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Naturbeobachter stellen fest: Der Frühling kommt immer früher

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Naturfreunde in der ganzen Schweiz beobachten im Auftrag von Meteo Schweiz das Wachstum von Pflanzen. Mit den daraus gewonnenen Resultaten kann die Klimaveränderung von Jahr zu Jahr verglichen werden.

Mit dem letzten Tag des Monats Mai geht der meteorologische Frühling zu Ende. Der astronomische Frühling dauert noch bis zum 21. Juni, dem Tag der Sommersonnenwende. Für unsere Augen und Gefühle ist aber der phänologische Frühling der wichtigere, denn in der Natur blühen dann wieder alle Pflanzen und entfalten eine spezielle Farbenpracht.

Den Frühling beobachten

Phänologen von Meteo Schweiz, die sich mit dem Pflanzenwachstum während der Jahreszeiten beschäftigen, haben seit 1954 ein eigenes Beobachtungsnetz aufgebaut. Freiwillige Beobachter, die Freude an der Natur haben und über die ganze Schweiz verteilt sind, gehen verschiedenen Wachstumsphasen von definierten Pflanzen nach.

Zum Frühling gehört zum Beispiel das Erblühen des Haselstrauchs, des Huflattichs, des Buschwindröschens und des Kirschbaums. Im Weiteren werden die Blattentfaltung der Rosskastanie und der Buche, der Nadelaustrieb der Lärche sowie die Blüte des Löwenzahns und des Wiesenschaumkrauts beobachtet.

Vergleich mit Mittelwert

Die Beobachter notieren das genaue Datum dieser charakteristischen Entwicklungsstadien und senden die Beobachtungsergebnisse zur Auswertung an Meteo Schweiz. Die Fülle der Resultate wird in verschiedenen Bulletins ausgewertet und zu einem «Frühlingsindex» verrechnet. Er zeigt den Zeitpunkt der Vegetationsentwicklung im Frühling an. Als Bezugspunkt dient der Mittelwert einer 30-jährigen Klimaperiode, die zurzeit auf 1981–2010 festgelegt ist.

Die jährlichen Abweichungen von diesem Mittelwert (0-Linie) werden in der grafischen Darstellung (siehe Abb. 1) in Tagen aufgezeichnet.

Abb.1: Die hellgrünen Säulen bedeuten eine frühe Vegetationsentwicklung in warmen Frühlingsmonaten. Dunkelgrüne Säulen bedeuten späte Entwicklungen in kälteren Frühlingsmonaten.
MeteoSchweiz

Kühler oder wärmer

Für die Entwicklung von Pflanzen spielt die Lufttemperatur eine zentrale Rolle. Die grafische Darstellung mit den Abweichungen zeigt uns einen späten Frühlingsanfang infolge von kühleren Tagen (Plus-Abweichungen, dunkelgrün) oder einen frühen Frühlingsbeginn dank wärmeren Tagen (Minus-Abweichungen, hellgrün).

Der frühe Frühlingsbeginn der letzten Jahrzehnte ist deutlich zu erkennen und gibt einen Hinweis auf die Auswirkungen des Klimawandels auf die Vegetation.

Früher als vor 30 Jahren

Seit 1988 hat es keine eigentlich kalten Jahre mehr gegeben. Die Vegetationsentwicklung beginnt heute durchschnittlich fünf bis zehn Tage früher als noch vor rund 30 Jahren.

Die Pflanzenwelt (Flora), die phänologischen Beobachtungen dient, ist vor allem im Flachland verbreitet und geht bis auf eine Höhe von circa 1000 Metern über Meer. Darüber gelangen wir schon in voralpine Bereiche.

Nun kann man sich fragen, ob es in höher gelegenen Alpentälern wie zum Beispiel dem Oberengadin auf einer Höhe von circa 1800 Metern über Meer auch noch einen Frühling gibt.
Es ist tatsächlich so, dass im Oberengadin der lange, kalte und schneereiche Winter vom Dezember bis in den April dauert. Es folgt dann eine relativ kurze Frühlingszeit, die schon bald dem Sommer Platz macht.

Die typische Frühlings-Flora des «Unterlands» findet man auf diesen Höhen nicht oder nur selten. Aber auch in diesen Gegenden warten die Menschen spätestens im April auf den Abschied des Winters. Dieser Zeitpunkt wird in einer weiteren, langen Beobachtungsreihe beschrieben.

See ist Anhaltspunkt

Die Reihe entstand mit einer interessanten Idee, die 1832 im Oberengadin aufkam, nämlich den Zeitpunkt des Auftauens des St.-Moritzer-Sees als Frühlingsbeginn zu notieren. Die lückenlos erhobenen Daten der Beobachtungsreihe können grafisch dargestellt werden (siehe Abb. 2). Die Chronik wurde uns in verdankenswerter Weise von Dr. This Rutishauser (kontextlabor.ch) vermittelt.

Abb. 2: Auftaudaten des St.-Moritzer-Sees von 1832 bis 2020.
Engadiner Post/Bafu

In dieser Klimareihe zählt man die Tage, die vom 1. Januar eines neuen Jahres an vergehen, bis der See total aufgetaut ist. Im Durchschnitt der letzten 185 Jahre ist der See ab 12. Mai eisfrei, also 132 Tage nach dem 1. Januar.

Der späteste Termin wurde im Jahr 1837 registriert. Da taute der See erst am 8. Juni (159 Tage nach dem 1. Januar) vollständig auf. Der früheste Termin war der 11. April 2017 (101 Tage nach dem 1. Januar).

Kalter Winter

Die Witterung im Winter ist geprägt durch sehr tiefe Temperaturen. Die Wetterstationen des Oberengadins zeigen von November bis April 28 bis 30 Frosttage pro Monat. Das sind Tage, an denen das Thermometer in der Nacht und am Morgen Temperaturen unter 0 Grad Celsius anzeigt.

Tagsüber steigen die Temperaturen nur wenig über den Gefrierpunkt. In den Monaten Dezember, Januar und Februar registriert man 15 bis 20 Eistage pro Monat, also Tage, an denen das Thermometer ganztags unter 0 Grad Celsius bleibt.

Solche tiefen Temperaturen sind natürlich ideal für die Bildung einer kompakten Eisschicht auf den drei Oberengadiner Seen, dem Silser-, dem Silvaplaner- und dem St.-Moritzer-See. Wenn die Eisschicht eine Dicke von mindestens 30 Zentimetern aufweist, können die Seen für touristische Zwecke, zum Beispiel für das White Turf (Pferderennen auf dem See), den Engadiner Ski-Marathon, Curling auf den Eisflächen, Eisschnelllaufen, Eistanz usw. freigegeben werden.

Die grafische Abbildung der Auftaudaten zeigt aber klar, dass sich dieser Zeitpunkt beim St.-Moritzer-See infolge der Klimaerwärmung immer früher einstellt. Zurzeit liegt das Datum des vollständigen Auftauens durchschnittlich bereits am Ende des Monats April. Ist das für die Bewohner dieser Gegend erfreulich? – Aus wirtschaftlicher Sicht wird es sich immer mehr auf den umsatzstarken Wintertourismus auswirken.

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