aber allermeistens alleine unterwegs», erzählt Nyffeler. Dafür sieht der 51-jährige Wanderhirte seine Ehefrau, mit der er vier erwachsene Kinder hat, nun regelmässig am Abend. Denn noch etwas hat sich seit den Anfängen verändert: «Früher habe ich immer draussen übernachtet. Seit einigen Jahren gehe ich aber immer häufiger am Abend heim nach Rüeggisberg.» Trotzdem habe er auch heute noch stets ein Zelt und eine Decke bei sich. «Es kommt auch immer auf die Distanz an, ob es sich lohnt, nach Hause zu gehen», sagt der 51-jährige Wanderhirte.

Bleibt Nyffeler über Nacht nicht bei seinen Schafen, dann pfercht er sie mit einem Flexizaun an einem windstillen Ort, meist in einem Wald, ein. Solange niemand die Schafe störe, blieben sie ganz ruhig, berichtet er. «Wenn ich am Morgen gegen acht Uhr wieder komme, liegen neunzig Prozent der Schafe immer noch still am Boden.»

Einen Platz, wo die Schafe über Nacht bleiben können, muss Nyffeler jeden Tag aufs Neue suchen. Denn täglich zieht er mit seiner Herde weiter. «Die Schafe brauchen acht bis zwölf Weideplätze pro Tag.» Die Weideplätze, zwischen einer halben Hektare und drei Hektaren gross, und den Übernachtungsort sucht Nyffeler meist über Mittag aus, wenn die Schafe «Siesta machen», wie er sagt. Wenn Schnee liegt, muss Nyffeler auf den nächsten Weideplätzen mit den Füssen – ähnlich wie es die Schafe beim Fressen mit ihren Hufen tun – jeweils ein Stück Boden freischarren, um das Gras begutachten zu können. Dafür sei es bei Schnee einfacher, sagt Nyffeler, die Herde beisammenzuhalten, wenn sie zum nächsten Weideplatz ziehe. «Wenn es grün ist, muss ich viel mehr aufpassen, dass die Schafe nicht über Äcker und anderes Land laufen, wo sie nicht hindürfen.»

Bubentraum hat sich erfüllt

Es sei schon zur Schulzeit sein Wunsch gewesen, als Wanderhirte mit Schafen durchs Land zu ziehen, erzählt Markus Nyffeler. «Ich ging immer hin, wenn der Schäfer nach Niedermuhlern kam, wo ich aufgewachsen bin.» Mit 30 Jahren konnte der gelernte Metzger Nyffeler von diesem Schäfer das zugeteilte Gebiet übernehmen. Bis es so weit war, hat er seinem Vorgänger ab und zu geholfen, arbeitete jedoch hauptsächlich in einer Metzgerei und auf dem elterlichen Bauernhof.

Heute ist es Nyffeler, der Besuch von Schulkindern erhält: «Es melden sich jeden Winter drei bis vier Kindergarten- oder Primarschulklassen, um mich einen Tag zu begleiten.» Auch sonst kämen manchmal Leute aus der Umgebung vorbei und brächten ihm Kaffee oder etwas zu essen. «So habe ich immer wieder Kontakt mit Menschen. Vereinsamen tue ich bestimmt nicht», sagt er.

Auf der Alp ist es ruhiger

Im Sommer ist Markus Nyffeler mit seinen Schafen jeweils auf der Alp. In den letzten Jahren war dies die Alp Lavarre im waadtländischen Bex. Nun suche er aber nach einem anderen Ort, sagt er. Was ihm mehr gefällt, die Alp im Sommer oder das Wandern im Winter? «Beides hat seine Vor- und Nachteile», sagt Nyffeler diplomatisch, und fügt dann an: «Auf der Alp ist es schon etwas geruhsamer.»

Daran gedacht, als Wanderhirte aufzuhören, habe er aber nie ernsthaft. Nur als vor wenigen Jahren die Preise für Lämmer sehr tief gewesen seien, habe er ein wenig an seiner Arbeit gezweifelt, so Nyffeler. «Zum Glück sind die Preise wieder etwas gestiegen. Denn ich bin immer noch gerne Hirte und werde kaum noch etwas anderes anfangen.» Er kenne einen Wanderhirten, der selbst mit 78 Jahren noch mit seinen Schafen umhergezogen sei. «Das habe ich zwar nicht gerade im Sinn. Aber ein paar Jahre mache ich es schon noch.»

Als der Wanderhirte Markus Nyffeler mit seinen Schafen Ende Januar bei Schwarzenburg vorbeigezogen ist, lag noch kein Schnee.

Zu Beginn der Wanderung zählte die Herde rund 800 Tiere. Alle paar Wochen werden aber 20 bis 50 Schafe geschlachtet.

Wanderschafherden: Kantone erteilen Bewilligungen

Um mit einer Schafherde in den Wintermonaten umherziehen zu können, braucht es eine Bewilligung. Diese erteilen die Kantonalen Veterinärämter oder Veterinärdienste. Wie Monika Bernoulli, Kommunikationsverantwortliche beim Veterinärdienst des Kantons Bern, sagt, werden die Bewilligungen jeweils für die Zeit vom 15. November bis zum 15. März ausgesprochen.

Die Hirten müssten hierfür die Einhaltung der üblichen seuchenpolizeilichen Vorschriften, welche für die ganze Schweiz gelten, gewährleisten. Dazu gehört, dass die Tiere gesund sind und kein Verdacht auf eine Krankheit oder eine Seuche besteht. Die Schafe müssen auch registriert sein und eine entsprechende Ohrmarke tragen; der Wanderhirte hat ein Tierverzeichnis mitzuführen, in dem die Herkunft mittels Begleitdokumenten für Klauentiere nachvollziehbar ist.

«Bei Wanderherden dürfen im Speziellen keine trächtigen Schafe dabei sind. Der Schäfer trägt die Verantwortung, dass auf der Weide keine Lämmer geboren werden», so Bernoulli. Die Strapazen wären für Muttertiere und neugeborene Lämmer zu gross. «Es ist auch vorgeschrieben, dass Kontakte zu anderen Herden verhindert werden müssen, damit allfällige Krankheiten nicht übertragen werden können.» Deshalb würden die Wanderrouten festgelegt und den Hirten bestimmte Gebiete zugeteilt.

In diesem Winter sind im ganzen Kanton Bern wiederum neun Wanderhirten mit ihren Herden unterwegs, die vom Kantonstierarzt je ein Gebiet zugeteilt erhielten. «Es sind so alle möglichen Bewilligungen vergeben», sagt Bernoulli, «und weitere Bewilligungsgesuche sind keine eingetroffen.» Im Kanton Freiburg sind laut dem dortigen Veterinäramt derzeit sechs Hirten auf Wanderschaft, wobei einer auch für den Kanton Bern eine Bewilligung hat.

Die Nutzung des Weidelandes ist privatrechtlich geregelt und somit müssen die Rechte der Grundbesitzer respektiert werden. «Die Hirten müssen vorgängig bei den Grundeigentümern anfragen, ob sie mit ihren Schafen auf deren Land dürfen», sagt Monika Bernoulli.fa

«Die Schafe brauchen acht bis zwölf Weideplätze pro Tag.»

Autor: Markus Nyffeler

Autor: Wanderschafhirte

In Nyffelers Schafherde hat es verschiedene Rassen, darunter auch Walliser Landschafe, die auf der Liste von Pro Specie Rara stehen.

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