Volleyball 06.02.2020

Eine Niederlage, die hoffen lässt

Der TS Volley Düdingen ist im Achtelfinal des CEV-Cup erwartungsgemäss ausgeschieden. Bei der 0:3-Niederlage gegen das französische Team Volero Le Cannet haben die Power Cats dennoch vieles richtig gemacht.

814 Zuschauer waren gestern Abend in die ­St.-Leonhard-Halle gekommen, etwa gleich viele wie im letzen CEV-Cup Spiel gegen das unbekannte Team Luka Bar aus Montenegro. Bei Düdingen hatte man sich erhofft, dass der Name Volero etwas mehr Leute anlocken würde, schliesslich ist der Name bei den Schweizer Volleyballanhängern bestens bekannt. Volero Zürich hatte die Schweizer Liga von 2005 bis 2018 dominiert und für viel Spektakel gesorgt. Auch wenn Zürichs Präsident Stav Jacobi seine Spielerinnen inzwischen nach Cannes umgesiedelt hat und mit ihnen nun als Volero Le Cannet in der französischen Ligue A antritt, so garantiert die Marke Volero nach wie hochstehenden Volleyballsport.

Steigerung nach verkrampftem Beginn

Vielleicht lag es an der sehr schwierigen Ausgangslage der Power Cats, dass nicht mehr Zuschauer den Weg nach Freiburg fanden. Nach der 0:3-Niederlage im Hinspiel hätte Düdingen 3:0 oder 3:1 gewinnen müssen, um sich in einen Entscheidungssatz – den sogenannten Golden Set – zu retten und dort irgendwie die nächste Runde zu erreichen.

Dass dieses Unterfangen schwierig werden würde, zeigte sich bereits im ersten Satz. Nach nur 20 Minuten hatte Le Cannet diesen mit 25:15 gewonnen. «Wir sind sehr schlecht in das Spiel gestartet, wollten es besonders gut machen und waren deswegen zu verkrampft», bedauerte Trainer Dario Bettello nach dem Spiel. «Wie wir darauf reagiert haben, war dann aber ganz stark.»

Nach dem kollektiven Winterschlaf erwachten die Power Cats im zweiten Durchgang. Angeführt von den beiden bestens aufgelegten Aussenangreiferinnen Simona Dimitrova und Inès Granvorka holten sie einen Fünf-Punkte-Rückstand auf und glichen bei 20:20 aus. «Es hat etwas gedauert, bis wir uns an den höheren Rhythmus und den grösseren Block von Volero gewöhnt hatten», erklärte Granvorka den Aufschwung ihres Teams.

Die Düdingerinnen schafften es zwar, das Tempo mitzugehen und aufzuholen, es gelang ihnen aber nicht, die Pace bis zum Satzende durchzuziehen. «Da sieht man eben den Unterschied zwischen einem Team wie Volero, das regelmässig auf so hohem Niveau spielt, und uns. Wir sind es nicht gewohnt, konstant auf einem so hohen Level zu spielen», kommentierte Granvorka das 23:25.

«Sind bereit, die Playoffs zu dominieren»

Das Duell war damit entschieden: Le Cannet stand im Viertelfinal, und Trainer Lorenzo Micelli schonte seine besten Spielerinnen Anna Lazareva, Liset Herrera Blanco und Anastasia Kornienko. Das nutzen die Power Cats, um im dritten Satz gross aufzuspielen. In der Defensive quasi fehlerfrei und im Angriff variantenreich, sorgten sie dafür, dass das Spiel hin und her wogte. Zum Satzgewinn reichte es trotz aller Efforts doch nicht – die zwölf Eigenfehler verhinderten ein besseres Resultat.

«Le Cannet war das bessere Team und hat verdient gewonnen», anerkannte Samantha Cash, die als beste Düdinger Spielerin ausgezeichnet wurde, die Überlegenheit des Gegners. «Im Angriff haben wir sehr vieles richtig gemacht. Gegen jedes Schweizer Team hätte dies mit Sicherheit zum Sieg gereicht. Jetzt müssen wir noch ein paar kleine Details ver­bessern, dann sind wir bereit, um die NLA-Playoffs zu dominieren.»

Wieder bis in den Achtelfinal

Auch wenn es nicht zum Exploit gereicht hat, so kann Düdingen auf das Erreichen des CEV-Cup-Achtelfinals stolz sein. Es war erst das zweite Mal in der Vereinsgeschichte der Power Cats, dass sie in einem europäischen Wettbewerb so weit vorgestossen sind.

Über das Ausscheiden ist man deshalb in Düdingen nicht zu sehr enttäuscht, zumal Europacup-Spiele immer ein zweischneidiges Schwert sind. Aus sportlicher Sicht stellen sie einen Gewinn dar: Für die Volleyballerinnen ist es eine willkommene Gelegenheit, um auf einem hohen Level wertvolle Spielerfahrungen zu sammeln. Aus finanzieller und organisatorischer Sicht sind Europacup-Spiele hingegen eine Gratwanderung. «Wir haben viel unternehmen und zahlreiche Side-Events organisieren müssen, um die Rechnung ausgeglichen zu gestalten», sagte Düdingens Vereinspräsident Christian Marbach gestern. Bei der ersten Europacup-Runde sei die Organisation relativ einfach, weil man genügend Vorbereitungszeit habe. «Bei den weiteren Spielen bleibt aber weniger Zeit und damit steigt mit jeder Runde das Risiko, rote Zahlen zu schreiben.»

Steinemann läuft die Zeit davon

Nun kann man sich wieder voll auf die Meisterschaft und den Schweizer Cup konzentrieren. Am Samstag (17.30 Uhr) bestreiten die Senslerinnen beim NLA-Schlusslicht Toggenburg ihr letztes Qualifikationsspiel, ehe es dann Ende  Februar, mit dem Playoff-Viertelfinal losgeht. Ob dann wie erhofft Elena Steine­mann wieder mitspielen kann, wird allerdings immer unwahrscheinlicher. Ihr Fussbruch will nach wie vor nicht richtig verheilen, weshalb sie sich heute bei einem Spezialisten erneut untersuchen lässt.

Telegramm

Düdingen - Le Cannet 0:3 (15:25, 23:25, 20:25)

St.-Leonhard-Halle, Freiburg. – 814 Zuschauer. – SR: Mateizer (RUM)/Nuno Maia (POR).

TS Volley Düdingen: Pierret, Dimitrova, Girard, Brunner, Granvorka, Cash, Deprati (Libera); Sulser, Mebus.

Volero Le Cannet: Ortschitt (Libera), Kornienko, Bytsenko, Hasanova, Lazareva, Celic, Herrera Blanco; Giardino (Libera), Abrhamova, Barakova, Jovic, Yaneva, Agbolossou.

Bemerkungen: Düdingen ohne Steinemann (verletzt). – Wahl zu den besten Spielerinnen: Cash und Herrera Blanco.