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Weniger zu Hause üben, dafür mehr lesen

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Hausaufgaben sind immer wieder ein Anlass zum Verzweifeln: Die Kinder würden lieber draussen spielen, als am Pult zu sitzen und Französisch-Vokabeln zu repetieren. Die Eltern sind sich nicht sicher, ob sie die Fehler auf dem Mathematik-Blatt korrigieren und das Eselsohr wieder glattstreichen sollen, oder ob die Lehrerin lieber sehen möchte, was das Kind ohne Hilfe der Erwachsenen leistet.

Inge Schnyder stellt Hausaufgaben in den Mittelpunkt ihrer Dissertation. Die Lektorin am Zentrum für Lehrerinnen- und Lehrerbildung der Universität Freiburg ist der Frage nachgegangen, was die Aufgabenvergabe bewirkt. Die Doktorarbeit trägt den Titel «Denn sie wissen nicht, was sie tun». Hat sie schon Reaktionen aus Lehrerkreisen erhalten? Schnyder lacht: «Nein–aber ich warte darauf.» Der Titel wende sich aber nicht nur an die Lehrerinnen und Lehrer, sondern auch an die Schulkinder und die Eltern (siehe auch Kasten).

Auch in der Schule üben

Inge Schnyder hat in ihren Untersuchungen bei 1712 Schülerinnen und Schülern in 112 Klassen der deutschsprachigen Teile der Kantone Freiburg und Wallis festgestellt, dass viele Lehrkräfte ger- ne Übungsaufgaben vergeben: Französischwörter lernen, in einer Übung Konjugationen einfügen, den richtigen Artikel zum Wort setzen. «Solche Automatismen zu erlangen ist wichtig», sagt Schnyder. Wer in einer Sprache Wörter kenne und Verben konjugieren könne, habe den Kopf frei für Weitergehendes. «Gerade aber weil die Automatismen wichtig sind, sollten sie nicht nur alleine zu Hause geübt werden, sondern auch in der Schule–wo die Lehrerin sieht, ob das Kind auch den richtigen Automatismus lernt.»

Kommt hinzu, dass solche Übungen oft repetitiv und langweilig sind. Genau das aber macht, dass die Kinder kaum motiviert sind. «Damit erledigen sie ihre Aufgaben weniger sorgfältig und der Lerneffekt ist klein», sagt Schnyder. Die Lehrerinnen und Lehrer verfügten im Unterricht über die nötige Methodik, damit auch Automatismus-Übungen nicht langweilig würden und variantenreich seien. Darum sollte ihrer Meinung nach mehr in der Schule geübt werden.

Vorbereitende Aufgaben

Ein Problem der Hausaufgaben ist auch, dass die Kinder einer Klasse sehr unterschiedlich sind und unterschiedlich arbeiten–und in der Regel doch alle die gleiche Aufgabe gestellt erhalten. «Es braucht nicht unbedingt individualisierende Aufgaben, aber offene Aufgaben», sagt Schnyder. Denn oft zeige sich, dass gerade die schlechteren Schülerinnen und Schüler sehr lange an den Aufgaben sässen. «Das ist demotivierend und wirkt sich negativ auf die Leistungsentwicklung aus.» Dies müssten die Lehrerinnen und Lehrer bei der Vorbereitung der Aufgaben bedenken.

Nicht aus dem Lehrmittel

Nur wenige Lehrerinnen und Lehrer vergeben vorbereitende Aufgaben–wie zum Beispiel das Lesen eines Textes, der dann in der Klasse besprochen wird. «Die Lehrkräfte geben nicht gerne Aufgaben, bei denen sie nicht kontrollieren können, ob sie gemacht wurden», sagt Schnyder. «Beim Lesen sind sie sich nie sicher, ob das Kind den Text gelesen hat; bei einem Übungsblatt ist aber ersichtlich, ob es ausgefüllt worden ist–wobei ja auch das kurz vor der Stunde abgeschrieben werden kann.»

Schnyder empfiehlt aber gerade solche Leseaufgaben oder andere Aufgaben, die auf den Unterricht vorbereiten: «Die Kinder sehen, dass sie die Aufgabe machen, um am nächsten Tag in der Gruppe mitreden zu können–das gibt der Hausaufgabe Sinn.» Und dieser Sinn wiederum macht, dass sich die Kinder vielleicht motivierter an die Aufgaben setzen. «Kinder, die sorgfältig arbeiten, haben den grösserenLerneffekt», sagt Schnyder. Dabei bedeutet Sorgfalt, dass die Kinder sich anstrengen und sich Mühe geben. Ebenfalls wichtig ist, dass die Kinder herausgefordert sind und bei den Hausaufgaben auch dann dranbleiben, wenn eine Aufgabe etwas schwieriger ist. Relevant sind laut Schnyders Studie auch Hausaufgaben, die nicht an das Lehrmittel gebunden und in den Lebenskontext der Kinder eingebettet sind.

Eltern: Einmischung kann schaden

D ie Rolle der Eltern bei den Hausaufgaben ist nicht immer klar: Sollen sie den Kindern helfen oder sich heraushalten? «Die Lehrerinnen und Lehrer sollten den Eltern sagen, was sie von ihnen erwarten», sagt Inge Schnyder, die eine Dissertation über die Hausaufgabenvergabe geschrieben hat. Wenn beispielsweise die Jugendlichen im ersten Jahr auf der Orientierungsstufe lernen sollten, selbstständig zu arbeiten, sollten nicht die Eltern sie dazu anhalten, am Montag bereits die Aufgaben für Mittwoch zu machen – sondern dies den Kindern überlassen. Studien, die Schnyder in ihrer Arbeit zitiert, haben gezeigt, dass Eltern sich vor allem dann einmischen, wenn die Noten ihrer Kinder zu wünschen übrig lassen. Diese Einmischung führt jedoch nicht zu besseren, sondern zu schlech teren Leistungen. njb

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