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Homo demens?

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Eines Tages stiegen sie von den Bäumen herunter, legten die Felle ab, begannen aufrecht zu gehen und nannten sich fortan Homo sapiens – der weise Mensch. Das kommt mir wie ein veganer Hund vor. Zugegebenermassen ist der Krone der Schöpfung eine gewisse Bauernschläue nicht abzusprechen. Aber Weisheit? Ein Witz, masslose Übertreibung. Und Intelligenz? Sollte sie tatsächlich vorhanden sein, wird sie jedenfalls nicht hauptsächlich zur Schaffung einer besseren, einer leidlosen Welt benutzt, sondern um andere über den Tisch zu ziehen, möglichst viel zu scheffeln, andere zu bekämpfen und sich auch gelegentlich gegenseitig umzubringen. Und wozu das alles? Um am Ende grösser und mächtiger zu scheinen und reicher zu sterben als andere. Das ist Wahnsinn und nicht Weisheit. Müsste man den Homo sapiens nicht doch eher Homo demens nennen, der Verrückte, der Wahnsinnige?

 

In unseren Breitengraden wird Intelligenz mit dem Bildungsniveau gleichgesetzt. Je länger es einer in der Bildungsmaschinerie aushält, desto intelligenter sei er, meint man. Und da Intelligenz für Fortschritt und Entwicklung steht, wird Bildung zum Allerweltsheilmittel getunt. «Mehr Bildung, weniger Menschheitsprobleme» ist die Denkfigur. Dabei werden doch die grössten Eseleien und Niederträchtigkeiten und das meiste Elend dieser Welt – Kriege, Umweltverschmutzung, Hungersnöte, Finanzkrisen und so weiter – nicht von ein paar durchgeknallten Analphabeten veranstaltet, sondern von bestens ausgebildeten Wahnsinnigen. Die meisten Terroristen der letzten dreissig Jahre waren übrigens überdurchschnittlich gebildet.

Da läuft doch etwas schief. In der Dritten Welt ist mehr Bildung unverzichtbar. Aber in unseren Breitengraden bringt uns noch mehr Bildung – so wie sie ist – keinen Schritt weiter. Weil nicht mangelndes Wissen unser Problem ist, sondern unsere schrägen Einbildungen und Überzeugungen. Sie führen zu unserem grenzdementen Verhalten und lassen uns mit Fleiss den Ast, auf dem wir alle sitzen, unbeirrt absägen. Sie machen uns zu Wahnsinnigen – zum Homo demens. Es ist die Einbildung, dass wir die Mitte des Universums sind und dass alles exklusiv für uns geschaffen wurde; der Glaube an einen vermenschlichten Gott, der uns am Ende gnadenlos richtet, der Glaube, dass dieser Glaube der einzig richtige ist; die Überzeugung, dass es nicht genug für alle hat und wir uns deshalb gnadenlos konkurrenzieren müssen; die Überzeugung, dass Sinn und Zweck der Wirtschaft maximale Rendite ist; die Einbildung, dass nur der Stärkere etwas taugt; die Einbildung «recht zu haben»; die Überzeugung, dass es keine Alternative zum Bestehenden gibt. Erst wenn wir diese Hirnwürmer losgeworden sind, werden wir in der Lage sein, unsere Intelligenz intelligent einzusetzen.

 

Beat Brülhart wohnt in Düdingen. Er ist Unternehmensberater und Trainer für Führungskräfte sowie Referent am Schweizerischen Institut für Unternehmensschulung. Als Mitglied des Gewerbeverbandes Sense ist er in einem FN-Kolumnistenkollektiv tätig, das in regelmässigem Rhythmus frei gewählte Themen bearbeitet.

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