Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

«Wir geben ihnen ihre Würde zurück»

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

«Wir brauchen ein Dach über dem Kopf, um uns gegen die Natur zu schützen. Eine Wohnung ist aber auch die Grundlage für ein gesellschaftliches Dasein», sagte Grossratspräsident Benoît Rey (CSP) gestern im Garten des Hauses an der Marcellogasse 16 im Freiburger Altquartier. Die heutige Gesellschaft sei in zunehmendem Masse von Angst getrieben, so dass humanistische Werte immer mehr von einer Abwehrhaltung infrage gestellt würden, ergänzte der Freiburger Syndic Thierry Steiert. «Die Stadt Freiburg kann und will hier einen Kontrapunkt setzen. Dieses Haus ist eine Bereicherung für das Quartier.»

Benoît Rey, Thierry Steiert sowie weitere geladene Gäste waren gestern ins Freiburger Altquartier gekommen, um die Räume des renovierten Hauses an der Marcellogasse 16 einzuweihen. Besitzerin des Gebäudes ist der Verein La Tuile, der damit sein Angebot für betreutes Wohnen erweitert. Heute sind die Wohnungen für alle Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers sowie die gesamte Freiburger Bevölkerung geöffnet.

Angebot für die Grauzone

Seit über zehn Jahren bietet der Verein La Tuile neben der Freiburger Notschlafstelle auch Plätze für begleitetes Wohnen an. Eine Notschlafstelle alleine genüge nicht, sagt Eric Mullener, Direktor von La Tuile, den FN. Denn es gebe einige Personen, die ohne eine längerfristige Betreuung immer wieder in die Notschlafstelle zurückkehrten. «Die Notschlafstelle darf aber nie die Lösung sein. Eine solche müssen wir ausserhalb finden, sei es mit einer eigenen Wohnung oder in einer Einrichtung.» Jedoch gebe es Personen, die genau in die Grauzone zwischen den beiden Lösungen fielen: Zu stark angegriffen, um selbstständig leben zu können, und zu wenig, um in eine Einrichtung eingewiesen zu werden. Für solche Personen seien diese Wohnungen, in denen jeder Bewohner Anrecht auf eine Stunde Betreuung pro Woche habe, ideal.

Welche Art von Problemen die Personen haben, die in diesen Wohnungen leben, sei sehr unterschiedlich, sagt Mullener. «Manche haben ein Suchtproblem, bei anderen sind es familiäre Probleme oder Verhaltensschwierigkeiten.» Auch das Finanzielle spiele dabei oft mit. «Hat eine Person keinen rechtlichen Wohnsitz, verliert sie auch das Anrecht auf Sozialhilfe.» Und ohne Sozialhilfe werde wiederum die Wohnungssuche schwierig. Grundsätzlich funktioniere das Sozialsystem in der Schweiz gut, ist Mullener überzeugt. «Manchmal werden aber die Leute durch gewisse Umstände von ihren Rechten abgeschnitten.» Dann brauche es eine Institution wie La Tuile, welche die Personen erneut an das Sozialsystem anschliesse und ihre Rechte wiederherstelle. «Wir bieten nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern geben ihnen ihre Würde zurück.»

Bei 91 Prozent erfolgreich

Dass das System mit dem begleiteten Wohnen funktioniert, zeigen die Erfahrungen, die La Tuile gemacht hat. Insgesamt 46 Personen hat La Tuile bisher in den begleiteten Wohnungen beherbergt. Erhielten beim Eintritt in das begleitete Wohnen 18 Personen eine Nothilfe und neun Personen Sozialhilfe, waren es beim Austritt nur mehr zehn Personen, die ganz auf Sozialhilfe angewiesen waren, sowie drei Personen, die zwar eine Arbeit hatten, aber dennoch Sozialhilfe bezogen. Zwölf Personen hatten eine Anstellung gefunden, 17 Personen bezogen eine Rente, eine Person war arbeitslos, eine wurde von der Familie unterstützt und von zwei Personen hat La Tuile keine weiteren Informationen.

Bei der Mehrheit der Nutzer sind die Massnahmen zur Wiedereingliederung gelungen. 91 Prozent der Personen haben eine dauerhafte Lösung gefunden, sei es mit einer eigenen Wohnung, einer Wohngemeinschaft oder in einer Einrichtung. Nur eine Person ist in die Notschlafstelle zurückgekehrt, und zwei sind verschwunden.

Platz für Erweiterung

Bisher hat der Verein La Tuile 15 Plätze für begleitetes Wohnen angeboten; sieben in Bulle, zwei in Villars-sur-Glâne und sechs im Freiburger Schönbergquartier. Die Wohnungen im Schönberg werden nun aufgelöst, doch mit dem Haus an der Marcellogasse wird das Angebot um zwei Plätze erweitert.

Das renovierte Gebäude verfügt über vier Dreieinhalb-Zimmer-Wohnungen sowie zwei Studios. Die fünf Personen, die aktuell im Schönberg wohnen, werden im Altquartier eine Zweier- und eine Dreier-WG bilden. Zwei neue Personen werden in die zwei Studios im obersten Stock einziehen. Eine Wohnung wird der Verein La Tuile für seinen künftigen Bedarf reservieren, die letzte Wohnung vermietet er an reguläre Mieter.

Das Haus an der Marcellogasse befinde sich mitten im Zentrum sowie in einem Quartier mit hohem sozialem Wert, sagt Eric Mullener. Dies mache es für die Nutzer einfacher, sich zu integrieren. Und mit der Vermietung einer Wohnung wolle La Tuile bereits im Haus für eine soziale Durchmischung sorgen, sagt Mullener. «Die Wohngemeinschaft, die dort einziehen wird, besteht aus einem Rentner und einem Studenten. Das ist ideal.»

Tag der offenen Tür:Marcellogasse 16, Freiburg. Sa., 21. Mai. 10 bis 15 Uhr: Besuch der Räume. 12 bis 14 Uhr: Festlicher Anlass mit Musik, einem Imbiss und Getränken.

«Dieses Haus ist eine Bereicherung für das Quartier.»

Thierry Steiert

Syndic der Stadt Freiburg

«Die Notschlafstelle darf nie die Lösung sein. Eine solche müssen wir ausserhalb finden.»

Eric Mullener

Direktor des Vereins La Tuile

Kosten: Kauf und Umbau für 2,3 Millionen

M ehr als zehn Jahre lang stand das Haus an der Marcellogasse 16 in Freiburg leer. Die Vorbesitzerin sei ins Ausland gezogen und dort gestorben. Als er erfahren habe, dass das Haus zum Verkauf stehe, habe der Verein sofort reagiert, sagt Eric Mullener, Direktor des Vereins La Tuile. In den letzten Monaten fanden nun umfassende Arbeiten statt. «Einfache Aufgaben konnten wir an unsere Nutzer vergeben», so Mullener. So etwa die Räumungsarbeiten. Die Kosten für Kauf und die Sanierungsarbeiten belaufen sich auf 2,3 Millionen Franken. Finanziert werde die Investition zu einem grossen Teil von der Loterie Romande. Auch habe La Tuile vor mehreren Jahren eine Erbschaft erhalten, die sie nun für das Projekt eingesetzt habe. Und schliesslich haben auch Spenden von Stiftungen, der reformierten Kirchgemeinde und dem Kanton Freiburg zum Projekt beigetragen. rb

Mehr zum Thema