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«Wir schickten sie direkt an die Front»

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Stundenlang musste Pius Fasel während des Zweiten Weltkrieges an der Grenze dem Zaun entlanggehen. Die Deutschen auf der anderen Seite. «Wir hatten ständig Angst vor den Granaten. Einer meiner Kameraden fürchtete sich so sehr, dass immer ich direkt am Zaun war.» Der heute 94-jährige Pius Fasel war damals knapp über 20 Jahre alt. «Ich dachte oft: Das ist mein Tod.»

Als der Krieg ausbrach, war Pius Fasel 19. Bereits am Tag nach Kriegsbeginn musste er sich für die Rekrutenschule stellen. Seine Blutwerte waren jedoch zu wenig gut. Ein Jahr später war es dann so weit: Er absolvierte die Rekrutenschule in Bern und musste danach direkt einrücken: Regiment 1, Bataillon 17.

Alliierte entwaffnen

Das Regiment war vor allem im Jura unterwegs und hatte zwei Hauptaufgaben: Sich um internierte Franzosen kümmern und den Landwirten vor Ort unter die Arme greifen. «Französische Alliierte kamen in Genf über die Grenze. Wir mussten sie sofort entwaffnen», erzählt Fasel. Man habe in ständiger Angst gelebt, dass Deutschland auch die Schweiz angreifen würde.

Fasel diskutierte mit Franzosen, Deutschen, Polen. «Es ging uns allen gleich.» Mehrmals musste der junge Mann französische Soldaten wieder über die Grenze begleiten. «Wir schickten sie direkt an die Front», sagt er. «Aber das konnten wir ihnen nicht sagen. Das war das Traurige am Krieg.»–«Wie haben Sie das verkraftet?»–«Wissen Sie, du verkraftest das einfach. Du bist Soldat.»

Kutteln ohne Salz

Das Leben an der Grenze war hart: Zwei dünne Stück Brot am Morgen, ein wässriger Eintopf mittags und abends. «Wir assen wochenlang das Gleiche», sagt er. «Manchmal erhielten wir am Mittag einen Gamellendeckel voll Kutteln–ohne Salz, ohne Sauce.» Auch Körperhygiene war nur sehr beschränkt möglich: «In der Feldlatrine verrichteten wir unsere Notdurft, und waschen konnten wir uns nicht richtig.» Die Uniform trugen die Männer tage-, ja wochenlang. «Wenigsten rochen wir alle gleich», sagt Fasel und lacht.

Körperlich habe er den Krieg gut überstanden. «Ich wurde nie krank.» Erst im Alter habe er Probleme mit den Hüften und den Händen bekommen. «Das bekommt man ja nicht vom Herumliegen», sagt er, schmunzelt und zeigt seine von Arbeit, Wetter und Alter gezeichneten Hände. An der Grenze sei die psychische Belastung schlimmer gewesen: «Das Heimweh war furchtbar.»

Bilder, die bleiben

Nach dem Krieg übernahm Pius Fasel neben seinem Hof und der Familie verschiedenste Ämter, war Gemeinderat und sang im Chor. «Das alles hat geholfen, es gab Halt und die Kraft, etwas Neues aufzubauen.

Einige Bilder sind dem ehemaligen Wehrmann aber nie aus dem Kopf gegangen. «Die Franzosen hatten Senegalesen rekrutiert. Einmal sahen wir, wie eine Truppe schwarzer Männer den Wald entlangging. Die Deutschen schossen sie in wenigen Minuten alle nieder.» Besonders bewegt hat ihn auch das Kriegsende. «Ich war in Pruntrut, im Jura.» Wenige Tage zuvor habe er mit einem deutschen Soldaten über den Zaun hinweg gesprochen. «Er erzählte mir, dass er seit eineinhalb Jahren nicht mehr zu Hause gewesen war. Er hatte eine Frau und ein kleines Kind.»

Am 8. Mai 1945, als die deutsche Wehrmacht kapitulierte, konnten die Schweizer über die Grenze. «Das war ein Schlachtfeld. Man kann es nicht anders nennen. Überall Leichen. Offene Leiber. Körper mit abgetrennten Beinen. Auf einem Baumstrunk lag ein halbes Gesicht, die andere Hälfte am Boden. Sicher bin ich nicht, aber ich glaube, es war der Soldat, mit dem ich am Zaun gesprochen hatte.»

Pius Fasel spricht schnell, berichtet fast hastig. Sagt mehrmals: «Eigentlich kann man das nicht erzählen, man muss es erlebt haben.» Seine Truppe habe einen deutschstämmigen Hauptmann gehabt. «Am Ende sagte er uns, dass wir Zeugnis ablegen sollen, damit es nie wieder Krieg gibt. Aber schauen Sie heute, zum Beispiel in Israel. Die Menschen lernen nicht.»

Gezeichnet, nicht verbittert

Die Erlebnisse an der Grenze haben Pius Fasel gezeichnet, sie haben ihn aber nicht verbittert: «Ich habe fünf Jahre Dienst geleistet, das war meine Jugend.»–«Was denken Sie, wenn Sie die Jungen heutzutage sehen?»–«Wissen Sie, ich bin in Niedermonten, einem Weiler mit vielen Bauernhöfen aufgewachsen. Abends halfen wir einander, um mit der Arbeit fertig zu werden. Dabei haben wir alle zusammen gesungen. Das gibt es heute nicht mehr.»

Programm

Gottesdienst und Sonderausstellung

Der Gedenkanlass zu den Mobilmachungen findet am Samstag in der Pfarrkirche Tafers statt. Es gibt einen Einzug, begleitet von der Ehrengarde Cadre Noir et Blanc und vom Sensler Harscht. Zwei ehemalige Feldprediger zelebrieren einen ökumenischen Gottesdienst, mit dem Cäcilienchor Tafers. Brigadier Paul Meyer blickt auf die Mobilmachungen zurück, und der Sensler Oberamtmann Nicolas Bürgisser würdigt die Wehrmänner. Die Wehrmänner der Jahrgänge 1926 und älter erhalten eine besondere Ehrung. Es findet auch eine Totenehrung statt. Von Freitag bis Sonntag gibt es im Keller des Oberamtes eine Sonderausstellung. Parallel dazu zeigt das Sensler Museum Gegenstände, die während der Kriegszeiten im Alltag verwendet wurden.im/mir

 

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