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In Forel liegt tonnenweise Munition auf dem Seegrund – Das VBS verspricht weitere Analysen 

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Marc Vonlanthen, Präsident der Freiburger Sektion von Pro Natura, zeigt in Forel auf die Stelle im See, wo 4500 Tonnen Munition lagern.
Etelka Müller

In der freiburgischen Gemeinde Forel neben dem Naturschutzgebiet Grande Cariçaie befindet sich ein Fliegerschiessplatz der Schweizer Armee. 5000 Tonnen Munition liegen inzwischen auf dem Grund des Neuenburgersees nahe dem Ufer. Für Pro Natura ist dies kein Zustand. 

Es ist ein schöner und wilder Ort: Im freiburgischen Forel am Ufer des Neuenburgersees bläst ein starker Wind, das Rauschen der Wellen vermischt sich mit den Rufen zahlreicher Vögel in den hohen Bäumen. Der Pegelstand des Sees ist derzeit hoch, reissende Bäche füllen das Becken weiter mit Wasser. Tafeln weisen darauf hin, dass sich die Besucherin in der Naturschutzzone Grande Cariçaie befindet. Am selben Pfosten ist eine zweite Tafel angebracht: «Schiessanzeige Fliegerschiessplatz Neuenburgersee» heisst es darauf. Von Januar bis Mai und von Oktober bis Dezember fliegen hier Kampfmaschinen über den See und feuern Munition zu Trainingszwecken in den See. Auf dem Grund, in einer Tiefe von etwa vier bis fünf Metern, liegen gemäss einer Studie aus dem Jahr 2004 des eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) über 5000 Tonnen Munitionsrückstände. 

Kein Quadratmeter ohne Abfall

«Seit knapp hundert Jahren feuert die Armee hier Geschosse in den See», sagt Marc Vonlanthen, Präsident von Pro Natura Freiburg. Den Schiessplatz gibt es seit 1926. Taucher aus Frankreich hätten sich im Sommer in die Unterwasserwelt aufgemacht und den Boden untersucht: «Sie haben uns gesagt, dass es hier keinen Quadratmeter ohne Munitionsabfälle gibt.» Nach dem Zweiten Weltkrieg hätten hier sowohl die Schweizer Armee als auch private Unternehmen zudem Munitionsmüll entsorgt, der Schwermetalle wie Blei und Antimon, aber auch Sprengstoff wie TNT enthält. 

Für den Naturschützer ist dies ein unhaltbarer Zustand: «Wir von Pro Natura fordern, dass die Schweizer Armee ihre Verantwortung wahrnimmt und die Altlasten beseitigt.» Gleichzeitig müsse eine neue Lösung gefunden werden für die Schiessübungen: «Wir befinden uns hier an der Grenze zu einem grossen Naturschutzgebiet, die Tierwelt ist massiv gestört durch die Flugzeugtrainings.» 

Keine Analyse des Seegrunds

2015 habe die Armee eine Wasseranalyse vorgenommen und vermeldet, dass die geltenden Schutzbestimmungen eingehalten würden. Doch für Marc Vonlanthen liegt hier ein Methodikfehler vor: «Den Seegrund und die Ablagerungen im See haben sie nicht untersucht.» Die Deponie befinde sich im offenen Wasser, «es besteht die Gefahr von Korrosion, es sind reaktionsfähige Stoffe, die hier lagern», betont der Physiker. 

«Es ist Sache des Bundes, aufzuzeigen, dass keine Gefahr von der Deponie ausgeht für die Natur. Er muss das beweisen.» Das Innenleben von Munitionskörpern sei chemisch sehr komplex und kaum erforscht, «die Untersuchungen der Armee sind lückenhaft und nicht langfristig». Jeder Spaziergänger sei angehalten, seinen Abfall mitzunehmen und zu trennen, das solle auch für die Armee gelten, «sie sollte ein Vorbild sein». 

Arbeitsgruppe gebildet

Doch es gebe eine gute Nachricht, sagt Marc Vonlanthen: «Es tut sich etwas. Der Bund hat gemeinsam mit den betroffenen Kantonen Waadt, Neuenburg und Freiburg eine Arbeitsgruppe gebildet, um sich der Sache anzunehmen.» Das sei ein Schritt in die richtige Richtung, freut sich der Naturschützer. «Es ist uns wichtig, dass es eine Zusammenarbeit gibt und wir gemeinsam eine Lösung finden.»

Marc Vonlanthen verfasste einen Artikel für das Magazin von Pro Natura zum Munitionsmüll. Die Reaktionen darauf seien gemischt gewesen: «Die einen sind dafür, die Schiesstrainings abzuschaffen und den See von der Munition zu befreien.» Andere würden die Meinung vertreten, dass es die Schiesstrainings halt brauche. Für Marc Vonlanthen ist klar: «Müll hat in der freien Natur nichts zu suchen.»

Gebäude der Schiessanlage im freiburgischen Forel am Neuenburgersee. 
Etelka Müller

 

Ein Postulat verlangt Klärung

Die Freiburger Grossrätin Paola Ghielmini Krayenbühl (Grüne, Corpataux) und der Grossrat Cédric Péclard (La Broye c’est vous, Aumont) haben ein Postulat zum Schiessstand der Schweizer Armee in Forel eingereicht. Darin wollen sie wissen, wieso der Boden im See im Gegensatz zu Landschiessständen nicht analysiert wurde. Das Militär sage zwar, es gebe kein Risiko und die Situation sei unter Kontrolle. «Doch die Böden von 4000 Schiessanlagen in der Schweiz sind mit Blei und Antimon belastet und müssen von den Gemeinden saniert werden.» Dies sei beim Forel-Schiessstand nicht der Fall. «Diese Ungleichbehandlung erfordert Klärung.»

Zudem sei es überraschend, dass militärische Aktivitäten, die sehr laut und umweltschädlich sind, in dem Naturschutzgebiet erlaubt seien und die Ferienhäuser in der Naturschutzzone als schwerwiegende Eingriffe gelten würden und nun abgerissen werden müssten.

Die Grossräte wollen vom Staatsrat zudem wissen, wie viel und welche Arten von Munition und Metallen auf dem Seegrund liegen und wer im Fall einer Verschmutzung für die Sanierung des Standorts verantwortlich ist: «Hat der Kanton auf Freiburger Boden die Verantwortung für diese Sanierung? Was sind seine Rechte, möglichen Forderungen und Pflichten in dieser Situation?» Die Antwort des Staatsrats steht noch aus. emu

In einer Tiefe von vier bis fünf Metern liegen hier rund 4500 Tonnen Munition auf dem Seegrund. 
Etelka Müller

Reaktion von Bund und Kanton

Gemäss dem Sprecher der kantonalen Raumplanungs-, Umwelt- und Baudirektion, Guido Balmer, befasst sich der Freiburger Staatsrat mit dem Problem der Munitionsablagerungen im Neuenburgersee bei Forel. Entsprechende Treffen mit dem eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) stünden bevor. Aktuell erarbeitet der Bund ein Konzept für weitere Umweltanalysen zusammen mit den Kantonen, dem Bundesamt für Umwelt und Umweltorganisationen, wie VBS-Sprecherin Mireille Fleury auf Anfrage bestätigt. «Es geht darum, zu eruieren, welche weiteren Abklärungen nötig sind. Nebst Analysen des Wassers sind dieses Mal auch Analysen auf dem Seegrund, in den Sedimenten, vorgesehen.» Ein entsprechendes Treffen finde im Februar statt, so Fleury. In einer zweiten Phase im Frühling sollten dann die Analysen stattfinden. Abhängig von den Ergebnissen würden dann die weiteren Schritte definiert. Laut Fleury sei es verfrüht, über mögliche konkrete Massnahmen zu sprechen. Ob diese eine Totalsanierung der verschmutzten Zonen und gar das Einstellen der Schiessaktivitäten beinhalten, ist also noch offen. 

Gemäss einer Antwort des Staatsrats zu einer parlamentarischen Anfrage aus dem Jahr 2017, zahlt die Armee für die Nutzung des Schiessplatzes in Forel jedes Jahr eine Pauschale von 16’000 Franken in einen interkantonalen Fonds für Fischereiforschung und -wirtschaft, der von einer interkantonalen Kommission verwaltet wird. Auf die Frage, ob mit diesen Geldern auch eine allfällige Sanierung des Zielgebiets finanziert werden könnte, antwortete der Staatsrat damals, dass die interkantonale Kommission frei über die Nutzung der Fondsmittel bestimmen könne. Er stellte aber grundsätzlich klar, dass bei einer Sanierung die Kosten gemäss dem eidgenössischen Umweltschutzgesetz vom Verursacher getragen würden. rsa

Die Schiessübungen der Luftwaffe beginnen Mitte Februar

Vom 15. Februar bis am 19. März wird die Schweizer Armee Schiessübungen in Forel auf dem Neuenburgersee durchführen, wie das eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) in einer Mitteilung schreibt. Bei diesen Fliegerschiessen kommen Jets vom Typ F/A-18 Hornet zum Einsatz. Die Flüge können von Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr und von 13.30 bis 16 Uhr durchgeführt werden. «Sie können plötzliche und sich wiederholende Lärmbelästigungen verursachen», so das VBS. Die Piloten würden auf feste oder sich bewegende Ziele auf dem See feuern. emu

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