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Viel reden, viel schreiben und trotzdem nichts ändern

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Die Schweiz: ein kleiner Punkt auf dem Globus. Genf: ein noch kleinerer Punkt. Aber wissen Sie, wie bedeutend dieser Ort für Sie ist? Sie trinken Kaffee, nicht? Mit einem Spritzer Milch oder einem, ausnahmsweise auch mal zwei Würfeln Zucker? Gut. Dann interessiert Sie womöglich folgender Fakt: Wenn ich mich nicht täusche, werden 70 Prozent des weltweiten Kaffeehandels von Genf aus betrieben.

Natürlich sind das Zahlen, und Zahlen sind für uns nichts Ungewöhnliches. Aber ehrlich: Diese Zahlen kann ich mir nicht einmal vorstellen. Das ging früher noch besser. Da versuchte ich wenigstens alles in Reiskörnern oder Kuchenstücken zu sehen. Die Algebra brachte da schon einen leichten Vorstellungsschwund mit sich. Jetzt esse ich den Reis und den Kuchen nur noch. Und die Zahlen überlasse ich den Algorithmen (ein Fremdwort, ich verstehe es auch nicht) und den klugen Köpfen, welche die Algorithmen schreiben.

Aber zurück zum Kaffee: Man muss sich vorstellen, dass fast jeder Kaffee, der auf der Welt getrunken wird, einen Bezug zur Schweiz hat. Die Mehrheit des schwarzen Goldes passiert also virtuell die Schweiz. Virtuell! Nun stelle ich mir vor, wie das wäre, wenn all diese Bohnen wirklich unsere Grenzen passierten und es zu einem Ausfall kommen würde. Und zu einem Stau zwischen Im- und Export führen würde. Dann würde es plötzlich richtigen Kaffee regnen! So wandeln sich Vorstellungen, und Träume werden zu Albträumen.

Genug der Gedankenexperimente. Ursprünglich wollte ich mich in diesem Text ja über unsere Welt aufregen. Wie unfair sie doch ist: Die Armen schuften in den Entwicklungsländern für unseren Genuss. Sie kratzen sich tagein und tagaus die Hände ab, während wir uns die Fingernägel polieren. So ungefähr sollte das werden. Sie sehen, welche Richtung ich hätte einschlagen wollen: viel reden, viel schreiben und doch nichts ändern. Naja, so ist das, wenn man Texte schreiben muss und keine Zeit hat, um Dinge wirklich anzupacken. Schon komisch: Früher nahm das Handeln oft dem Denken die Zeit weg. Und heute? Heute braucht das Denken viel Zeit und lässt die Gesellschaft partiell verfetten, weil zum Handeln die Zeit fehlt. So verlieren schöne Vorstellungen schon wieder ihren Reiz. Träume werden zu Albträumen.

Ich werde erst wieder jammern, wenn ich wirklich etwas getan habe. Denn jetzt stelle ich mir alles nur vor. Und Menschen, die einfach nur jammern darüber, was nicht gut ist, selber allerdings nichts zum Guten beitragen, die ärgern mich eigentlich noch viel mehr als die vielen Ignoranten. Es bieten sich mir also zwei Optionen. Die erste: Ich halte meine Klappe und öffne sie erst wieder, wenn ich aktiv zum Wohl der Menschheit beizutragen versucht habe. Oder die zweite, weitaus bequemere Variante: Ich nehme zur Kenntnis, dass wir unseren Wohlstand auf Kosten der Dritten Welt wohl verdient haben und es daran nichts zu ändern gibt oder das zumindest nicht an uns liegt.

Ein Kompromiss zwischen beiden ist undenkbar. Kompromisse sind nämlich die wahren Bremsen. Konsequenz ist eine bemerkenswerte Tugend. Ich besitze sie nicht, leider. Viel zu wenige von uns besitzen sie, leider.

Dieser Text entstammt dem ZiG-Blog, der von einem Schülerkollektiv aus dem Kollegium Sankt Michael betreut wird. Alle Blogeinträge unter: www.freiburger-nachrichten.ch/zig-blog

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