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Vom Glück, etwas vorgelesen zu bekommen

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«Vorlesen kennt keine Altersbeschränkung», stellt das Organisationskomitee des ersten Schweizer Vorlesetags fest, der heute stattfindet. Dennoch richten sich die Angebote vor allem an Kinder, Teenager und ihre Familien. Viel Prominenz wird es zu belauschen geben – interessanterweise oft aus literaturfernen Gefilden.

Mama liest vor, bevor das Licht gelöscht wird. Manchmal auch Papa. Und die Lehrerin in der Schule. Aber ein Fussballstar, der Geschichten kredenzt? Ja, den gibt es. Kein Geringerer als Marco Wölfli, Goalie der gerade Schweizermeister gewordenen Berner Young Boys, wird heute in der Bibliothek Köniz vorlesen – nebst einem Feuerwehrmann, einem Hauswart, einem Architekten und einem Musiker. Hat zunehmendes Engagement in den Familien die Männer nun allesamt zu Vorleseprofis gemacht?

«Vorlesen braucht Vorbilder – Schweizer Promis engagieren sich für den Schweizer Vorlesetag»: So titelt das Zürcher Institut für Kinder- und Jugendmedien (SIKJM), das den Anlass initiiert hat, in seiner Medienmitteilung. Von diesen Promis sind auffällig viele in der Welt des Sports daheim, etwa Sport­reporter Beni Turnheer, Trainer Gilbert Gress, Snowboardprofi Iouri Podladtchikov – und ja, auch eine Frau: Simone Nigg­li-Luder, 23-fache OL-Weltmeisterin. Sie alle lieben das unsportliche Lesen. Oder zumindest das Vorlesen.

Vorlesen als Leseförderung

Ausverkaufte Autorenlesungen, die Beliebtheit von Poetry Slams und der inzwischen etwas abgeflaute Hörbuch-Boom zeigen, dass sich auch Erwachsene gern vorlesen lassen. Dennoch wird in unserer Kultur vor allem kleineren Kindern live vorgelesen – auch, weil sie heute (fast) die einzigen Analphabeten sind, also noch nicht selber lesen können.

«Vorlesen ist die einfachste und wirksamste Form der Leseförderung», stellt das SIKJM fest; und nicht nur für die Kleinen «dringend nötig»: «Die Pisa-Studie der letzten Jahre bescheinigt jedem fünften bis sechsten Jugendlichen in der Schweiz am Ende der Schulzeit ungenügende Lesekompetenz.» Ist es zu diesem Zeitpunkt nicht zu spät? Soll man tatsächlich Teenagern vorlesen? In der Fachzeitschrift «Buch und Maus» wird eine Studie zitiert, wonach «Vorleseaktivitäten die basalen Lesefähigkeiten der Zuhörenden noch in diesem Alter erweitern können»: passiver Wortschatz, literarische Wendungen, komplexe Satzstrukturen sind Stichworte dafür.

Vorlesen als soziale Interaktion

Nun bietet das Vorlesen aber nicht nur Lerneffekte, sondern auch Geselligkeit und Genuss. Im Gegensatz zum einsamen Lesen ist es oft eine lebhafte dialogische Form, bei der Fragen eingeworfen werden, man sich in kunstvoll gesetzten, Spannung erzeugenden Pausen gemeinsam gruselt oder den Ausgang einer Geschichte diskutiert. In diesem Sinne «stärkt Vorlesen das Zusammenleben und den Zusammenhalt», wie Bundesrat Alain Berset, Botschafter des Vorlesetages, meint.

Durch Perspektivenwechsel von einer literarischen Figur zur anderen wird die Empa­thiefähigkeit gefördert, und das Sich-hinein-Denken in andere Welten kann gefahrlos ausprobiert werden. Giulietta von Salis, Psychologin am Marie-Meierhofer-Institut für das Kind, nennt das «geborgen abheben». Wer erinnert sich nicht gern an die wilden Abenteuer in fernen Ländern, die man als Dreikäsehoch im Pyjama unter der Bettdecke miterleben konnte, als sei man selber dort? Befragt nach ihren frühen Vorlese-Erlebnissen, geraten Erwachsene oft in Verzückung.

Vorlesen als Kunst

«Die Resonanz, die ich bei Erwachsenen erlebe, ist manchmal stark», sagt die professionelle Vorleserin Michaela Wendt. «Manche schliessen die Augen beim Zuhören, genies­sen es sichtlich.» Solche Reaktionen zeigen ihr, dass die ausgewählten Texte – oft ist es Lyrik – wirklich ankommen. Für Wendt selbst kann das Vorlesen ebenfalls ein Glück sein. Oder auch nicht: «Bei Lesungen von jüdischer Holocaust-Literatur wurde mir selber ganz elend», erinnert sie sich.

Michaela Wendt besprach eine Zeit lang auch Hörbücher für die Schweizerische Blindenbibliothek. Womit wir wieder beim Vorlesen sind für die, die nicht selber lesen können. In früherer Zeit war das die Mehrheit der Gesellschaft, weshalb das Vorlesen im öffentlichen Leben zentral war. Aber auch im stillen Kämmerlein lasen die Schriftkundigen seit der Antike laut vor sich hin. Erst um 1800 hat sich im Abendland das stille Lesen durchgesetzt, während das Vorlesen zum Deklamieren vor Publikum zur Kunst wurde. Der Schweizer Vorlesetag will das Vorlesen vor allem im Alltag stärken. Eine inte­ressante Initiative, besonders für die Generation der Digital Natives.

Programm: www.schweizervorlesetag.ch

Dieser Text wurde mithilfe der Gottlieb und Hans Vogt-Stiftung realisiert.

«Die Resonanz, die ich bei Erwachsenen erlebe, ist manchmal stark.»

Michaela Wendt

Vorleserin

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