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«Ich hatte immer ein Dossier bereit»

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Als Heribert Rappo seine Stelle beim Freiburger Meliorationsamt antrat, gab es noch keine Computer. Er verfasste den Entwurf für Statuten und Reglemente einer neuen Genossenschaft von Hand, gab sie seiner Sekretärin zum Abtippen auf der Schreibmaschine. «Wenn es immer wieder Änderungen gab, traute ich mich manchmal fast nicht mehr zu ihr. Wir brauchten viel Tipp-Ex und Kleber», sagt Rappo und lacht. Der Computer habe einen grossen Teil der Arbeit erleichtert, sagt er. Und auch sonst veränderte sich in all den Jahren einiges (siehe Kasten).

Der 64-jährige Heribert Rappo ist seit Ende März in Pension. Er hat über 40 Jahre lang im Meliorationsamt, das ab 2007 zusammen mit der kantonalen Zentralstelle für Agrarkredit in das Amt für Landwirtschaft überging, gearbeitet. Dabei war er zuständig für die «Strukturverbesserung» im deutschsprachigen Kantonsteil, insbesondere im Sensebezirk und in Jaun. Landwirtschaftliche Strukturverbesserung bedeutet den Bau von Alpwegen und Wasserversorgungen oder die Ent- und Bewässerung von Kulturland. Zudem gehört dazu, Land nach Unwettern wiederherzustellen oder Hangrutsche bei Alpweiden zu sichern. Rappo war verantwortlich, dass die Subventionen von Kanton und Bund in die Projekte flossen. «Und daneben war ich auch ein bisschen Mädchen für alles.»

Heribert Rappo ist in Plaffeien aufgewachsen und absolvierte in einem Ingenieurbüro in der Stadt Freiburg die Lehre zum Tiefbau- und Eisenbahnzeichner. In diesem Büro arbeitete er noch einige Jahre, bis er in einem Zeitungsinserat sah, dass das Freiburger Meliorationsamt einen Deutschsprachigen suchte. Und genau die Sprache machte ihn zum Mädchen für alles. Denn da sonst kaum jemand Deutsch sprach, übernahm er verschiedenste Aufgaben für «seinen» Kantonsteil. «Es war vielseitig, ich war oft auch für Projekte im landwirtschaftlichen Hochbau zuständig, also etwa beim Bau von Scheunen und der Sanierung von Alpgebäuden.»

Für Genossenschaften

 Eine wichtige Aufgabe in Rappos Tätigkeit war die Umsetzung der Integralen Berglandsanierung mit vier Mehrzweckgenossenschaften, ein Projekt, bei dem 55 Millionen Franken in das Berggebiet im Sense-Oberland investiert wurden. In diesem Rahmen wurde etwa der Schwyberg mit Wegen erschlossen, genauso wie der Plasselbschlund und der Euschelspass. Im Muscherental erhielten die Alphütten Strom und die Basisstrasse wurde ausgebaut. Diese Erschliessungen vereinfachten den Unterhalt der Alpweiden, die Bewirtschaftung der Sömmerungen und Bergwälder.

Um die Projekte realisieren zu können, war es notwendig, dass sich die Landwirte zu Genossenschaften zusammenschlossen, was Rappo unterstützte. «Es gab sicher Subventionen von Kanton und Bund, aber die Eigentümer mussten auch einen grossen Teil berappen. Es war absolut notwendig, dass sie einander gegenüber solidarisch waren, denn die Wege und Erschliessungen sind Gemeinschaftswerke.»

Es sei jeweils nicht einfach gewesen, einen Kostenverteiler zu finden und Rechtliches zu klären: Wem gehört welcher Wegabschnitt, wie sieht der Grundbucheintrag aus, und wie wird die Wegdienstbarkeit geregelt? Solche Fragen stellten sich. Im Gebiet Schwyberg-Ättenberg etwa entstanden in den letzten Jahren über 20 Wege und Hofzufahrten; dafür brauchte es mehr als 20 Kostenverteiler. «Es war für mich ein Highlight, als diese Mehrzweckgenossenschaft einen Gesamtkostenverteiler für den Unterhalt des Wegnetzes abgesegnet hat.» Er habe dies den Genossenschaftern vorgeschlagen, da es auch ihnen Einsparungen bringe.

Für Berggebiet

Die Entwicklung des Berggebietes war Rappo ein Anliegen. «Ich schaute immer, dass ich ein Dossier bereithatte, wenn Geld kam», sagt er. Innerhalb des Amtes habe man für seine Projekte kämpfen müssen, denn vom Bund gab es jährlich ein Kontingent. Vor allem in den 1980er- und 1990er-Jahren sei der Kampf hart gewesen. «Damals boomten die Güterzusammenlegungen.» Vor allem im Seeland war früher Land auf Erben aufgeteilt und so Grundstücke zerstückelt worden. Diese galt es, wieder zu arrondieren, die Grenzen neu zu ziehen und ein neues Wegnetz zu erstellen. «Das frass die Kredite fast ganz auf.»

Für den Alpkäse

Der ehemalige Staatsrat Pascal Corminboeuf hatte Heribert Rappo 2001 als «Vater des Alpkäses» bezeichnet. «Das muss mit dem Gantrischli zusammenhängen», sagt Rappo, auf die Episode angesprochen. Genau: Corminboeuf äusserte den Satz an der Einweihung der Alpkäserei Gantrischli im Muscherental. «Der Grundeigentümer hatte damals ein Gesuch gestellt, um die Käserei einzurichten», erzählt Rappo. «Ich habe mir gedacht: Wenn jeder im Tal diesen Wunsch hat, geht das nicht gut aus.» Also habe er zusammen mit dem damaligen Präsidenten der Mehrzweckgenossenschaft, Louis Oberson, andere Landwirte angefragt: «Sie waren interessiert, so kam es zustande.» In seinem Amt stiess das Projekt allerdings zuerst auf Kritik. «Es war die Zeit, als viele Käsereien zugingen. Aber ich war überzeugt, dass es funktionieren würde.» Der Erfolg gibt ihm recht.

 Während 40 Jahren hat Heribert Rappo in der Stadt gelebt, für die Pension hat es ihn nun zurück nach Plaffeien gezogen. Die Alpen liegen ihm weiterhin am Herzen. «Während der Arbeit war die Distanz aber nicht schlecht», sagt er. Er sei wohl im Skiclub Plaffeien gewesen und habe in Plasselb Tennis gespielt. «Aber die Stammtischgespräche habe ich nicht mitbekommen.»

Mit 64 Jahren ist er ein Jahr zu früh in Pension gegangen. «Aber nicht, weil mir die Arbeit nicht mehr gefiel», sagt er. Im letzten Jahr musste er zwei grössere Operationen an Hüfte und Rücken über sich ergehen lassen. «Ich sagte mir, es gibt noch anderes als die Arbeit.»

Entwicklungen: Drei grosse Veränderungen

W ährend den 40 Jahren, in denen Heribert Rappo beim Meliorationsamt respektive beim Amt für Landwirtschaft gearbeitet hat, habe es drei markante Veränderungen gegeben: das neue Landwirtschaftsgesetz 1990, das Projekt der Integralen Berglandsanierung und die Fusion dreier Dienststellen zum Amt für Landwirtschaft. «Die Fusion war wichtig», sagt Rappo. Sie habe vieles vereinfacht, da beispielsweise Kommissionen zusammengelegt wurden. Auch sei es einfacher geworden, Daten auszutauschen.

Heribert Rappo erlebte sechs Staatsräte. Er erinnere sich noch gut daran, als Urs Schwaller die Direktion übernommen hat. «Er forderte, dass wir die Beschlüsse ausführlicher beschrieben. Sie sollten auch juristisch nach etwas aussehen. Ich muss sagen, er hatte recht.»

In all den Jahren sei der Papierkrieg gewachsen. «Die Bewilligungsverfahren wurden immer komplizierter.» Und Umweltschutzorganisationen hätten sich stärker eingemischt. «Das war nicht immer einfach. Wir mussten mit Leuten diskutieren, die nicht vom Fach sind. Aber meist fanden wir einen Kompromiss.» mir

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