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Vom engen Tessiner Bleniotal ins weltoffene London

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Zu jener Zeit entfliehen immer mehr Menschen den engen Tessiner Tälern ins Ausland, wo sie hoffen, bitterer Armut zu entkommen. Wer es schafft, in fernen Landen Fuss zu fassen, hat eine bessere Zukunft vor sich. Über Paris, wo er sich als Maroniverkäufer durchschlagen musste, gelangt auch Carlo Gatti, arm, aber reich an Ideen, nach London.

Mit Visionen in die Zukunft

Die mitreissende Geschichte wird von Nicolas erzählt, einem kleinen Strassenjungen, der von Gatti vor dem Hungertod gerettet wird. Dieser kann sich dank seines Lerneifers in Gattis Betrieben nützlich machen. Während des fünf Jahrzehnte dauernden Aufbaus des Imperiums ist er als Ziehsohn anfänglich der stille Beobachter und wird als studierter Mann ein unentbehrlicher Ratgeber des Clanchefs. Eine interessante Zeit bricht an, in der der rasante technische Fortschritt auch die englische Gesellschaft grundlegend verändert. Gatti ist mit seinen Visionen immer an vorderster Front dabei. Von den anfänglich mobilen Gelati-Wagen und Schokoladenmanufakturen wendet er sich dem Gastgewerbe zu mit gemütlichen Cafés und Restaurants, die nicht, wie damals üblich, nur den Reichen vorbehalten sind. Er importiert Schiffsladungen mit Eis aus Norwegen, gründet riesige Music-Halls, Billardsäle und Tanzlokale, und immer wieder geht er dabei Risiken ein, die vor ihm niemand wagte. So bringt er es mit Fleiss und eisernem Willen zu enormem Reichtum.

Dem Tessin verpflichtet

Heutzutage würde man Gatti als erfolgreichen «Allrounder» bezeichnen. Er ist ehrgeizig und hat einen ausgeprägten Geschäftssinn, zwei Eigenschaften, mit denen er sich allen Herausforderungen stellt. Mutige Investitionen wie auch finanzielle Unterstützung der Ärmsten spielen bei den Veränderungen des sozialen Lebens in seinem Umfeld eine wichtige Rolle. Nie vergisst er sein geliebtes Tessin, dem er als Förderer von Emigranten aus seiner Heimat verbunden bleibt. Schliesslich kehrt er ins Bleniotal zurück, wo er bis zu seinem Unfalltod 1878 als umtriebiger Grossrat politisiert.

In ihrer präzise recherchierten historischen Geschichte erweckt Anne Cuneo als gross­artige Erzählerin den Werde­gang eines faszinierenden Menschen und seiner Familie mit grossem Einfühlungsvermögen zu neuem Leben und bringt uns zum Staunen über die für Westeuropa ausser­gewöhnliche technische und gesellschaftliche Entwicklung dieser Epoche. Geschickt lässt sie nicht nur Nicolas erzählen, sondern gibt Kommentare und Schicksale von Zeitgenossen wieder, die sie offiziellen Dokumenten entnimmt, was den biografischen Roman umso glaubwürdiger macht. Beim Lesen fühlt man sich so mitten ins spannende Geschehen versetzt, lebt sich leicht in die Figuren ein und realisiert gleichzeitig, welch fantastische Leistung Carlo Gatti im 19. Jahrhundert vollbrachte.

Anne Cuneo: Der Eiskönig aus dem Bleniotal. Aus dem Französischen übersetzt von Erich Liebi. Roman. Zürich: 2017 Bilgerverlag. 326 S. Die Original­fassung von Anne Cuneos (1934-2015) letztem Werk erschien 2014 unter dem Titel «Gatti’s Variétés».

Giovanna Riolo ist freie Rezensentin.

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