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Von Konstantinopel nach Kerzers

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Von Konstantinopel nach Kerzers

Das Neuste im Bahnmuseum von Wymanns

Einst dinierten in ihm noble und vermögende Herrschaften auf der Reise von London nach Konstantinopel (Istanbul). Heute hofft er – etwas ramponiert – auf einem Abstellgeleise auf bessere Zeiten im Bahnmuseum Kerzers: der älteste noch erhaltene Simplon-Orient-Express-Speisewagen.

Von UELI GUTKNECHT

Der «Simplon-Orient-Express» fuhr via Schweiz durch den Simplon-Tunnel, Mailand, Triest, Zagreb bis Istanbul. Zum Ruhm des Zuges trugen auch Romane wie Agatha Christies «Mord im Orient-Express» bei.

Teakholz und Intarsien

Der letzte nun in Kerzers stehende Originalwagen der «Compagnie Internationale des Wagons-Lits» CIWL hätte viel zu erzählen, wenn er könnte. Erbaut wurde der 31 Tonnen schwere und 20 Meter lange Wagen mit 50 Sitzplätzen 1907 in den berühmten Ringhoffer Werken in Prag. Ausgestattet ist er mit viel Teakholz sowohl innen wie aussen. Das Innere ist mit kostbaren Intarsien (Holzeinlegearbeiten), Lampen und Spiegeln der «Belle Epoque» verziert. Lederpolster im Nichtraucher und roter Plüsch im Raucherabteil sowie Spannteppich gehörten zum Standard.

Als am 28. Juni 1914 in Sarajevo die verhängnisvollen Schüsse fielen und den Ersten Weltkrieg einläuteten, hatte er das Glück in der Schweiz zu sein. Nach 1919 verkehrte er auf der wieder eröffneten Simplonstrecke. Aber nicht lange. 1947 erhielt er die SBB-Nummer 10214 und tat seinen Dienst bis ins Jahr 1954. Bis ihn 1977 die Oensingen-Balsthal-Bahn (OeBB) für Nostalgiefahrten kaufte und herrichtete, diente er als Unterkunftswagen beim Baudienst der SBB, die ihm die Luftbremse ausbaute.

Aus Metall sind nur die Drehgestelle und der Wagenrahmen (das «Chassis»). Der ganz aus Teakholz erbaute Wagenkasten ist auf verzapften und mit dem Wagenrahmen verbundenen verzapften Eichenbalken aufgebaut.

Aufwand nicht gescheut

Die OeBB erwarb neuere Stahlkastenwagen, die sie zu Salon- und Speisewagen umbaute. Sie bot den Speisewagen Vater Rolf und Sohn Roger Wymann vom Bahnmuseum Kerzers zum Kauf an. Andere Interessenten scheuten den zu erwartenden Restaurierungsaufwand und zogen sich zurück.

In rund 60 Arbeitsstunden richteten die beiden das Fahrwerk und die Handbremse so her, dass der Wagen ohne Risiken wie Heisslaufen eines Lagers usw. mit der Bewilligung des Bundesamtes für Verkehr nach Kerzers überführt werden konnte.

Extrafahrt Oensingen-Kerzers

Am 22. November war es so weit. Die Extrafahrt mit einem Motorwagen der OeBB verliess Oensingen um 10.18 Uhr und fuhr via Güterbahnhof Biel nach Kerzers, Ankunft 12.58 Uhr. Im Führerstand der in Kerzers aufgewachsene pensionierte BLS-Oberlokführer Robert Gaberell, und an der Notbremse und Handbremse die mit Funk mit dem Führerstand verbundenen beiden «Wymänner».

«Die Fahrt verlief reibungslos und um 14.55 Uhr traten wir drei mit dem Motorwagen die Rückfahrt an. Doch für uns steht die grosse Arbeit noch bevor», erzählt Rolf Wymann. «Bei uns soll er kein Mauerblümchendasein fristen, sondern nach seiner Restauration mit Leben und Gästen erfüllt werden und einen Hauch von vermitteln. Man wird ihn auch für Familien- oder Geschäftsanlässe bis zu 40 Personen mieten können.»

Bahnmuseum Kerzers, Tel. 031 755 89 04/
755 70 20. Mail: ro_wymann@bluewin.ch, Besichtigungen/Führungen im Winterhalbjahr nach Vereinbarung.

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