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Warum es Französischsprachige in den Sensebezirk zieht

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Sie fühlen sich wohl in St. Ursen: Morgan und Agnès Sansonnens mit ihren Buben Andrew und Matthew.
Corinne Aeberhard

In manche Sensler Gemeinden ziehen seit einigen Jahren immer mehr Französischsprachige. Die FN haben sich auf Spurensuche begeben und mit Gemeindepräsidenten gesprochen, aber auch mit Familie Sansonnens, die aus der Broye nach St. Ursen gezogen ist.

«J’adore la Singine», sagt Agnès Sansonnens fröhlich – sie hat sich in den Sensebezirk verliebt. Es gebe so viele schöne Orte zu entdecken: den Schwarzsee, den Schiffenensee, das Galterental. Agnès Sansonnens und ihr Mann Morgan kommen ursprünglich aus der Broye. Im Herbst 2016 sind sie aber nach St. Ursen gezogen. Sie haben die deutschsprachige Sensler Gemeinde ganz bewusst ausgewählt:

Wir wollen unseren Kindern die Chance geben, die Schule auf Deutsch zu besuchen und zweisprachig aufzuwachsen.

Eine Chance, die Agnès Sansonnens zwar eigentlich auch gehabt hätte. Denn ihre Eltern sind Deutschschweizer. Doch als Agnès in die Schule kam, begannen sie, Französisch mit ihr zu sprechen. Sie spricht zwar heute noch etwas Schweizerdeutsch, aber hat Mühe mit Hochdeutsch. Ihren Kindern, dem sechsjährigen Matthew und dem vierjährigen Andrew, soll es anders gehen. Zu Hause wird Französisch gesprochen, in der Schule verständigen sie sich auf Deutsch. 

«Am Anfang war es nicht ganz einfach für Matthew im Kindergarten», erinnert sich Agnès Sansonnens. Doch er habe sehr schnell Deutsch gelernt und spreche jetzt ganz selbstverständlich Schweizerdeutsch beim Spielen mit anderen Kindern. Bei seinen Eltern sieht es etwas anders aus, besonders bei Morgan Sansonnens, der nur in der Schule Deutsch gelernt hat. «Wir geben uns sehr Mühe, Deutsch zu sprechen, gerade auch im Dorfladen», sagt Agnès Sansonnens. Grosse Fortschritte hätten sie aber nicht gemacht. 

St. Ursen ist beliebt

Die Familie Sansonnens ist keine Ausnahme. Gerade nach St. Ursen sind in den letzten Jahren viele Französischsprachige gezogen. Rund zwanzig Prozent der Bevölkerung in St. Ursen sind französischer Muttersprache. Vize-Syndic Frédéric Neuhaus sagt: «Am letzten Neuzuzügerapéro im Jahr 2019 waren rund die Hälfte der Teilnehmenden französischsprachig.» 

Er fügt an: «Das hat uns überrascht.» Die Gemeinde sei dem nachgegangen und auf verschiedene Gründe gekommen: Einerseits sei St. Ursen beliebt, weil es relativ nahe an der Stadt Freiburg gelegen sei, gleichzeitig aber die Liegenschaftspreise und Mieten im Vergleich zu anderen Gemeinden nicht besonders hoch seien. Andererseits kämen bewusst junge französischsprachige Familien, welche den Kindern die Zweisprachigkeit ermöglichen wollen – wie eben die Familie Sansonnens.

«Meist kommen Familien mit noch ganz kleinen Kindern, die sie direkt auf Deutsch einschulen», so Neuhaus. Das gebe kaum Probleme mit der Sprache, denn die Kinder lernten diese rasch. Bei Familien mit älteren Kindern komme es vereinzelt vor, dass sie Ausnahmegesuche beantragten, um die Kinder auf Französisch in der Stadt in die Schule zu schicken. 

Zweisprachiger Abfallkalender

Die Gemeinde Tentlingen, welche mit 27 Prozent einen noch höheren Anteil an Französischsprachigen verzeichnet, lehnt solche Gesuche eher ab, wie Syndic Gerhard Liechti sagt. «Wir sind eine deutschsprachige Gemeinde, und die Kinder gehen in der Regel nach Giffers in die Schule.» Auch Tentlingen verzeichnete in den letzten fünf bis sechs Jahren mehr französischsprachige Neuzuzüger. Liechti glaubt, dass es vor allem Leute aus dem Grossraum Freiburg sind, welche es aufs Land zieht.

Die 1300-Einwohner-Gemeinde hat angefangen, den Abfallkalender und auch Corona-Infoblätter zweisprachig zu drucken. «Sonst wird es nicht gelesen», stellt Liechti fest. Das Informationsblatt bleibe aber deutsch – und als vor einer Weile ein Bürger gefragt habe, ob man die Gemeindeversammlung auf Hochdeutsch abhalten könne, habe es in der Versammlung ziemlichen Aufruhr gegeben. «Die Gemeindeversammlung wird auf Schweizerdeutsch abgehalten, aber wenn jemand eine Frage auf Hochdeutsch oder Französisch stellt, kann ich diese selbstverständlich auf Hochdeutsch beantworten», so Liechti. 

Gleiches gelte für Anfragen in der Gemeindeverwaltung. Ähnlich handhabt es St. Ursen. «Wenn Leute nach französischsprachigen Dokumenten fragen und wir sowieso Übersetzungen vom Kanton dafür haben, geben wir diese ab», sagt Frédéric Neuhaus. 

Weniger in Düdingen

Düdingen hat in den letzten Jahren einen weniger starken Zuwachs an Französischsprachigen festgestellt als Tentlingen und St. Ursen. «In Düdingen gab es schon immer einen gewissen Anteil Französischsprachiger, weil wir so nahe an der Stadt sind», sagt Kuno Philipona, der bis Ende April Syndic der Gemeinde war. «Sie integrieren sich jedoch gut, und auch in der Schule war das nie ein Thema.» Derzeit beträgt der Anteil Französischsprachiger in Düdingen sechs Prozent.

Wegen der Fusion ist der Anteil in Tafers kleiner

Tafers hat mit dem Kleinschönberg ein Quartier, das direkt an die Stadt angrenzt. In der Gemeindeverwaltung sei ihm aufgefallen, dass vermehrt auf Französisch Auskunft verlangt werde, sagt Syndic Markus Mauron. In Tafers ist die Zahl der Französischsprachigen über die letzten Jahre kontinuierlich gestiegen, wie Verwaltungsleiter Helmut Corpataux sagt: 2010 betrug ihr Anteil drei Prozent, 2015 fünf Prozent und 2020 zwölf Prozent. Mit der Fusion im Januar mit Alterswil und St. Antoni ist ihr Anteil allerdings wieder auf sieben Prozent zurückgegangen, denn in den Ortsteilen Alterswil und St. Antoni leben deutlich weniger Französischsprachige.

Syndic Markus Mauron ergänzt:

Es kommt vor, dass Französischsprachige erst beim Umzug merken, dass die Amtssprache in Tafers Deutsch ist.

Das sei aber eher selten. «Viel eher ziehen junge Familien extra hierher, damit die Kinder Deutsch lernen.» Die Verwaltung beantworte auch Anfragen auf Französisch, sagt Helmut Corpataux. Klar sei aber, dass die Einschulung auf Deutsch erfolge, und das sei auch kaum ein Problem.

Chance für Gemeinde

Markus Mauron und auch die anderen befragten Gemeindepolitiker nehmen die Zweisprachigkeit als Chance wahr und sehen keine Probleme. «Ich beobachte, dass die Kinder in St. Ursen einen sehr lockeren Umgang mit der Sprache pflegen», sagt Frédéric Neuhaus. «Sie sprechen ganz selbstverständlich Deutsch und Französisch miteinander. Das war vor zehn Jahren noch nicht so.» Er sieht dies positiv für ein Miteinander beider Seiten. «Gerade jüngere Freiburgerinnen und Freiburger sind heute offener. Deutschsprachige reden rasch einmal Französisch, Französischsprachige reden schneller einmal Hochdeutsch.»

Agnès Sansonnens und ihre Familie fühlen sich in St. Ursen jedenfalls rundum wohl. «Wir wurden sehr herzlich aufgenommen im Dorf.» In der Schule habe man Verständnis gezeigt für ihren Sohn – und sie und ihr Mann wiederum machten einen Effort, um Deutsch zu sprechen.

Oberamt

Die Französischsprachigen sind kein grosses Thema im Bezirk

Wie viele Französischsprachige im Sensebezirk wohnen, kann der Sensler Oberamtmann Manfred Raemy nicht sagen, und auch das Freiburger Amt für Statistik hat auf seiner Homepage keine Angaben dazu publiziert. Raemy schätzt, dass der Anteil nicht besonders gross ist. Ein Thema sei der Zuzug Französischsprachiger vor allem bei jenen Gemeinden, die am Rand des Bezirks liegen; bezirksweit aber eher nicht – und ein Problem sehe er erst recht nicht. Rechtlich sei der Fall klar: Der Sensebezirk ist deutschsprachig. «Viele Französischsprachige sehen den Zuzug als Chance, damit die Kinder Deutsch lernen.» nas

Kommentar (1)

  • 04.05.2021-Beat

    Interessant, der Hauptfaktor, wieso die Welschsprachigen nach Giffers / Tentlingen ziehen ist jedem klar, der sich dort umsieht. Ins Grüne gepflanzte Einfamliensiedlungen – weil günstiges Bauland – ohne jegliche Infrastruktur (Verkehrsanbindung etc).. dass man dann noch beginnt die Gemeindedokumente auf Französisch zu drucken, unglaublich… aber eben generiert wohl schön Steuergelder… aber das kann dann schnell ändern, wenn die Bedürfnisse der Zuzüger steigen und dann plötzlich neue Infrastruktur, Sprachunterstützung an Schulen etc.. gefordert wird

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