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Heimattheater mal ein bisschen anders

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Das Bühnenbild erinnert an ein Wirtshaus. In der Mitte stehen zwei Tische, rechts davon ein Tresen, alle mit rot-weiss kariertem Tischtuch bedeckt. Im Hintergrund hat sich eine Band mit Schlagzeug, Gitarre, Klangstäben und anderen Instrumenten eingerichtet. Die Theatergruppe «Just a Moment» probt in der Aula der Orientierungsschule Tafers voller Tatendrang an ihrem aktuellen Stück.

«Just a Moment»: Das sind siebzehn Menschen mit geistiger Behinderung–vor allem aber mit vielen unterschiedlichen Talenten. Da ist zum Beispiel der hemdsärmlige Alain Aebischer, der voller Inbrunst den etwas behäbigen Gemeindepräsidenten spielt. Da ist Zoé Genoud, die eine grandiose Tanzeilage zum Besten gibt. Da ist Olivier Marti, der ein flinkes Mundwerk hat und grosse Mengen an Text auswendig lernt. Er verkörpert den Gemeindeschreiber.

Improvisationsübungen

Mimik, Gestik, Tanz, Gesang: Dass die ganz unterschiedlichen Talente, die in dieser etwas anderen Theatergruppe schlummern, zur Geltung kommen, ist das Werk von Irmgard Eggel und Stefan Schmutz. Die beiden Heilpädagogen, die für die Stiftung Les Buissonnets in Freiburg arbeiten, haben diese etwas andere Theatergruppe vor acht Jahren auf Initiative des Vereins Insieme Freiburg ins Leben gerufen (siehe Kasten).Die meisten Schauspieler wohnen in der Sensler Stiftung für Behinderte. Der Jüngste ist kaum über zwanzig, der Älteste, Alois Schafer, fast im Pensionsalter – «aber erst in einem Jahr, gell», wie er beteuert.

Eggel erklärt: «Unsere Spezialität ist es, die Stücke durch Improvisation zu erarbeiten.» Die Theaterpädagogin weiss dank ihrer Erfahrung, wie aus Improvisationsübungen mit der Zeit ein ganzes Theaterstück entstehen kann. «Jedes Jahr bestimmen wir zuerst ein Motto.» In diesem Jahr ist es das Thema Heimat. «Die Schauspieler überlegen sich dann, was sie selber mit diesem Thema verbinden». Familie, Freunde, das Wohnheim, der Rollstuhl – diese und andere Heimatklischees nannten die Schauspieler. Mit diesen Begriffen wurde auf der Bühne experimentiert, bis sich daraus allmählich eine Geschichte entwickelte.

Auch das Bühnenbild und die Kostümierung sind von Heimatbegriffen geprägt: Schauspielerin Julia Riedo zum Beispiel trägt stolz die Sensler Werktagstracht, ein Fondue-Caquelon steht auf dem Tresen, Jasskarten liegen auf dem Tisch, und daneben auch eine Ausgabe der FN – offenbar scheint sogar die Zeitung zum Heimatgefühl der Schauspieler zu gehören.

Dürrenmatt überarbeitet

Aus den Improvisationsübungen ist eine Geschichte entstanden, die an eines der bekanntesten Werke der Schweizer Literatur erinnert – Friedrich Dürrenmatts «Besuch der Alten Dame». Die Schauspieler – die meisten von ihnen spielen Dorfbewohner–warten gespannt auf einen angekündigten Besuch: Käthi, die Jahre zuvor aus dem Dorf vertrieben worden ist, kommt zurück – nennt sich jetzt aber nicht mehr Käthi, sondern Catherine. Sie bringt einen geheimnisvollen Koffer mit, um den ein grosses Gerangel entsteht. Der Koffer soll nämlich demjenigen Dorfbewohner gehören, der sich am meisten für die Dorfgemeinschaft einsetzt.

Doch im Stück der Freiburger Theatergruppe kommt der Klassiker witzig überarbeitet daher: Das Rauchverbot wird missachtet, die Feuerwehr muss ausrücken, und auch eine Liebesszene hat sich irgendwie eingeschlichen.

Wichtige Rolle der Musik

Ein wichtiges Element ist die Musik. Stefan Schmutz erklärt: «Wir sind eine Musiktheatergruppe. Musik und Thea- ter entstehen immer gemeinsam.» Schmutz selber beginnt, Gitarre zu spielen und zu singen; die Musiker an seiner Seite steigen nach und nach mit ein–so entsteht ein Klangteppich, der das ganze Stück stimmig untermalt. Das klingt zwar manchmal ein bisschen verschroben und dissonant, irgendwie findet sich die Harmonie aber immer wieder. «Die Musiker haben auch ein gutes Gefühl dafür entwickelt, wann sie leiser und lauter werden müssen», erklärt Schmutz.

Das Theaterspielen ist für viele Schauspieler schon ein fester Bestandteil in ihrem Leben geworden. Viele möchten auch nächstes Jahr unbedingt wieder ein Stück «mit der Frau Eggel» einstudieren. Alain Aebischer, der dieses Jahrden Gemeindepräsidenten gibt,weiss auch schon, was für eine Rolle er das dann spielen möchte: einen Mönch. Diese Rolle wäre ihm mit dem etwas rundlichen Gesicht, dem gepflegten Bart und dem weichen Blick jedenfalls wie auf den Leib geschrieben.

Aula,Juchstrasse 9, Tafers. Aufführungen: Fr., 9. Oktober, 19.30 Uhr und So., 11. Oktober, 16 Uhr.

«Wir sind eine Musiktheatergruppe. Musik und Theater entstehen gemeinsam.»

Stefan Schmutz

Musikalischer Leiter von «Just a Moment»

Zum Verein

«Just a Moment» und Insieme Freiburg

Insieme Freiburg ist ein Verein für Eltern und Freunde von geistig und mehrfach behinderten Menschen. Dank der Initiative von Insieme Freiburg konnten beispielsweise eine Schule für Kleinkinder, Förderklassen, Wohnheime und geschützte Werkstätten errichtet werden. Insieme Freiburg bietet ausserdem verschiedene Freizeitaktivitäten für Menschen mit Behinderung. Eine dieser Aktivitäten ist die Theatergruppe «Just a Moment». Sie wurde 2007 ins Leben gerufen und steht seither unter der Leitung von Irmgard Eggel und Stefan Schmutz. Bereits sieben Stücke hat die Theatergruppe bisher aufgeführt. Sie steht Menschen mit Behinderung aus beiden Sprachgruppen des Kantons offen, deshalb waren die Stücke bis anhin immer zweisprachig. Dieses Jahr wird mit «Heimat» erstmals ein Stück nur in deutscher Sprache aufgeführt.ko

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